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20:00 Uhr
Steine, die atmen, Wind, der singt - Ein lebendiges Archiv aus dem belarusischen Polesien
Orgelkonzert und Fotoinstallation in der Sophienkirche |Каменні, што дыхаюць. Вецер, які спявае – жывы архіў беларускага Палесся.
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Sophienkirche, Berlin
- Preis Eintritt frei, um Anmeldung wird gebeten
Am zweiten Tag nach dem Dreifaltigkeitsfest tragen die Dorfbewohner in einer feierlichen Prozession eine besondere Kerze – gefertigt aus dem Wachs vieler Familien – durch die Gemeinde. Ein ganzes Jahr lang verweilt sie im Haus eines angesehenen Mitglieds der Dorfgemeinschaft, wo Menschen zusammenkommen, um zu beten, zu singen und den Kreislauf des Lebens zu feiern. Im darauffolgenden Jahr zieht die Kerze in ein neues Zuhause.
Ihr Weg ist mit handgewebten Leinentüchern ausgelegt – kunstvoll bestickt, geschmückt mit jungem Grün und Frühlingsblumen. Symbole für Einheit, Freiheit, Wohlstand und Schutz.
Wie viele Rituale des Palessie – darunter Kaliady, Tiareshkas Hochzeit, Kupalle oder Dazhynki – verbindet auch diese Zeremonie auf eindrucksvolle Weise urtümliche, vorchristliche Weltbilder mit der Liturgie der orthodoxen Kirche. Ein kraftvolles Zeugnis dafür, dass Gegensätze, die wir oft als unvereinbar empfinden, in Wahrheit aus derselben Quelle entspringen können.
Am 7. November wird dieses lebendige Erbe in der Sophienkirche Berlin erfahrbar: Das palessische Fotoarchiv des Künstlers und Fotografen Andrei Liankevich tritt in einen sinnlichen Dialog mit dem geistlichen Klanguniversum Johann Sebastian Bachs – dargeboten von der Komponistin und Organistin Olga Podgaiskaya.
Ein Abend, der zeigt: Auch Steine können atmen. Und der Wind – er kann singen.
Mitwirkende:
Orgel – Olga Podgaiskaya
Sopransaxophon – Vitali Darashuk
Fotografie / Paganes Archiv – Andrei Liankevich
Visuelles Mapping – Sergey Novitsky
Kuration – Anna Karpenko
Set Produktion – Maria Znachonak
Grafikdesign – Alina Derya Yakaboylu
Eine Veranstaltung des Goethe-Institut im Exil mit freundlicher Unterstützung des Kultur Büro Elisabeth
Künstler*innen
Anna Karpenko wurde in Minsk (Belarus) geboren und lebt derzeit in Berlin und Leipzig (Deutschland). Sie ist Kuratorin und Autorin. Karpenko studierte Philosophie an der Belarusischen Staatlichen Universität (Minsk), Visuelle Studien an der Europäischen Humanistischen Universität (Vilnius) und Kuratorische Studien an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (Leipzig). Darüber hinaus ist sie Mitglied der Internationalen Vereinigung der Kunstkritiker (AICA). Als Kuratorin hat sie Ausstellungen und Forschungsprojekte unter anderem mit der ifa-Galerie (Berlin), dem Goethe-Institut im Exil, dem Badischen Kunstverein (Karlsruhe), dem Museum für Gegenwartskunst, der GfZK (Leipzig), Halle 14 (Leipzig), dem Muzeum Sztuki (Łódź), der Galerie Arsenal (Białystok), der Labirynth Gallery (Lublin), dem Future Laboratory (Luxemburg) und weiteren Institutionen realisiert. Als Autorin wurden ihre Texte in der Zeitschrift Springerin, BLOCK Magazin, Dwutygodnik, RTV Magazin, Magazyn SZUM, Kulturaustausch Magazin und Berlin Art Link veröffentlicht.
Andrei Liankevich ist ein belarussischer Fotograf, 1981 in Hrodna geboren und lebt heute in Minsk (Belarus). Von 2004 bis 2005 studierte er am World Press Photo Seminar in Jerewan (Armenien). Zwischen 2005 und 2010 arbeitete er mit der European Press Photo Agency (EPA) zusammen, von 2007 bis 2012 war er zudem Teil der renommierten Anzenberger Agency. Im Jahr 2008 schloss sich Andrei dem Kollektiv junger Fotograf*innen SPUTNIK an.
Seine Arbeiten wurden in führenden internationalen Medien veröffentlicht – unter anderem in The New York Times, Le Figaro, Newsweek, Die Zeit, Der Spiegel, GEO, Vanity Fair, Reader’s Digest sowie der International Herald Tribune.
2010 erschien sein Buch „Pagan“ – die erste Publikation, die sich den heidnischen Traditionen in Belarus widmet. Bereits 2009 wurde dieses Projekt mit einem Preis bei den Humanity Photo Awards ausgezeichnet und war im selben Jahr Finalist beim Magnum Expression Award. Im weiteren Verlauf erhielt Andrei den 1. Preis beim polnischen Fotowettbewerb anlässlich des 170-jährigen Jubiläums der Fotografie. 2010 folgte der Sieg beim OSZE-Fotowettbewerb sowie der 1. Preis in der Kategorie „Menschen im Zeitgeschehen“ beim Belarus Press Photo Contest. 2020 gewann Andrei den Gender Photography Award in London mit einem Bild aus seinem Projekt „Traditional Interiors“.
Andrei Liankevich präsentierte sein fotografisches Werk bereits in über 60 Ausstellungen in Europa, Asien und den USA. So war er etwa mit der Gruppenausstellung „She has a female name“ im Museum Moderner Kunst (Wien, Österreich) und in der Zachęta Nationalgalerie (Warschau, Polen) vertreten. Sein Fotoprojekt „Unknown Country“ zeigte er im Rahmen des 3. Monats der Europäischen Fotografie in den Uferhallen, Berlin (Deutschland).
Fotografien von Andrei befinden sich in privaten Sammlungen in Österreich, Deutschland, Belgien, Polen, der Schweiz und Litauen.
Olga Podgaiskaya (*1981) ist eine belarussische Komponistin und Organistin. Sie studierte Komposition an der Belarussischen Staatlichen Musikakademie in Minsk und hat seither ein vielfältiges Œuvre geschaffen, das Opern, Musiktheater, Chormusik, Orchester- und Kammermusikwerke sowie Filmmusik umfasst – ihre Kompositionen werden weltweit aufgeführt.
Ihr bevorzugtes Genre ist die sinfonische Musik, besondere Anerkennung genießt sie jedoch auch für ihre Werke für Solo-Orgel sowie für Kompositionen, in denen die Orgel mit anderen Instrumenten kombiniert wird.
Podgaiskayas Werke wurden bei namhaften Festivals präsentiert, darunter "Mute Nights", Beethovenfest Bonn, die Ludwigsburger Schlossfestspiele, die Salzburger Festspiele und viele weitere. Sie war Stipendiatin des Programms „Gaude Polonia“ des polnischen Kulturministeriums (2016, 2022) und Finalistin des Programms für Filmmusikkomponist*innen „Envision Sound“ in Kiew (2019). Im Jahr 2021 arbeitete sie im Rahmen einer Kompositionsresidenz mit der Tanzkompanie Sasha Waltz & Guests zusammen – daraus entstand das Tanzprojekt „In B“. Ihre viel beachtete Oper „Die Wilde Jagd des Königs Stach“ (King Stakh’s Wild Hunt), ein Auftragswerk des Belarus Free Theater und des Barbican Centre, feierte im September 2023 ihre Uraufführung am Barbican Centre in London.
Seit 2021 lebt Olga Podgaiskaya in Warschau, Polen.
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Ort
Große Hamburger Straße 29-30
10115 Berlin
Deutschland