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Goethe-Institut im Exil

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19:00 Uhr

WOMEN LIFE FREEDOM

Ausstellung|Homa Emami, Parastou Forouhar, Samira Hodaei, Simin Keramati, Roshi Rouzbehani, Jinoos Taghizadeh

  • Saarländische Galerie – Europäisches Kunstforum, Berlin

Roshi Rouzbehani: Illustration for exhibition poster at Saarlandmuseum, 2023 © Roshi Rouzbehani

Die Ausstellung präsentiert Arbeiten von sechs Künstlerinnen aus dem Iran: Homa Emami, Parastou Forouhar, Samira Hodaei, Simin Keramati, Roshi Rouzbehani und Jinoos Taghizadeh. Das Saarlandmuseum in Saarbrücken hatte die Ausstellung als Zeichen der Solidarität mit der aktuellen iranischen Bewegung Women Life Freedom, in der Frauen mutig für ein selbstbestimmtes und freies Leben kämpfen, in sein Programm aufgenommen. Nun wird die Ausstellung in leicht veränderter Form in der Saarländischen Galerie in Berlin zu sehen sein.

Der gewaltsame Tod von Zhina Mahsa Amini im September 2022 hat im Iran und weltweit eine Lawine des Protestes ausgelöst. Die 22 Jahre alte Frau war von der Sittenpolizei festgenommen worden, weil sie ihr Haar nicht vorschriftsgemäß unter dem Hijab getragen hatte. In Polizeigewahrsam wurde Mahsa Amini so misshandelt, dass sie wenige Tage später starb. Seit April 2024 hat die Regierung des Iran die gewaltsame Unterdrückung der Frauen noch einmal verschärft. Gemäß einer Anordnung des Führers Ayatollah Ali Chamenei weitet die „Sittenpolizei“ ihre Patrouillen aus. Frauen, die sich weigern, ein Kopftuch zu tragen, berichten von Belästigungen, Übergriffen und Verhaftungen.

Gezeigt werden jüngste Positionen von international tätigen, aus dem Iran stammenden Künstlerinnen, die ihre Heimat aus politischen Gründen verlassen mussten und derzeit in unterschiedlichen Ländern der Welt leben und arbeiten. Die Prints, Videos, Installationen und Objekte wurden in Auseinandersetzung mit der aktuellen Situation geschaffen und sind größtenteils erstmals öffentlich zu sehen.
 

Begleitprogramm


14.06.2024, 19 Uhr, Ausstellungseröffnung mit einer Performance von Homa Emami

13.7.2024, 18 Uhr: Maryam Palizban liest „Gestohlene Liebesbriefe“ und eigene Gedichte aus „Die verwaisten Lücken“ und Auszüge aus dem „Revolution Diary“ von Jinoos Taghizadeh

 

 

 

Künstler*innen


Homa Emami wurde 1955 in Shahabad Gharb – Islamabad (Iran) geboren, seit 1986 ist sie in Deutschland. Sie lebt und arbeitet in Köln und Brühl. Die Auseinandersetzung mit dem Thema „Heimat“ bildet einen Schwerpunkt im Werk der Bildhauerin und Malerin. In dem Objekt „Rüstung des Widerstands“, 2023, arbeitet sie mit Ringen aus abgeschnittenem Frauenhaar: einem vergänglichen, zarten und durch die jüngsten Proteste symbolisch stark aufgeladenen Material. In „Dokumente der Zeit“, 2023, greift sie auf archivalische und wissenschaftliche Ordnungssysteme zurück. Haarsträhnen, die Frauen sich demonstrativ bei Protestaktionen abgeschnitten haben, werden sortiert und datiert und überdauern in Homa Emamis künstlerischer Forschungstätigkeit als zeitgeschichtliche Zeugnisse.

Parastou Forouhar wurde 1962 in Teheran geboren, seit 1991 lebt und arbeitet sie in Deutschland. Sie war Professorin für Bildende Kunst an der Kunsthochschule Mainz der Johannes-Gutenberg-Universität. Ihre Eltern – Vertreter der politischen Opposition – wurden 1998 in ihrem Haus in Teheran im Auftrag des Geheimdienstes ermordet. Jedes Jahr reist Parastou Forouhar zum Jahrestag ihres Todes nach Teheran, um eine Gedenkveranstaltung zu organisieren und die Aufklärung der politischen Morde im Iran einzufordern. Für die Ausstellung hat die Konzeptkünstlerin und Aktivistin eine Serie von neuen Prints gestaltet. In „Papillon Collection II“ löst die buntflächige ornamentale Schönheit Unbehagen und Brisanz aus. Bei näherer Betrachtung verwandeln sich die scheinbar ornamentalen Muster in reale Szenen von Unterdrückung, Aufstand und Ausgeliefertsein – ein Spiegel der prekären und lebensbedrohlichen Situation, der aktuell besonders Frauen unter den verschärften Bedingungen im Iran ausgesetzt sind.

Samira Hodaei, geboren 1981 in Teheran, lebt und arbeitet in Berlin. In ihren Arbeiten vereinigt sie Alltagsobjekte mit Malerei. Die Arbeit „An Empty Sofreh“, 2022, wurde in Saarbrücken erstmals gezeigt. Für diese „leeren Tischtücher“, die an den Nahrungsmittelmangel in ihrer Heimat erinnern, nutzt die Künstlerin präparierte Stoffbahnen, die in Handarbeit mit Mustern bedruckt, bei Musterfehlern aber aussortiert werden. Die Ausschussware gestaltet sie mit dicht gesetzten Punkten aus Glasfarbe.

Simin Keramati wurde 1970 in Teheran geboren. Sie lebt und arbeitet in Toronto. In ihren multidisziplinären künstlerischen Projekten mit Malerei, Zeichnung, Video- und Medienkunst beschäftigt sie sich besonders mit sozial-politischen Themen.In Berlin präsentiert sie die Videoarbeit „The edge of the cloud“(2018/19). Es ist eine Geschichte über Kriegsopfer und wie Menschen auf der ganzen Welt in den sozialen Medien darauf reagieren. Die Geschichte wird von einer fiktiven Person erzählt, die als Figur auf dem meistgelikten Foto von „Ailan Kurdi“ basiert, der auf der Flucht vor dem Krieg in seinem Heimatland im Meer ertrank. Das Foto erhielt die meisten Reaktionen in den sozialen Medien und wurde damals tausendfach geteilt. Die Geschichte bringt Erinnerungen an Kriege aus allen Zeiten zusammen, einschließlich einiger Erinnerungen der Künstlerin an den Iran-Irak-Krieg.

Roshi Rouzbehani wurde 1985 in Teheran geboren. Sie lebt und arbeitet als freiberuflicheIllustratorin in London. Sie ist für Zeitungen („The New Yorker“, „The Guardian“, „The WashingtonPost “, „Die Zeit“), aber auch für Amnesty International tätig. Sie ist Illustratorin und Autorin des Bandes „50 inspiring Iranian Women“. In ihren Grafiken – Porträts und inhaltlichen Statements – widmet sie sich sozialen Belangen. Engagiert setzt sie sich für Geschlechtergerechtigkeit ein. Die Ermächtigung von Frauen –„women’s empowerment“ – steht im Zentrum ihrer Arbeit. Ihre Werke sind auf klare Les- und Erkennbarkeit hin komponiert, die flächige und bunte Gestaltung ist ornamental inspiriert.Zentrale Gesten und Momente bestimmen ihre Motive, in denen sie iranische Bildtradition undwestliche Plakatgestaltung verbindet.

Jinoos Taghizadeh, geboren 1971, stammt aus Teheran. Derzeit lebt und arbeitet sie in Kanada. Die multimedial arbeitende Künstlerin, Geschichtenerzählerin und Aktivistin ist ausgebildete Bildhauerin und literarische Dramatikerin, Malerin, Druckgraphikerin, Performerin und Videokünstlerin.Siesprengt immer wieder Grenzen der traditionellen Kunst und stellt sich der Herausforderung politischer Themen. Ihre Serie von Drucken spielt mit solchen Grenzerweiterungen, die surreal anmuten. Sie bringt gestrandete Wale in Zusammenhang mit Kulissen iranischer Sehenswürdigkeiten. Die großen Meerestiere liegen auf menschenleeren Plätzen, vor Moscheen in Isfahan oder demTheater und der Universität von Teheran.

Dr. Maryam Palizban ist Theaterwissenschaftlerin, Autorin, Schauspielerin und Regisseurin. Interdisziplinarität in Bezug auf „Religion und Kultur“ ist für Palizban ein zentrales Element ihrer Forschung. Das Spannungsfeld zwischen „Religion und Kunst“, „Kulturtheorie des modernen Islam“ und „Performativität und Textualität“ gehört zu den wichtigen Themen ihrer mehrsprachigen Publikationen, Vorträge und Lehrtätigkeit. In ihrer Heimat Iran ist sie als Filmschauspielerin durch Filme wie Deep Breath, Fat Shaker und LANTOURI sowie als Dichterin bekannt geworden. Maryam Palizban lebt seit 2005 in Berlin und arbeitet als Wissenschaftlerin und Künstlerin in Berlin und (bis vor kurzem) in Teheran. Sie organisierte interdisziplinäre Kolloquiumsreihen zu den Themen „Körper und Körperlichkeit“ und „Frau, Körper und Revolution“ und präsentierte damit das Zentrum für Islamische Theologie in Münster als innovativen Diskussionsraum. Ihre jüngste Publikation „Den Körper verstehen und vergessen – Interdisziplinäre Ansätze“ beschäftigt sich interdisziplinär mit der Frage nach der Körperlichkeit des Menschen. 2023 beteiligte sie sich durch die Veröffentlichung eines Bildes ohne Kopftuch an den Protesten der Jina-Revolution und engagiert sich seitdem in verschiedenen oppositionellen feministischen Netzwerken.

Ausstellung in Kooperation mit dem Saarlandmuseum, Saarbrücken. Die Ausstellung wird unterstützt vom Goethe-Institut im Exil und der Kulturstiftung Schloss Wiepersdorf.