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19:00 Uhr
Das Meer ist da, doch wir sind es nicht: Literatur aus Palästina
Lesung & Gespräch|Eine literarische Begegnung mit zeitgenössischen palästinensischen Stimmen
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ACUD Studio, Berlin
- Sprache Englisch
- Preis Eintritt frei (Anmeldung erforderlich)
An diesem Abend öffnen wir einen Resonanzraum für drei palästinensische Autor*innen, die nach Europa fliehen mussten. Ihre Texte entstehen im Spannungsfeld von schwindenden Lebensräumen, Vertreibung und radikalem Umbruch. Sie bringen eine Gegenwart in Sprache, die Literatur als Praxis der Anwesenheit, des Bewahrens und des Widerspruchs begreift.
Kuration des Abends und Einführungstext Abdalrahman Alqalaq:
Die erst jüngst aus Gaza nach Dublin geflohene und derzeit als Gastautorin am Literarischen Colloquium Berlin weilende Autorin und Übersetzerin Alaa Alqaisi lotet in Gedichten und Essays die Brüche von Erinnerung und Sprache aus. Sie zeigt, wie Worte das Unaussprechliche befragen, eine Dichterin, die schreibt „als jemand, dessen Hände durch zerbrochenes Glas gefahren sind, auf der Suche nach Zeichen von Leben“.
An dieser Schwelle trägt auch die aus London angereiste Dichterin Asmaa Azaizeh in ihrer Lyrik eine verbannte Erde mit sich: Die Ebene von Ibn ʿAmir und Schwalben, die über den Olivenhainen ihres Vaters kreisen und sie vor dem vordringenden Asphalt der Gentrifizierung schützen.
Aus Brüssel angereist, erzählt der Dichter Ahmed Saleh in seinen Gedichten, wie sich an einem sonnigen Tag in Gaza ein Fahrrad in „eine Bahre für die Toten“ verwandelte, Gehwege in „Särge“ und das Meer in „einen Friedhof“. Und doch besteht er darauf, seine Leser*innen zu lehren, wie in Gaza Gefängnisse und Zellen, Waffenfabriken und Flüche noch immer zu Feldern, Gärten und Liedern werden können.
Wie lässt sich heute von einer „palästinensischen Literatur“ sprechen, wenn sie seit 1948 auch aus Vertreibung, Genozid und Verschwinden hervorgeht, geschrieben von vielen Orten aus, und handelnd doch von einem einzigen?
An diesem Abend lesen die drei palästinensischen Dichter*innen und Autor*innen aus ihren Werken und sprechen mit der Literaturkritikerin Maha El Hissy über eine Literatur, deren Körper zerrissen ist, deren Glieder zwischen Besatzung und Diaspora verstreut liegen, und die beharrlich versucht, diese fragmentierte Geografie zu konfrontieren, zu durchqueren und ihr zu widerstehen.
Musikalische Intervention: Cham Saloum
Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Literarischen Colloquium Berlin.
Barrierefreiheit:
Das ACUD verfügt über barrierefreie Zugänge zu den beiden oberen Etagen. Bitte kontaktieren Sie uns vorab unterim-exil@goethe.de oder sprechen Sie das Team des Goethe-Instituts im Exil vor Ort an, damit der Zugang zum Aufzug für Sie ermöglicht werden kann.
Autor*innen
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Alaa Alqaisi ist eine palästinensische Übersetzerin, Autorin und Forscherin aus Gaza. Sie hat einen Masterabschluss in Translationswissenschaften und ist seit 2025 Doktorandin am Trinity College Dublin. Derzeit lebt und arbeitet sie mit Unterstützung des Goethe-Instituts im Exil als Residentin am Literarischen Colloquium Berlin (LCB). In ihrer literarischen und wissenschaftlichen Arbeit, veröffentlicht unter anderem in ArabLit, ArabLitQuarterly und Encounters in Translation, setzt sie sich mit Übersetzung als Praxis auseinander – ebenso wie mit Übersetzung als Form von Widerstand und Überleben.
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Abdalrahman Alqalaq, *1997 in Alyarmouk bei Damaskus geboren, lebt in Berlin. Der palästinensisch-syrische Schriftsteller, Lyriker und Performancekünstler studierte Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis mit Schwerpunkt Theater und Literatur, sowie Kulturpolitik im internationalen Vergleich an der Universität Hildesheim und an der Université MV in Rabat. 2022 erschien sein Lyrikdebüt „vierundzwanzig“ auf Arabisch im Elles Publishing House in Kairo. 2024 folgte mit "Übergangsritus" sein erstes Buch auf Deutsch im Wallstein Verlag, für das er das Chamisso-Publikationsstipendium erhielt. 2025 erschien sein zweiter arabischer Band „Die Diebe kamen mir in Haifa zuvor“ beim Verlag Khan Aljanub in Berlin. Zuletzt brachte er das Stück „Absentee Law“ am Hildesheimer Burgtheater auf die Bühne.
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Asmaa Azaizeh ist eine palästinensische Dichterin, Autorin und Herausgeberin und lebt in London. Sie ist Verfasserin von vier Gedichtbänden sowie eines autobiografischen Buches. Für ihren Lyrikband Liwa (Alahlia, 2011) erhielt sie 2010 den Debütpreis der A. M. Qattan Foundation.
Ihr 2018 erschienener Gedichtband Don’t Believe Me If I Talk of War (Al-Mutawaset, 2018) wurde ins Niederländische und Schwedische übersetzt. Eine darauf basierende audiovisuelle Performance feierte 2022 im offiziellen Programm des Festival d’Avignon Premiere und ist derzeit international auf Tour.
Ihr erstes Memoir A Year of Small Museums erschien kürzlich im Verlag Rewayat (VAE).
Im Jahr 2012 wurde Asmaa Azaizeh zur ersten Direktorin des Mahmoud-Darwish-Museums in Ramallah ernannt. Darüber hinaus arbeitete sie als Redakteurin für mehrere führende Zeitungen, zuletzt für Raseef 22, sowie als Moderatorin für Fernseh- und Radiosender. Zudem war sie Leiterin der Buchhandlung und Buchmesse Fattoush in Haifa. -
Maha El Hissy ist Literaturwissenschaftlerin und lebt als freie Kritikerin, Kuratorin und Moderatorin in Berlin. Sie pendelt zwischen den Ländern und Kontinenten und lehrte Neuere deutsche Literatur in Kairo, München, London und New York. Als Kritikerin schreibt sie für Berlin Review of Books, Deutschlandfunk Kultur u.a. Sie ist Herausgeberin des Buches „Die ganze Geschichte fasse ich an der Hand. Literatur und Kunst zur Einwanderung ins Nachkriegsdeutschland“ (Verbrecher, 2025). Maha ist Kuratorin der Literaturreihe „Vorzeichen“ (2024) und der arabischsprachigen Podcast-Reihe „Ne7ki“ mit palästinensischen Autor*innen in und außerhalb von Gaza (2025).
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Ahmed Saleh ist ein Dichter und Schriftsteller aus Gaza, der in Brüssel lebt. Er ist Autor von „Gaza am Kreuz“ ("Gaza on the Cross") sowie des in Vorbereitung befindlichen Buches „Erinnere dich daran, dass ich ein guter Mensch war“("Remember That I Was a Good Man."). Zudem ist er am Internationalen Literaturhaus Passa Porta tätig und Gründer sowie CEO des Magazins Rihla.
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Cham Saloum ist eine vielfach gefeierte Musikerin, Komponistin, Oud-Spielerin und Sängerin. In ihrer Arbeit verbindet sie traditionelle Musik des Nahen Ostens mit zeitgenössischen Einflüssen wie Jazz und elektronischen Klängen. Verwurzelt in den musikalischen Traditionen des Mittelmeerraums und der Levante, kreisen ihre Kompositionen um Fragen von Identität, Exil und kulturellem Austausch. Ausgebildet sowohl in klassisch-arabischer Musik als auch in westlicher Musiktheorie, ist sie für ihre Virtuosität an der Oud ebenso bekannt wie für ihren dichten, filmischen Klang.
Geboren 1996, begann sie 2010 ihr Oud-Studium am Arabic Oud House bei Schrine Tohamy und Naseer Shamma. Nach ihrem Abschluss im Jahr 2015 zog sie nach Deutschland, wo sie seither solo sowie mit zahlreichen Orchestern und Ensembles in ganz Europa auftritt, darunter das Cottbus Orchester, das Syrian Ornina Orchestra, Bridges – Musik verbindet und das Trickster Orchestra. 2021 schloss sie ihr Bachelorstudium in World Music mit dem Hauptfach Oud ab. Derzeit lebt und arbeitet Cham Saloum in Berlin und widmet sich neuen Kompositionen und kollaborativen Projekten.
Ort
Veteranenstraße 21
10119 Berlin
Deutschland
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