Vortrag True Lies - das falsche Medienversprechen

Im Rahmen der Preisverleihung des Wettbewerbs Thessaloniki (Re)Visions

Vor ziemlich genau 100 Jahren hat ein kanadischer Philosoph, Geisteswissenschaftler und Kommunikationstheoretiker den Grundstein der Medientheorie nach unserem heutigen Verständnis gelegt: Marshall McLuhan.
Seine zentrale These lautet – verkürzt - Das Medium ist die Botschaft. Außerdem formulierte er den Begriff globales Dorf.
McLuhan prägte die Diskussion über Medien von den späten 1960er Jahren bis zu seinem Tod.
In Understanding Media , 1964, schlug er unter dem Slogan Das Medium ist die Botschaft vor, dass nicht der durch Medien übertragene Inhalt, sondern das Medium selbst der Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchung sein sollte.
McLuhan nahm an, dass nicht der übertragene Inhalt eines Mediums, sondern die Charakteristiken eines Mediums sich auf die Gesellschaft, in der das Medium auftritt, auswirken. Seine These veranschaulichte McLuhan am Beispiel einer Glühlampe.

 Eine Glühlampe hat keinen Inhalt wie z.B. eine Zeitungsmeldung, sie ist ein Medium, das soziale Effekte bewirkt, da sie es ermöglicht, Räume in der Dunkelheit zu schaffen, die andernfalls verborgen wären. Er beschreibt die Glühlampe als Medium ohne Inhalt. McLuhan konstatiert, dass eine Glühlampe allein durch ihre Anwesenheit eine Umgebung schafft. Er nahm an, dass der Inhalt eines Mediums nur einen geringen Einfluss auf die Gesellschaft habe, dass die Auswirkung auf die Gesellschaft nahezu gleich wäre, wenn ein Fernsehsender Kinderprogramme oder gewalthaltige Sendungen ausstrahlen würde. Er stellte fest, dass alle Medien den Konsumenten in einer charakteristischen Weise in Anspruch nehmen. Ein Abschnitt eines Buches kann nach Belieben wieder gelesen werden, ein Film muss jedoch in seiner ganzen Länge wiederholt werden, damit ein einzelner Abschnitt wieder gesehen werden kann.
Fast 50 Jahre später wissen wir natürlich schon mehr über diese Wechselwirkung von Medium und Inhalt zu vermelden!

Mischa Kuball
Der 1959 geborene Düsseldorfer Konzeptkünstler zählt zu den international renommiertesten Lichtkünstlern Europas und ist seit 2007 Professor für Medienkunst an der Kunsthochschule für Medien, Köln.
Die wichtigsten Elemente seines Werks sind Zeit, Raum, Sprache und Licht. Er entschied sich für das Licht, denn es kann verschiedentlich verwendet und geformt werden.
Seine Lichtprojekte, etwa 1990 das Megazeichen am Mannesmann-Hochhaus in Düsseldorf, 1994 die lichtdurchflutete Synagoge in Stommeln bei Köln, 1998 das „Private Light/Public Light“ als deutscher Beitrag zur 24. Biennale São Paulo oder das Projekt „100 Lichter / 100 Gesichter“ für die Kulturhauptstadt Ruhr 2010 verändern die Wahrnehmung des Lebensraums und schärfen den Blick.

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