Global Control & Censorship

Bis zum Erreichen ihrer Unabhängigkeit waren in der Slowakei autoritäre Strukturen, Überwachung und Zensur immer wieder bestimmende gesellschaftliche und politische Faktoren. Während Jahrhunderten hatte die Nation unter der Vereinnahmung durch verschiedene Mächte gelitten, die sich jeweils Freunde des slowakischen Volkes genannt haben. Dabei ist in der Politik Freundschaft immer nur eine Metapher für eindeutige Interessen und Abhängigkeiten, die meist der stärkere Partner zu seinem größeren Vorteil gestalten kann.
 
In demokratisch verfassten Gesellschaften sind staatliche Souveränität und Organisationsfreiheit der Bürger neben dem freiem Zugang zu Informationen, neben Pressefreiheit, Meinungsfreiheit und dem Recht auf Privatsphäre die wichtigsten Voraussetzungen für die Verwirklichung von kultureller und individueller Selbstbestimmung. Wegen ihrer besonderen historischen Erfahrung hat die Slowakei diese genannten Bürgerrechte verbunden mit dem Schutz von Minderheiten in ihre Verfassung aufgenommen. Aber auch heute gibt es vielfache Gründe wachsam zu sein, sei dies gegenüber implizierter politischer Einflußnahme oder gegenüber den ausgesprochenen Interessen privatwirtschaftlich global operierender Konzerne.
 
Wissen ist Macht. Noch mehr Macht hat jedoch, wer den Fluss der Informationen beherrscht. Dies gilt vor allem in der heute vorherrschenden digitalen Kultur, in der alle Informationen im weltweiten Netz überwacht und manipuliert werden können.
 
Die euphorische Nutzung mobiler Kommunikationsgeräte trägt dazu bei, dass heute Milliarden Menschen weltweit miteinander verbunden sind. Inhalte und Daten jeder Art werden täglich milliardenfach generiert und sekundenschnell über den ganzen Globus übermittelt. Noch bevor sie ihre Empfänger erreicht haben, werden diese Daten massenhaft durch private Dienstleister und staatliche Dienste abgegriffen, kontrolliert und anschließend für deren Zwecke weiterverwendet. Die digitalen Kommunikationsformen galten bisher als Hoffnungsträger einer neuen demokratischen Mitwirkung. Sie sind jedoch in jüngster Zeit als ideale Türöffner zur perfekten Überwachung und Steuerung von Milliarden Menschen umgenutzt und pervertiert worden. Wer sie nutzt, wird genutzt.
 
Das ist die Regel, auf die wir alle uns bequem eingelassen haben, um von diesen Kommunikationsformen zu profitieren. Smartphones, die ihre BenutzerInnen auf Schritt und Tritt begleiten, werden mit Spähsoftware infiziert und können ohne unser Wissen als Überwachungskameras und Abhörgeräte eingesetzt werden. Unsere Aufenthaltsorte und Bewegungsprofile sind jederzeit abrufbar. Informationen über unser Surf- und Kaufverhalten, unsere Kontaktdaten, Vorlieben und Schwächen können jederzeit ungefragt analysiert und weitergegeben werden.
 
Überwachung und Zensur bedingen sich gegenseitig; sie können nicht voneinander getrennt betrachtet werden. Überwachung von BürgerInnen sowie von Institutionen und Unternehmen, ja, auch die Überwachung von demokratisch gewählten PolitikerInnen und Parlamenten oder von JournalistInnen und RechtsanwältInnen ist seit jeher der geheime und gleichzeitig offen bekannte Auftrag staatlicher Dienste gewesen. In jüngster Zeit aber ist diese historische Praxis durch das staatlich legitimierte Ausspionieren aller BürgerInnen durch mächtige Dienstleister und Wirtschaftsunternehmen ausgeweitet worden. Gleichzeitig wird die Weitergabe von für die Allgemeinheit wichtigsten Informationen durch mutige JournalistInnen, ja sogar die Enthüllung illegaler Überwachung, das Aufmerksam-Machen auf Zensur und Folter durch staatliche Institutionen aufs Schärfste verfolgt und bestraft. Auch heute werden systemkritische JournalistInnen, SchriftstellerInnen und WhistleblowerInnen als VerräterInnen gebrandmarkt. Sie werden über alle Kontinente hinweg verfolgt, man droht ihnen mit Publikationsverbot, mit Hausarrest und Reiseverbot sowie mit lebenslangen Gefängnisstrafen oder gar dem Tod.
 
Gerade in jüngster Zeit sind viele Fälle sogar grenzüberschreitender Verfolgung und Zensur von Journalisten, Schriftstellern und Künstlern bekannt geworden, die auch von demokratisch verfassten Staaten ausgehen.
 
Nach der Verfolgung von Millionen von Menschen durch das Naziregime, steht nach dem Zweiten Weltkrieg die durch George Orwell zur Metapher verdichtete, allgegenwärtige gottgleiche Kontrollinstanz Big Brother erstmals für eine totalitäre staatliche Kontrolle mittels elektronischer Medien. In der Diktatur Stalins, kaum anders als während der Kommunistenjagd der McCarthy-Ära in den USA, wurden Millionen von Menschen wegen ihrer abweichenden Gesinnung verfolgt, in Gefängnisse und Lager gesperrt, gequält und vernichtet. Dies trifft auch auf die Situation der Slowakei in ihren verschiedenen Staatsformen während der deutschen Besetzung sowie während der Stalin-Ära und auch danach zu. Neben den Diktaturen Francos in Spanien und Salazars in Portugal, den Regimen Pinochets, Suhartos und Ceausescus, hatte auch das Regime der Deutschen Demokratischen Republik seinen Fortbestand bis 1989 durch ein allgegenwärtiges Spitzelsystem gesichert. In ähnlicher Form haben in allen ost-europäischen Saaten Geheimdienste weitestgehende Kontrolle ausgeübt.
 
Spätestens seit 1947 ist das von den Five Eyes, von den USA, Kanada, Großbritannien, Australien und Neuseeland weltweit betriebene Spionagenetz Echelon darauf ausgerichtet, politische, wirtschaftliche und private Kommunikation abzuhören, im Osten wie im Westen. Seit ihrer Besetzung durch die Sowjetunion im Jahr 1945 bis zur Wiedererlangung ihrer Souveränität und territorialen Integrität hat auch die Slowakei eine systematische Überwachung  ihres gesamten Post-, Fernmelde- und Funkverkehr hinnehmen müssen.
 
Seit rund drei Jahrzehnten ermöglicht die digitale Vernetzung nun auch das automatisierte flächendeckende und gezielte Abgreifen, Verarbeiten und Speichern der über das Internet verfügbaren Informationen sowie das gezielte Ausspionieren der NutzerInnen jederzeit und weltweit. Die mutigen Enthüllungen durch Edward Snowden und andere Wistleblower haben deutlich gemacht, dass diese Möglichkeiten totaler elektronischer Überwachung von Diensten westlicher wie östlicher Staaten auf breitester Basis entwickelt und eingesetzt werden.
 
Seit langem nehmen sich die Five-Eyes-Staaten und andere Nationen das Recht heraus, alle anderen Staaten auszuspionieren, und dies in allen militärischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Belangen, auf allen Ebenen: Regierungen, Organisationen, Wirtschaftsunternehmen, NGOs, AktivistInnen und einzelne BürgerInnen werden gleichsam überwacht. Die Devise lautet: Was technisch möglich ist, darf auch gemacht werden. Rechtlich und ethisch begründete Bedenken oder freundschaftliche Erwägungen gegenüber Staaten und Wirtschaftsunternehmen haben unter diesen Voraussetzungen keine Gültigkeit mehr.
 
Neben die Massenanalyse der kommunikativen Metadaten in elektronischen Netzen und den direkten Zugriff auf individuelle Daten tritt immer häufiger die offene oder geheime Zensur durch Störung, Manipulation und Abschaltung. Wo die Angst vor drohender Zensur als Kontrollmechanismus nicht wirkt, wird die Geheimhaltung von für die Bevölkerung wichtigen Informationen durch die Nicht-Zulassung und Kontrolle von JournalistInnen (embedded journalists), durch gezielte Behinderung einzelner Veröffentlichungen oder einer Berichterstattung über ganze Themenbereiche durchgesetzt. In jüngster Zeit wird die arrogante Lancierung von "alternative news" zu einem weit verbreiteten Instrument der politischen Beeinflussung.
 
Die typische Begründung für Zensur war immer schon die reale oder vorgetäuschte Infragestellung von Sicherheit durch die Enthüllung von Information und schließlich die Abwehr vermeintlich terroristischer Bedrohungen. So ist Sicherheit heute der gängige und billige Schlüsselbegriff geworden, mit dem jede noch so autoritäre Maßnahme widerspruchslos durchgesetzt werden kann. Dass auch in demokratisch verfassten Gesellschaften Kontrolle und Zurückhaltung von Information, Überwachung und Bestrafung, die Manipulation von Wissen und Kommunikation letztlich aber nicht in erster Linie dazu dienen, die Sicherheit der BürgerInnen zu garantieren, sondern auch dazu, bestehende illegitime Macht aufrecht zu erhalten, wird nahezu grundsätzlich bestritten.
 
Niemand überblickt mehr die technischen Möglichkeiten von Überwachung und Zensur in elektronischen Netzen. Neben der Kenntnis um tief greifende politisch motivierte Spähmanöver von staatlicher Seite aus, wissen wir längst auch um die massive Einflussnahme von Wirtschaftsunternehmen auf den öffentlichen wie auf den privaten Bereich, auf politische und wirtschaftliche Entscheidungen wie auch auf unser konkretes, individuelles Verhalten. Global operierende, an den Börsen hoch gehandelte Konzerne wie Alphabet Inc., Amazon, Facebook, Microsoft, Apple und viele mehr profitieren durch ihre massenhafte Datengewinnung gezielt von der individuellen und gesellschaftlichen Abhängigkeit ihrer NutzerInnen von allen Formen der social media.
 
So ist das Ausgeliefertsein an übermächtige Instanzen der Überwachung und Zensur zur conditio humana, zur Grundbedingung unserer Kultur geworden.
 
Wir können dies zwar noch ansatzweise erkennen und reflektieren, aber offensichtlich nicht mehr rückgängig machen. Wir haben uns daran gewöhnt, ebenso wie an die unzähligen Videokameras, von denen wir uns auf dem Weg zur Arbeitsstätte oder nach Hause nicht mehr aufhalten lassen. Wir sind auf dem besten Wege, Überwachung und Zensur als allgemein gegeben zu akzeptieren, so wie wir andere Bedingungen unserer modernen Existenz – Verkehrslärm, Allgegenwart von Werbung, Umweltverschmutzung, Bedeutungslosigkeit im politischen Raum – als grundsätzlich gegeben zu akzeptieren gelernt haben.
 
Trotz höchst alarmierender Erkenntnisse hat heute bereits ein großer Teil der Öffentlichkeit vor der Allgegenwart staatlicher und privater Überwachung resigniert. Unsere Enkel werden uns hoffentlich noch fragen können, was wir denn dagegen unternommen haben – in einer gleichgeschalteten Gesellschaft werden solche Fragen nicht mehr aufkommen.
 
Die Ausstellung GLOBAL CONTROL AND CENSORSHIP untersucht das unaufhaltsame Eindringen von Überwachung und Zensur in unseren Lebensalltag. Sie stützt sich auf die Partnerschaft mit dem ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe und auf die Kooperation mit der Arbeitsgruppe Netzpolitik am Institut für Politische Wissenschaft der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und dem Kompetenzzentrum für angewandte Sicherheitstechnologie (KASTEL) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Weitere wichtige Kooperationspartner sind Reporter ohne Grenzen, der Chaos Computer Club e.V. (CCC) sowie netzpolitik.org.
 
Größten Dank schuldet die Ausstellung all jenen Wistleblowern, die den Mut hatten und haben, die Öffentlichkeit über undemokratische Praktiken von Staat und Privatwirtschaft aufzuklären.
 
Die Ausstellung wird vom Goethe-Institut Bratislawa und der Kunsthalle Nová Synagóga in Žilina veranstaltet. Sie wurde von Bernhard Serexhe und Lívia Rózsás kuratiert.
 
 

Ausstellung Global Control and Censorship

14. Oktober 2017 – 6. Dezember 2017

Kuratoren: Bernhard Serexhe, Lívia Nolasco-Rózsás.
 
Institution: ZKM Karlsruhe (DE)
In Zusammenarbeit mit: Nová Synagóga – Kunsthalle, Stanica Žilina-Záriečie

Wissen ist Macht. Noch mehr Macht hat jedoch, wer den Fluss der Informationen beherrscht. Dies gilt vor allem in der heute vorherrschenden digitalen Kultur, in der alle Informationen im weltweiten Netz überwacht und manipuliert werden können. Erwuchs aus dem Umgang mit diesen digitalen Instrumenten lange die Hoffnung auf neue Formen demokratischer Partizipation, so werden sie in jüngster Zeit als ideale Türöffner zur Überwachung von Milliarden Menschen missbraucht. Längst nehmen sich auch demokratische Staaten das Recht, selbst ihre »Freunde« auszuspionieren, und dies in allen militärischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Belangen sowie auf allen Ebenen: Regierungen, Organisationen, Unternehmen, NGOs und einzelne BürgerInnen werden gleichsam überwacht.

Neben der Massenanalyse der kommunikativen Metadaten und den massenhaften Zugriff auf personenbezogene Daten tritt immer häufiger die offene oder geheime Zensur durch Manipulation oder Abschaltung. Wo die Angst vor dieser Bedrohung nicht wirkt, wird die Geheimhaltung wichtiger Informationen durch direkte Behinderung von Veröffentlichungen bis hin zur Verschleppung und Ermordung von JournalistInnen durchgesetzt. Das Ausgeliefertsein an übermächtige Instanzen der Kontrolle und Zensur ist zur conditio humana unserer Zeit geworden. Bereits heute hat ein großer Teil der Öffentlichkeit vor der Allgegenwart staatlicher und kommerzieller Überwachung resigniert.
Die Ausstellung beruht auf der Zusammenarbeit mit einem Netzwerk von WissenschaftlerInnen, JournalistInnen, AktivistInnen und KünstlerInnen in allen Erdteilen und in rund 20 Ländern sowie der Kooperation mit Expertenorganisationen wie dem PEN-Zentrum Deutschland, dem Chaos Computer Club (CCC), Reporter ohne Grenzen, Villa Aurora und mit Plattformen wie netzpolitik.org, digitalcourage.de, WikiLeaks und anderen. Ziel der Ausstellung ist eine Erweiterung der öffentlichen Diskussion über die allgegenwärtigen Überwachungs- und Zensurmaßnahmen, die nicht nur aufgrund stetig neuer Berichte in den Medien, sondern vor allem angesichts der weitgehenden Behinderung der Aufklärung über diese Praktiken als dringlich erscheint.


Eröffnung der Ausstellung Global Control and Censorship

13. Oktober

18.00 / Eröffnung der Ausstellung und kommentierte Führung mit dem Kurator Bernhard Serexhe
20.00 / Audiovisuelle Performance – Kolektiv

Kolektiv ist eine freie Vereinigung von Künstlern, die mit algorithmischen Tönen und Bildern arbeiten, und MusikerInnen, die die Tradition des Live Coding weiterentwickeln. Live Coding ist eine Kunstform, bei der in Echtzeit während einer Aufführung programmiert wird, und dabei Musik oder Bilder vor den Augen der Zuschauer erzeugt werden. Die Künstler Alexandra Timpau, Michal Cáb, Katarína Gatialová, GND, Alexandra Cihanská-Machová, Kryštof Pešek, Jáchym Pešek, Jiří Rouš, Georgij Bagdasarov, Sara Pinheiro, Petr Zábrodský, Matěj Šenkyřík und Jonáš Svatoš treten gelegentlich im Rahmen von Kolektiv auf. Die Zusammensetzung des Teams verändert sich bei jedem Konzert, manchmal sind es nur 3 Künstler, andere Male sind es bis zu 12. Kolektiv bereitet momentan eine neue Performance vor, bei der eine Hardware benutzt wird, die speziell von Kolektivmitgliedern für Kolektiv entwickelt wurde. Es handelt sich dabei um einen 10-Kanal-Matrix-Mixer, der es ermöglicht, einzelne Audiosignale experimentell zu verbinden und eine neue algorithmische no-Input Klangerzeugungsmethode zu entwickeln.
https://k-o-l-e-k-t-i-v.github.io/


Programm für Familien

12. November, Nová Synagóga - Kunsthalle (Hurbanova 11) / Žilina
 
13:00 / Interpretationsparadies – kommentierte Führung der Ausstellung, mit Kindern und Jugendlichen als Ausstellungsführer.
 
„Interpretationsparadies“ ist ein Diskussionsformat und ein Treffpunkt zwischen Publikum, Ausstellung und Ausstellungsführer. Ziel ist es, dass eine gemeinsame, einmalige Erfahrung entsteht, die die Grundlage für eine Diskussion bildet. Durch die persönliche Erfahrung der Ausstellungsführer – ob KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen, Kinder oder SpezialistInnen aus Bereichen wie Aufsicht, Monitoring oder Sicherheit – versuchen wir immer, eine Ausstellung aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Die TeilnehmerInnen sollen auch dazu angeregt werden, ihre eigenen Meinungen zu formulieren und Erfahrungen zu teilen.  „Interpretationsparadies“ ist nicht zuletzt auch ein Ort der angenehmen, ungezwungenen Begegnungen. Begegnungen mit Kunst, aber auch Begegnungen mit spannenden Menschen.
 
16:00 / Aufführung DTBZ: Colourless green ideas sleep furiously
 
Ein eher lautes als poetisches Metagedicht über Sprachen, Technik und Menschen. Lieber etwas „gut nicht verstehen“ als etwas falsch verstehen. Eigene und ausgeliehene Stimmen,  ob extensiv oder intern. Ein in vitro geborener sprechender Graham + einige plugged und unplugged Kannibale. Lärm tritt ein, da wo Sprache ausfällt. Instrumente? Primitiv! Wir sind Kinder. Das Leben kann auch ohne Sprachen existieren, aber durch Null teilen wir nicht.
Diese Aufführung entstand aus einem Langzeitprojekt von Stanica Žilina-Záriečie, das auf einer Zusammenarbeit zwischen Kindern und den zeitgenössischen experimentellen Musikern Jiří Suchánek und Miroslav Tóth basiert. Es geht darum, die Beziehung zwischen Lärm und Informationen zu erkundigen, und Sprachen als Spielraum zu erforschen. Neue Technologien sind  dabei eine Inspirationsquelle für neue Möglichkeiten, aber führen auch immer wieder zu fatalen Missverständnissen.
 

How to strike back: Entwicklung digitaler Kompetenzen

15. November, Stanica Žilina-Záriečie

20:00 / Handa Gote: Eleusis (“post-Internet” Oper)

 
“Today, the walls of Plato’s cave are so full of projectors, disco balls, plasma screens and halogen spotlights that we do not even see the shadows on the wall anymore.”
Koert Van Mensvoort, A Society of Simulations

Eine post-Internet Impro-Oper über die Tatsache, dass eine große Geschichte einfach unmöglich ist in einer Welt, in der alles gleichzeitig Täuschung und Wirklichkeit ist. Die zyklische Zeit des Mythos wird unterbrochen durch die sofortige Zeit unserer Instant-Gesellschaft. Eine mysteriösische Reise durch eine Unterwelt, bis zu einer Wiedergeburt, die vielleicht nie kommen wird. Lolcats. Blue Screen Of Death. I'm in a cul-de-sac, get me out of here!
 
Die Künstlergruppe Handa Gote Research & Development experimentiert in ihrer Arbeit mit Erzählverfahren, bezieht nicht-theatralische Elemente mit ein und entwickelt ein eigenes Konzept des postdramatischen und postspektakulären Theaters.  Seit Jahren lässt sich die Gruppe von Wissenschaft und Technik inspirieren. Es werden ständig neue Möglichkeiten in der Theatersprache, wie auch bei Klang- und Lichtgestaltung erforscht, und dabei werden die verschiedenen Disziplinen immer wieder in Frage gestellt.
 
16. November – 18. November

Critical Engineering Workshop, Stanica Žilina-Záriečie


„Je größer die Dependenz von Technologie, desto größer das Verlangen, ihr Innenleben ohne Rücksicht auf Inhaberschaft oder gesetzliche Zulässigkeit zu erforschen und zu enthüllen.“
 
Während dieses dreitägigen Workshops  erfahren wir mehr über Computer-Netzwerk-Infrastruktur und lernen, wie wir diese Kenntnisse anwenden können. Durch frei verfügbare Open-Source-Tools werden wir verschlüsselte Daten erfassen und rekonstruieren. Drahtlose Netzwerkinformationen und elektromagnetische Signale werden für Interventionen und Spekulationen benutzt. Auf diese Weise erwerben die Teilnehmer praktische Kenntnisse und können die infrastrukturellen und politischen Implikationen unserer wachsenden Abhängigkeit gegenüber der Technik besser verstehen.  Bei der Computernutzung werden wir wichtige begrenzende Faktoren abschaffen, und lernen, dass wir weder Bildschirm noch Tastatur brauchen um einen Computer zu benutzen.
Für die Teilnahme am Workshop ist keine vorherige Erfahrung mit Computervernetzung oder Programmierung erforderlich.
 
The Critical Engineering Working Group ist eine Gruppe von Künstlern und Aktivisten. Mitglieder sind  Gordan Savičić, Danja Vasiliev und Julian Oliver. In ihrer Arbeit erforschen sie, wie geschriebener Code zunehmend in soziale und psychologische Bereiche vorstößt und dabei das Verhalten sowie die Interaktion von Mensch und Maschine reglementiert. Der Critical Engineer weist auf die Notwendigkeit hin, Technik als transformative Sprache zu verstehen und zu studieren. Neben künstlerischen Projekten moderiert die Gruppe regelmäßig Workshops, bei denen das Hauptziel die Entwicklung techno-politischer Kompetenzen ist.

https://criticalengineering.org/


Daten und öffentlicher Raum

2. Dezember 

15:00 / Kommentierte Führung durch die Stadt Žilina mit Terezie Lokšová

Seit April 2017 findet in Žilina eine soziologische Feldforschung von Terézia Lokšová statt, die die Ausstellung in ihrer globalen Dimension ergänzt und auf unseren unmittelbaren Alltag aufmerksam machen will. Etwas, das uns alle betrifft, obwohl wir uns den Luxus leisten können, oft nicht viel darüber zu wissen: Überwachung auf den Straßen. Woher kommen überhaupt die vielen Kameras und wie kommt es dazu, dass wir sie nicht mal mehr bemerken? Die Nachfrage nach (Kamera)überwachung und Kontrolle existiert, weil wir gewisse Risiken identifizieren.  Wegen dieser Risiken wird Sicherheit als etwas Bedrohtes wahrgenommen, das auf verschiedener Art und Weise beschützt werden muss. Kameras werden installiert und man vergisst dabei, dass es sich eigentlich um eine politische Entscheidung handeln sollte: vielmehr werden sie zum Routineinstrument, dessen Installation nur von strategischer Planung und Verwendung von Subventionsgeldern abhängt. Während der Führung präsentiert uns Terézia Lokšová das Ergebnis ihrer Feldforschung im Bereich Überwachung im öffentlichen Raum in  Žilina.
 
18:00 / Audiovisuelle Performance  – The Society for Nontrivial Pursuits

Licht, Ton, Einsen und Nullen, die auf den Raum und auf die Geschichte der Neuen Synagoge reagieren. Komplexe Verhaltensweisen, ob in chaotischen Schaltungen, Feedback-Systemen, sozialen Systemen und/oder Computerprogrammen, sind faszinierend zu beobachten. The Society for Nontrivial Pursuits (Studierende, Alumni/ae und Freunde der Klasse für Generative Kunst / Computational Art an der UdK Berlin) untersucht  die Möglichkeitsräume solcher Systeme. Sie entwerfen, bauen und programmieren ihre eigenen audiovisuellen Performance-Systeme auf Basis einer Vielzahl von Geräten, Sensoren, Analogelektronik, Software-Synthese, und verwenden diese in diversen Projekten, zwischen Installation, Performance und Experiment. Im Rahmen des Projektes Data:Demokratie werden sie Daten aus der sozioökonomischen Feldforschungsarbeit von Terézia Lokšová verwenden.

 
Tipps und Arbeitsblätter für Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer zur Ausstellung „Global Control and Censorship – Weltweite Überwachung und Zensur“
Materialien zur Ausstellung