Neuer Wehrdienst in Deutschland  Nie wieder – und doch im Dienst

„Schulstreik gegen die Wehrpflicht“ am 5. Dezember 2025 in Berlin
Am Morgen des 5. Dezember 2025, als der Bundestag für die Einführung eines neuen Wehrdienstes stimmte, formierten sich vor dem Reichstag und in anderen Städten Proteste. In Berlin schlossen sich mehr als 3.000 junge Menschen einem „Schulstreik gegen die Wehrpflicht“ an. Foto: © Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK)

Pazifist*innen protestieren, Sicherheitsexpert*innen warnen. Mit der Wehrdienstreform kehrt eine jahrzehntelang verdrängte Debatte zurück. Deutschland ringt zwischen Friedensbewegung und neuer Aufrüstung um seine Verantwortung. Über eine Gesellschaft, die eine neue Haltung zu ihrer Armee finden muss.

Am Morgen des 5. Dezember 2025, als der Bundestag für die Einführung eines neuen Wehrdienstes stimmte, formierten sich vor dem Berliner Reichstag und in anderen Städten Proteste. Die Entscheidung – noch wenige Jahre zuvor politisch undenkbar – markierte einen Bruch mit einer politischen Kultur, die jahrzehntelang von militärischer Zurückhaltung und dem Nachkriegsmantra „Nie wieder“ geprägt war. Während im Parlament debattiert wurde, hallten draußen Sprechchöre durch die Straßen. Mehr als 80 Jahre nach dem Ende des NS-Regimes zeigte sich erneut, wie ambivalent Deutschlands Verhältnis zu seiner Armee geblieben ist.

In Berlin schlossen sich mehr als 3.000 junge Menschen einem „Schulstreik gegen die Wehrpflicht“ an. „Für Wahlen zu jung, aber für Krieg reicht’s“ stand auf Plakaten und Bannern. Die Stimmung war diszipliniert und ernst – eher wie bei einer Klimademonstration. Die Choreografie des Protests wirkte vertraut. Noch wenige Jahre zuvor hatte Fridays for Future Schüler*innen zum Streik mobilisiert.

Auch Yannick Kiesel, 32, war damals dabei. Heute engagiert sich der Geographieabsolvent in der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK), einer der ältesten pazifistischen Organisationen des Landes. Für ihn gehören Klima- und Friedensbewegung zusammen. „Wir haben gelernt, dass Klima- und Umweltschutz nur auf der Basis von Frieden möglich sind“, sagt er unter einem Banner mit der Aufschrift „Die Jugend ist kein Kanonenfutter“. Seine Organisation wolle „junge Aktivistinnen und Aktivisten ermutigen, wenn sie für die Umwelt auf die Straße gehen, auch für Frieden auf die Straße zu gehen.“

Die DFG-VK unterstützte während des Kalten Krieges Generationen junger Männer dabei, den Dienst an der Waffe aus Gewissensgründen zu verweigern – ein Recht, das als direkte Antwort auf die Verbrechen der Wehrmacht im Grundgesetz verankert wurde. Daraus entstand eine breite Friedensbewegung, getragen von Kirchen, Gewerkschaften und Studierenden, später auch von den Grünen. Mit den Jahrzehnten des relativen Friedens nach dem Mauerfall rückte jedoch ein anderes Thema in den Vordergrund: das Klima. Der Frieden schien nicht mehr in Frage zu stehen.

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat diese Gewissheit erschüttert. Parallel zur Debatte über die Stärkung der Bundeswehr verzeichnet auch die Friedensgesellschaft wieder starken Zulauf. Das neue Wehrdienstmodell sei kein pragmatischer Schritt, sondern ein Tabubruch, der den Weg ebne zur Wiedereinführung eines Pflichtdienstes in einer Armee, die Kiesel für moralisch kompromittiert hält. Die Aufrüstung spiegele falsche Prioritäten wider – in einem Land, in dem soziale Ungleichheit wachse und Mittel für Bildung und soziale Dienste unter Druck stünden. Jungen Menschen werde gesagt, sie müssten „etwas für Deutschland tun“. „Nein“, sagt Kiesel. „Ich werde mein Land nicht verteidigen, weil ich nicht weiß, was es da noch zu verteidigen gibt.“
 
Yannick Kiesel, 32, engagiert sich bei der Deutschen Friedensgesellschaft.

Yannick Kiesel, 32, engagiert sich bei der Deutschen Friedensgesellschaft. | Foto: © Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK)

Die Rückkehr einer verdrängten Frage

Die Proteste im Dezember waren mehr als eine spontane Reaktion auf einen Parlamentsbeschluss. Sie machten eine tiefere Bruchlinie in Deutschland sichtbar – zwischen einer historischen Selbstdefinition als Friedensmacht und einer Sicherheitslage, die sich rapide verschlechtert.

Sicherheitsexpert*innen warnen, Russland könne noch vor Ende des Jahrzehnts ein weiteres europäisches Land angreifen – am wahrscheinlichsten im Baltikum. Berlin reagierte mit der ehrgeizigsten Aufrüstung seit dem Kalten Krieg – ein Kurswechsel, den der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz als „Zeitenwende“ bezeichnete, als er wenige Tage nach Beginn der russischen Vollinvasion ein Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr ankündigte und versprach, die NATO-Ziele zu erfüllen, die damals noch Verteidigungsausgaben der Mitgliedsstaaten von zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes vorsahen (heute fünf Prozent).

Im Zentrum dieser Zeitenwende steht nun das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz – der umfassendste Versuch, die personelle Basis der Streitkräfte wieder zu stärken, seit der Aussetzung der Wehrpflicht 2011. Seit dem 1. Januar 2026 müssen alle 18-jährigen Männer einen Fragebogen ausfüllen (für Frauen ist dies freiwillig), der ihre Motivation und Eignung für den Einsatz in der Bundeswehr überprüfen soll. Ab 2027 werden alle Männer ab dem Geburtsjahrgang 2008 gemustert. Ziel ist es, potenzielle Rekrut*innen systematisch zu erfassen.

Mit höherem Sold, Prämien und strukturellen Reformen soll die Truppenstärke bis zum Jahr 2035 von derzeit rund 180.000 auf bis zu 260.000 steigen. Die Reserve soll verdoppelt werden – auf dann 200.000 Soldat*innen. Reichen Freiwillige dazu nicht aus, sieht das Gesetz die Möglichkeit einer verpflichtenden Einberufung vor.

Die heftigen politischen Debatten vor der Verabschiedung zeigten, wie tief die Gesellschaft an dieser Stelle gespalten ist. Viele Sozialdemokrat*innen und Teile der Grünen warnten vor einer schleichenden Rückkehr zur Wehrpflicht. Konservative argumentierten, ohne verpflichtenden Dienst könne Deutschland seine sicherheitspolitischen Verpflichtungen nicht erfüllen.

Am Ende stand ein Kompromiss, weit entfernt von der Vision, die Bundeskanzler Friedrich Merz in seiner Regierungserklärung im Mai 2025 äußerte, die Bundeswehr „konventionell zur stärksten Armee Europas“ zu machen. Es ist der Versuch, militärische Notwendigkeit mit historischer Sensibilität zu verbinden, und die Gesellschaft auf eine Realität vorzubereiten, die viele lange für überwunden hielten. Ob das gelingt, bleibt offen.

Doch das Gesetz soll Zeit schaffen: für Rekrutierung, Infrastruktur, Ausbildung – vieles davon war nach 2011 abgebaut worden. Die Skepsis ist groß. Laut einer Forsa-Umfrage vom August 2025 würden nur 16 Prozent der Deutschen ihr Land „auf jeden Fall“ mit der Waffe verteidigen, weitere 22 Prozent „wahrscheinlich“. Besonders gering ist die Zustimmung unter jungen Erwachsenen, also jener Generation, die von einer möglichen Dienstpflicht unmittelbar betroffen wäre.

„Es gab dieses freundliche Desinteresse“

Yannick Kiesel gehört zu einer Generation, die Krieg für ein historisches Relikt hielt. Aufgewachsen in Frieden und mit dem Imperativ des „Nie wieder“, steht er heute stellvertretend für viele junge Deutsche, die eine mögliche Rückkehr zur Wehrpflicht und die militärische Aufrüstung ablehnen. Sie richten ihren Widerstand gegen einen Staat, der wieder Soldat*innen braucht, gegen eine Bundeswehr, die offensiv um Nachwuchs wirbt, und gegen eine Politik, die Waffen liefert. Stattdessen fordern sie Diplomatie, Verhandlungen, Abrüstung.

Besonders stark ist diese Haltung auch im Osten Deutschlands. Dort war Russland nicht nur Besatzungsmacht, sondern zur Zeit der DDR auch Verbündeter und Bezugspunkt, während die NATO als Gegner galt. Dieses weit verbreitete Weltbild verschwand nicht mit der Wiedervereinigung. Hinzu kommt ein tiefes Misstrauen gegenüber staatlicher Autorität, gewachsen aus den Umbrüchen nach 1990, während derer viele Ostdeutsche sich machtlos und fremdbestimmt fühlten. Skepsis gegenüber Aufrüstung und Militär findet in den östlichen Bundesländern bis heute besondere Resonanz – politisch sichtbar im Erfolg von AfD und Die Linke. Beide Parteien mobilisieren gegen Waffenlieferungen an die Ukraine und Militarisierung.

In den Berliner Räumen der DFG-VK, wo Yannick Kiesel arbeitet, klingelt das Telefon häufiger denn je. „Bei uns melden sich tagtäglich junge Menschen, Mütter und Großeltern, die Angst um ihre Kinder und Enkel haben.“ Auch ehemalige Reservisten rufen an, die nachträglich verweigern wollen. „Viele ältere Menschen, die in den 60er-, 70er- oder 80er-Jahren verweigert haben, bringen ihre Erfahrungen ein – als hätten sie geahnt, dass ihre Geschichten noch einmal gebraucht werden.“ Großmütter melden sich für ihre 13- oder 14-jährigen Enkel. „Die Angst ist jetzt schon da.“

Kiesel beschreibt eine Bewegung zwischen den Generationen: die Älteren geprägt von Erfahrung; die Jüngeren von Unsicherheit. „Die Mitte fehlt“, sagt er. Eine Generation, die in Frieden aufgewachsen sei, habe nie gelernt, sich aktiv mit Krieg auseinanderzusetzen.

Gleichzeitig wirbt die Bundeswehr offensiver denn je – mit Plakaten, YouTube-Serien, Influencer*innen und Präsenz an Schulen. „Und trotzdem kriegen sie es nicht hin“, sagt Kiesel. „Die Armee ist kein attraktiver Arbeitgeber.“ Eine Bundeswehr, die trotz steigender Budgets seit Jahren mit stagnierenden Zahlen kämpfe, werde durch Fragebögen allein keine Trendwende erreichen, glaubt er.

Für ihn ist die Rückkehr der Wehrpflichtdebatte Ausdruck politischer Ratlosigkeit. Statt „Kriegstüchtigkeit“ brauche Deutschland „Friedenstüchtigkeit“, so Kiesel: Investitionen in Bildung, soziale Sicherheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt. „Der Zusammenhalt wird nicht besser, indem wir uns verteidigungsfähig rüsten.“

Weit entfernt von den Protesten in Berlin sieht Roland Bösker das anders. Der Reserveoffizier aus Dessau trat 1989, kurz vor dem Ende des Kalten Krieges, in die Bundeswehr ein – zu einer Zeit, als viele seiner Altersgenossen verweigerten. Heute gehört er dem Bundesvorstand von BundeswehrGrün an, einem Verein grüner und grünennaher Bundeswehrangehöriger.

Bösker widerspricht nicht der Diagnose gesellschaftlicher Spannungen, wohl aber der Schlussfolgerung. Natürlich gebe es viele drängende Fragen, von sozialer Ungerechtigkeit bis zur politischen Polarisierung. „Eben darum, dass wir all diese Fragen frei diskutieren und frei entscheiden können, genau darum geht es.“

Die Verteidigung der Ukraine sei kein Nebenkriegsschauplatz sozialer Debatten sondern deren Voraussetzung. „Europa ist eine Union demokratischer und freier Staaten. Diese Freiheit müssen wir sichern.“ Verteidigung sei deshalb keine Alternative zu Sozialpolitik sondern ihre Bedingung.

Für Bösker geht es beim neuen Gesetz weniger um Personalzahlen als um Mentalitäten. Jahrzehntelang habe in Deutschland „freundliches Desinteresse“ gegenüber der Bundeswehr geherrscht. Die bequeme Annahme: „Es funktioniert ja irgendwie, und irgendwer schützt unsere Freiheit schon.“

Dieses Gefühl sei in einer Gesellschaft gewachsen, die Frieden als Normalzustand erlebt habe. Das neue Gesetz zwinge nun erstmals wieder eine ganze Generation, sich zur Frage des Dienstes zu verhalten. „Es ist eben nicht irgendwer“, sagt Bösker. „Es ist jeder Einzelne, der sich entscheiden muss.“

Allein diese Zumutung sei ein Einschnitt. Bösker kennt die innere Spannung aus seiner eigenen Biografie. Sein Großvater, ein Stalingrad-Veteran, reagierte mit Entsetzen, als der Enkel 1989 direkt nach dem Abitur zur Bundeswehr ging. Der Mann hatte ein Bein verloren und trug sein Leben lang Splitter im Körper; für ihn war der Militärdienst untrennbar mit Verlust und Schuld verbunden. „Er sagte: ‚So etwas darf nie wieder passieren. Am besten ist es, wenn es gar keine Soldaten gibt.‘“
 
Bösker zog eine andere Lehre. Gerade um das „Nie wieder“ ernst zu nehmen, müsse eine Demokratie verteidigungsfähig sein. Während seiner militärischen Ausbildung zerfiel Jugoslawien, der Krieg kehrte nach Europa zurück. „Wir mussten miterleben, wie grausam Krieg sein kann. Das hat mich in meiner Entscheidung für die Bundeswehr bestärkt.“

„Den Einsatz militärischer Mittel zur Durchsetzung politischer Interessen lehne ich ab“, sagt er. „Ich wollte Rechte und Freiheiten verteidigen.“ Als Europa Friedenstruppen auf den Balkan entsandte, sah er darin die Rolle, die er übernehmen wollte: Verteidigung und Stabilisierung statt Aggression.

Heute formuliert er es grundsätzlicher: „Die große Mehrheit möchte doch, dass wir weiter in Freiheit leben, dass unsere Gesellschaft funktioniert.“ Die entscheidende Frage sei nur: „Wie trägt der Einzelne zu dieser Freiheit bei?“

Die Antwort, sagt Bösker, könne niemand delegieren.
 
Roland Bösker, 56, ist Oberstleutnant der Reserve der Bundeswehr und Mitglied des Bundesvorstands von BundeswehrGrün e.V., einem sicherheitspolitischen Netzwerk, das der Partei Bündnis 90/Die Grünen nahe steht.

Roland Bösker, 56, ist Oberstleutnant der Reserve der Bundeswehr und Mitglied des Bundesvorstands von BundeswehrGrün e.V., einem sicherheitspolitischen Netzwerk, das der Partei Bündnis 90/Die Grünen nahe steht. | Foto: © Isabelle de Pommereau

Zwischen Geschichte und Gegenwart

Deutschlands Zurückhaltung hat historische Gründe. Nach der moralischen Katastrophe des Zweiten Weltkriegs war schon die Vorstellung einer neuen deutschen Armee tabu. Die Bundeswehr wurde 1955 bewusst als Gegenentwurf gegründet: Soldaten sollten „Staatsbürger in Uniform“ sein, eingebettet in demokratische Kontrolle. Doch das Misstrauen blieb. „Nie wieder Krieg“ wurde zum moralischen Reflex.

Nach der Wiedervereinigung verstärkte sich dieses Selbstverständnis. Verteidigungsausgaben sanken kontinuierlich, das Militär verschwand weitgehend aus dem Alltag. Erst die Annexion der Krim 2014 und die Invasion 2022 beendeten diese Phase. Der Krieg kehrte nach Europa zurück – und mit ihm eine verdrängte Frage.

Das neue Wehrdienstmodell ist der Versuch, militärische Realität und historische Erfahrung miteinander zu versöhnen. Yannick Kiesel sieht darin einen gefährlichen Schritt. Roland Bösker eine notwendige Anpassung.

Eine offene Frage

Zwischen Kiesels Skepsis und Böskers Überzeugung verläuft eine zentrale Konfliktlinie der deutschen Gegenwart: zwischen Erinnerung und Unsicherheit, zwischen einer Generation, die Frieden als Normalzustand erlebt hat, und einer Realität, in der Krieg wieder möglich geworden ist.

Mitte Januar 2026 versuchte Verteidigungsminister Boris Pistorius, Zuversicht zu vermitteln. Die Bundeswehr habe ihren höchsten Personalstand seit mehr als einem Jahrzehnt erreicht: „Wir haben die besten Rekrutierungsergebnisse seit Aussetzung der Wehrpflicht. Junge Menschen sind zunehmend bereit, einen Beitrag zur äußeren Sicherheit Deutschlands zu leisten.“

Ob das reicht, ist unklar. Erst die kommenden Jahre werden zeigen, ob genügend Freiwillige bereitstehen oder ob der Bundestag über die Wiedereinführung eines Pflichtdienstes entscheiden muss.

Trotz wachsender Bedrohungen und steigender Erwartungen der Bündnispartner bleibt die Kultur militärischer Zurückhaltung tief verankert. Während die Politik den Umbau der Streitkräfte vorantreibt, ringt das Land mit einer grundlegenden Frage: Was genau gilt es zu verteidigen – und warum, und wie kann Verteidigung wieder als gemeinsame Aufgabe verstanden werden?

Die Reform hat eine Debatte ausgelöst, die längst über den Bundestag hinausgeht. Sie wird in Schulen geführt, in Familien, am Küchentisch.

Michael Harsch von der Eisenhower School der U.S. National Defense University sieht darin einen Teil einer größeren Entwicklung. Deutschland bewege sich – langsam und widerwillig – weg von seiner pazifistischen Nachkriegsidentität. Europas strategischer Schwerpunkt verschiebe sich nach Osten. Die Zeit, militärische Defizite zu beheben, werde knapper.

„Gelingt es?“, fragt Harsch. „Dann könnte Deutschland seine lange Reise vollenden: von einem Land, das Macht mit Schuld verbindet, hin zu einem, das Macht als Verantwortung versteht.“

Das „Nie wieder“ ist geblieben. Aber seine Bedeutung wird neu verhandelt. „Verteidigung ist eben nicht irgendwer“, sagt Roland Bösker. „Es ist jeder Einzelne, der sich entscheiden muss.“

Die von Ex-Kanzler Olaf Scholz im Februar 2022 beschworene „Zeitenwende“ sei ein gesellschaftlicher Prozess, so Bösker. „Es erfordert viel Kommunikation, viel miteinander Reden, viel Toleranz und Akzeptanz – dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Herangehensweisen an Verteidigung haben. Es kann nicht per Beschluss erledigt sein. Aber es ist im Gang.“

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