Slowakische Kulturzentren  „Wir schaffen Werte und dem Staat ist das egal“

Ein Konzert im Hidepark, Nitra
Ein Konzert im Hidepark, Nitra Foto: © Peter Bednár

In der Slowakei war eine lokale Besonderheit entstanden: unabhängige Kulturzentren, die Kunst und ein genreübergreifendes Programm auch in kleine Städte brachten. Ihre Tätigkeiten konnten sie auch dank einer funktionierenden Unterstützung durch öffentliche Mittel entwickeln. Heute jedoch kämpfen sie ums Überleben.

In den letzten zwei Jahrzehnten hatte sich in der Slowakei ein einzigartiges System von Zentren der freien Kulturszene entwickelt, das Künstler*innen in ihrer Arbeit und Mobilität förderte. Bücher wurden veröffentlicht, es gab Theater- und Tanzaufführungen, Ausstellungen, Filme, es wurden Musik- und genreübergreifende Festivals ins Leben gerufen. Es entstanden Gemeinschaften, in denen sich Menschen über verschiedene Lebensbereiche austauschen und voneinander lernen konnten. Dies war maßgeblich dem Fond zur Förderung der Künste (Fond na podporu umenia - FPU) zu verdanken, der seit seinem Start 2015 jährlich Fördermittel in Höhe von etwa 0,1 Prozent des Staatshaushalts an kulturelle und künstlerische Initiativen vergab. Finanzielle Unterstützung der Kultur war somit zugänglich. Unabhängige Kommissionen, bestehend aus Vertretern der Kulturszene und aus Experten der Fachbereiche, entschieden über die Verwendung der öffentlichen Gelder. Unter der neuen Leitung des FPU wurde dieses System nun jedoch abrupt zusammengestrichen. In den letzten beiden Jahren mussten wir schon einige dilettantische Entscheidungen mit ansehen. Fördermittel wurden zum Beispiel an ein Café in einem Einkaufszentrum vergeben, für eine Truck-Show und für eine Feuerwerksshow auf Malta zur Verfügung gestellt.

Unter dem Motto „Kultur braucht Raum“ (Kultúra potrebuje priestor) machen 33 Kulturzentren der Initiative Anténa – einem Netzwerk der freien Kulturszene – seit Anfang März 2026 auf die Situation aufmerksam. Sie kritisieren die mangelnde Transparenz bei der Verteilung öffentlicher Mittel, organisieren öffentliche Aktionen und Kampagnen, haben eine Spendenaktionen zur Unterstützung von Zentren ins Leben gerufen, die ums Überleben kämpfen. Wie gehen die im Kulturbereich Tätigen mit der neuen Realität um? Werden sie die nötige Motivation finden, um weiterzumachen? Und wie sieht freie Kultur in den verschiedenen Regionen der Slowakei, auch in kleineren Städten, konkret aus?

Kunst im Durchzug

Das Projekt Nástupište 1-12 (Bahnsteig 1-12) in Topoľčany startete im Frühjahr in seine fünfzehnte Saison. Mit einem im Vergleich zu den Vorjahren und den ursprünglichen Plänen abgespeckten Programm. Zuzana Novotová Godálová, Leiterin von Nástupište 1-12 und Präsidentin von Anténa, dem Netzwerk der freien Kulturszene, sagt, dass sie in Topoľčany zu den „Glücklicheren“ gehören. Die Stadt vermietet ihnen den Raum der öffentlichen Unterführung, in der sie aktiv sind, für einen Euro pro Jahr. „Wir haben keine hohen Betriebskosten und keine festangestellten Mitarbeiter. Für Ausstellungen und für das Kvantum Festival haben wir von der Tatra Bank Stiftung Unterstützung bekommen. Dank dieser Unterstützung können wir auch dieses Jahr ein Programm anbieten. Was danach kommt, weiß niemand.“ Allerdings mussten Künstlerresidenzen sowie eine Ausstellung von fünf slowakischen Künstler*innen in Belgien aus dem Programm gestrichen werden.

Das Projekt Nástupište 1-12 widmet sich ganzjährig einem konkreten Thema. In dieser Saison heißt es Weideland und Multiversen (Pastviny a Multiverzá). Sechs Künstler*innen präsentieren ihre Werke in der Galerie der Unterführung, die durch transparente Schiebetüren mit dem langen Durchgang verbunden und somit Teil des öffentlichen Raums ist. Die Unterführung zwischen Fußgängerzone und Wohngebiet läuft unter dem Bahnhof und dem Busbahnhof hindurch. Mit einer Länge von fast 300 Metern gehört sie zu den längsten der Slowakei. Hier herrscht reger Personenverkehr. „Dadurch finden die Ausstellungen ihr Publikum“, erklärt Zuzana. „Manchmal ist es dort kalt und zugig, wir sind aber trotzdem überzeugt, dass man Kunst und Live-Performances im öffentlichen Raum am besten kommunizieren kann. Die Künstler öffnen den kreativen Prozess für das Publikum. Und die Vorbeigehenden sehen, wie die Werke entstehen und haben die Möglichkeit, mit Urheberinnen und Urhebern ins Gespräch zu kommen.“

Ein weiterer Programmteil dieses Kulturzentrums findet im Sommer in Pažite statt – auf dem Gelände einer ehemaligen Berghütte unterhalb der Burg Topoľčany. „Auf einer wunderschönen Wiese bieten wir Werkstattkurse für Kinder, Kunstworkshops, Konzerte und Künstlerresidenzen an“, erklärt Zuzana. Das Thema Weideland und Multiversen haben sie gewählt, weil die Menschen heute festen Boden unter den Füßen brauchen und nach Aktivitäten im Freien suchen, auch weil sie die Zersplitterung der Gesellschaft spüren. „Wir werden auf der Wiese einen Dialog anstoßen und alle einladen, ihre Freizeit mit uns zu verbringen und sich an der Diskussion zu beteiligen.“
 
Zuzana Novotová Godálová, Leiterin von Nástupište 1-12 und Präsidentin von Anténa, dem Netzwerk der freien Kulturszene

Zuzana Novotová Godálová, Leiterin von Nástupište 1-12 und Präsidentin von Anténa, dem Netzwerk der freien Kulturszene | Foto: © Jana Čavojská

 

Ohne Unterstützung

Die Unterstützung durch den Fond zur Förderung der Künste FPU hat bislang 80 bis 90 Prozent des Budgets von Nástupišťe 1-12 abgedeckt. Dank der Förderung konnten zum Beispiel Künstler*innen in Topoľčany auftreten, die am nächsten Tag in Wien auf Konzerten mit hohen Eintrittspreisen spielten. Über 60 slowakische Kreative stellten in Partnerorganisationen im Ausland aus, andere absolvierten eine Künstlerresidenz in Pažite. „Die Einwohner der Stadt müssen nicht weit reisen, um Kultur zu erleben. Es gibt sie direkt in Topoľčany und sie ist aktuell.“

Doch ohne öffentliche Gelder ist dies unmöglich. „Wir haben keine gewinnbringenden Aktionen, keine Bar, kein Buffet, kein Restaurant. Abgesehen vom Festival, für das ein niedriger Eintrittspreis erhoben wird, ist der Eintritt komplett frei. Wir finanzieren uns ausschließlich über Subventionen, Zuschüsse, Spenden, Mitgliedsbeiträge sowie die zwei Prozent der Steuern [Zwei Prozent der in der Slowakei gezahlten Steuern können in der Steuererklärung einer registrierten gemeinnützigen Organisation, einer Bürgerinitiative oder einer Wohltätigkeitsorganisation der Wahl zugewiesen werden. Anm. d. Red.]. Wir leisten ehrenamtliche Arbeit, gestalten öffentliche Plätze neu und sammeln Müll ein. Um ohne Unterstützung zu überleben, müsste das Kulturzentrum große kommerzielle Konzerte für Hunderte von Besuchern veranstalten. Ausstellungen, Diskussionen und Theateraufführungen lassen sich nicht mit Eintrittsgeldern finanzieren.“

Den Kritiker*innen der öffentlichen Förderung der freien Kulturszene setzt Zuzana entgegen, jede*r Bürger*in habe andere Interessen. „Sport wird auch gefördert und nicht jeder treibt Sport.“ Das bisherige Modell der unabhängigen FPU-Kommissionen sei transparent gewesen. „Jedes Jahr haben die besten Projekte gewonnen. Unsere waren auch nicht immer erfolgreich. Nun kommt die Behauptung, man würde endlich diejenigen unterstützen, die bisher keine Förderung erhalten haben. Vielleicht waren die einfach nicht so gut? Doch wir beobachten, dass jetzt Freunde und Bekannte der Kommissionsmitglieder gefördert werden. Ein Café in einem Einkaufszentrum. Das sind keine Leute, die bereits im Bereich Kultur gearbeitet haben und dort Erfolge vorweisen können. Und wie kann es dazu kommen, dass jemand seinen Nachbarn in ein öffentliches Amt beruft, der mit dieser Arbeit nichts zu tun hat, wo wir doch so viele Fachleute haben, die sich tatsächlich dafür engagieren? Seitdem die Direktion der Slowakischen Nationalgalerie mehrmals ausgetauscht wurde, sind die Besucherzahlen um die Hälfte gesunken.“

Im April versammelten sich 14.000 Menschen in Bratislava zur bisher größten Kulturdemonstration. Doch weder das Kulturministerium noch die Regierung oder Vertreter des FPU haben reagiert. „Wir schaffen Werte. Wir veröffentlichen Bücher, kümmern uns um Diplomatie in der Kultur, um die Bildung von Kindern und Jugendlichen und organisieren Seniorenveranstaltungen“, listet Zuzana auf. „Und dem Staat ist das egal.“
 

Kulturzentrum ohne Interieur

Es ist ein sonniger Samstag, und die Menschen im Hidepark in Nitra haben Schaufeln, Bohrmaschinen, Schleifmaschinen und Hacken in den Händen. Einige Freiwillige ebnen die Zufahrtsstraße, andere gestalten das Gelände und einige weitere arbeiten im Gemeinschaftsgarten. „Zurück zur Schaufel, sagen uns manche, doch wir schuften ja längst. An diesem Ort haben wir schon so hart gearbeitet. Auch bei anderen Gemeinschaftszentren läuft das so. In ehrenamtlicher Arbeit haben sie Räumlichkeiten in heruntergekommenen Gebäuden wiederhergestellt“, sagt Filip Stranovský, Gründer und Leiter des Kulturzentrums Hidepark, mit einem Lächeln.

Hidepark verfügt über keine Räumlichkeiten dieser Art. Deshalb ist er nur in den fünf wärmsten Monaten des Jahres geöffnet. „Früher haben wir das als Nachteil empfunden. Wir haben uns Räume in einem Gebäude gewünscht. Wir waren 20 Jahre alt, hatten kein Geld und man stellte uns dieses Stück Land zur Verfügung. Jeder von uns hat 100 Euro gegeben, wir haben die erste Miete bezahlt und angefangen zu arbeiten. Letztendlich haben wir uns hier etabliert und nun wollen wir daran nichts mehr ändern“, sagt Filip.

Kein Wunder. Dieser Ort ist wunderschön und lädt zum gemeinschaftlichen Leben ein. Vor dem Gelände gibt es einen Fahrradpark für Kinder und einen Grillplatz. Mehrere Kunstinstallationen sind zu sehen, die im Rahmen von Residenzen hier entstanden sind. Die angrenzende Wiese wird von Tourist*innen mit Wohnmobilen genutzt. Ein Innenbereich ist durch Container mit einer kleinen Küche abgetrennt, es ist der Backstagebereich für die, die hier auftreten. Letztes Jahr wurden Keramiktoiletten mit Spülung installiert. Das war ein großes Ereignis, die Toiletten haben sogar ihren eigenen Merchandise. Auf dem Areal gibt es eine Bühne, sowie Tische, Bänke und verschiedene Sitzecken auf der weitläufigen Wiese. Nun wird es auch den ganzen Sommer über ein mobiles Buffet geben – bisher war es nur zu Veranstaltungen geöffnet. In einem anderen Teil des Geländes befinden sich ein Gemeinschaftsgarten, ein Gehege für Hühner, die aus Großbetrieben gerettet wurden, und kleine, individuell zu mietende Gärten.
 
Filip Stranovský und Táňa Šoltýsová | Hidepark, Nitra

Filip Stranovský und Táňa Šoltýsová | Hidepark, Nitra | Foto: © Jana Čavojská

Unter den Sternen

Hidepark hatte ganz einfach angefangen. DJs und Konzerte, die es in Nitra bis dahin noch nicht gegeben hatte. „Nach und nach haben wir den dritten Sektor [gemeinnützige Initiativen, Anm. d. Red.] kennengelernt, bekamen ein Gespür für Projekte, gründeten einen Bürgerverein und begannen, Workshops, Bildungsprogramme, Theateraufführungen und Aktivitäten zur Förderung des gemeinschaftlichen Lebens anzubieten.“

Kultur kann auch unter freiem Himmel stattfinden, unter den Sternen. Besonders im Sommer, wenn die Menschen gerne draußen sind. Produzentin Táňa Šoltýsová erklärt, dass dank FPU-Fördergeldern Honorare und Personalkosten, vor allem für Ton- und Lichttechniker*innen, sowie für weiteres technisches Personal gedeckt werden konnten – ohne deren Einsatz keine Veranstaltung möglich ist. „Besucher zahlen Eintritt, aber mit der Unterstützung des FPU konnte dieser niedriger gehalten werden und somit für mehr Menschen erschwinglich sein. Veranstaltungen mit gemeinschaftlichem Charakter sind kostenlos oder mit Spende zugänglich.“ In dieser Saison geht Hidepark ein Risiko ein. Es werden weniger Konzerte und Theateraufführungen angeboten, da diese am teuersten sind. Der Eintrittspreis muss erhöht werden und nach der Saison wird sich zeigen, ob zumindest die Kosten gedeckt werden können, ob man wenigstens auf null kommt. „Unsere Veranstaltungen sind nicht kommerziell. Es gibt hier kein Elán-Konzert [slowakische Mainstream Pop-Rock Band, Anm. d. Red.], zu dem Tausende kommen und bei dem eine Agentur einkassiert. Die Themen, die wir ansprechen, haben eine tiefere Bedeutung, wie etwa Toleranz, Minderheiten und die Bekämpfung von Hass in der Gesellschaft“, sagt Filip. Er ist Bauarbeiter und selbstständig. Auf dem Bau, wo er arbeitet, trifft er Menschen aus einer „Bubble“, die nicht zu den Besuchern zeitgenössischer Kulturveranstaltungen gehören. „Leider haben sie oft keine Ahnung, wie die Dinge funktionieren, und vertreten sehr starre Meinungen. Sie fluchen und schimpfen viel, aber sie kommen nicht hierher, um sich das hier anzusehen.“

Filip ist es jedes Jahr danach, das hier alles hinzuwerfen. Eigentlich will er nur sein privates Leben leben, in den Wald gehen, wandern, Urlaub machen. „Doch wenn ich sehe, was wir hier schon alles geschafft haben, wie das Projekt wächst und welch tolle Gemeinschaft sich darum gebildet hat, motiviert mich das. Es ist eine Chance, etwas zu gestalten und zu beeinflussen.“ Auch Táňa wird durch die Menschen hier motiviert. „Wir sind eine Gruppe von Enthusiasten, und ich kann mir nicht mehr vorstellen, nicht mehr dabei zu sein.“ Die vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit, die sie dem Hidepark gewidmet haben, zählen die beiden längst nicht mehr. Doch wenn sie die Kinder jener Freund*innen und Bekannten auf dem Gelände sehen, die damals schon bei den ersten Aktionen dabei gewesen waren, wissen sie, dass sie nicht aufgeben können.

Man macht Halt für ein Bier und – bumm!

Das einstige Forsthaus Hájovňa oberhalb von Banská Štiavnica trägt im Titel die Bezeichnung „Kultur- und Touristenzentrum“. Spaziert man durch den Wald oder radelt man durch die Gegend, entdeckt man ein Buffet, macht Halt für ein Bier und einen Schnaps und – zack! –steht man mitten in der Ausstellung des renommierten zeitgenössischen Künstlers Andrej Dúbravský! Es gibt hier außerdem eine Schutzhütte, Zeltplätze, Grillplätze, Tischtennisplatten … sowie Theateraufführungen, Konzerte, Diskussionen, Workshops und Ausstellungen. Die Außenanlagen wurden im Rahmen von Workshops unter Mitwirkung von Designer*innen, Künstler*innen und Architekt*innen gestaltet. Sie sind zweckmäßig und funktional. Die Terrasse lässt sich im Handumdrehen in eine Bühne umwandeln. Eine Leinwand kann an der Schutzhütte ausgerollt werden. Die Holzbänke sind stapelbar. Im Dachgeschoss der Hájovňa befindet sich ein kleines Studio mit Bad und Kochnische, das für Künstlerresidenzen genutzt wird.

Im Hof dominiert die Kabine eines legendären Praga V3S [ein dreiachsiger geländegängiger Lkw, von 1953 bis 1990 in der Tschechoslowakei produziert, Anm. d. Red.], die zu einer Cafeteria umgebaut wurde. Alles begann vor neun Jahren mit dem baufälligen einstigen Forsthaus. Es gehört der Stadt Banská Štiavnica und wurde davor als sozialer Wohnraum genutzt, umgeben von einer illegalen Müllkippe. „Wir haben ein Jahr lang hier nur aufgeräumt. Allein von dem Ort, an dem jetzt die Schutzhütte steht, haben wir zehn große Müllcontainer voll weggeräumt“, erinnert sich der Künstler, Fotograf und Kurator Jano Viazo. Er betreut zusammen mit seinen Freunden Michaela und Matej Lukáč das Projekt dieses Forsthauses. Sie gewannen 2017 die öffentliche Ausschreibung für das Betreiben des Objektes. Um die Sanierung zu finanzieren, nahmen sie noch eine Hypothek auf.
 
Michaela Lukáčová und Jano Viazo vor der Hájovňa bei Banská Štiavnica

Michaela Lukáčová und Jano Viazo vor der Hájovňa, Banská Štiavnica | Foto: © Jana Čavojská

Radfahrer in der Ausstellung

Dazu etwas Statistik: Letztes Jahr wurden vom Team hier 120 Veranstaltungen und 10 Künstlerresidenzen organisiert. Alle drei haben allerdings noch ihre andere Arbeit. Maťo ist Holzschnitzer, arbeitet mit Holz und restauriert Häuser. Michaela unterrichtet an einer Schule, Jano organisiert das Fotofest Paradajs, betreibt die kleine Buchhandlung PARADAJS PARADAJS Books & Design im Zentrum von Banská Štiavnica und unterrichtet ebenfalls. Der Eintritt zu den Veranstaltungen geht von Spenden, über 2 bis 3 Euro für kleinere Events und 6 Euro für das Sommerkino bis 15 Euro für Konzerte. Dank der Förderung durch die FPU konnten letztendlich 80 bis 90 Prozent der Kosten des „kulturellen“ Teils des Projekts gedeckt werden. Dadurch wurde die Hájovňa für alle zugänglich. „Banská Štiavnica ist ein Touristenort. Für die Einheimischen ist er als solcher nicht zugänglich. Doch zu uns hier können Familien und Schulklassen kommen, Zeit in der Natur verbringen, grillen und kostenlos Tischtennis spielen. Wäre hier statt uns irgendwann ein Restaurant, ginge für sie diese Möglichkeit verloren“, sagt Jano und spielt damit auf den möglichen Fall an, dass nächstes Jahr in einer öffentlichen Ausschreibung ein anderer Pächter die renovierte Hájovňa gewinnen könnte.

Was würde Jano Leuten sagen, die behaupten, unabhängige Kulturzentren sollten sich selbst finanzieren? „Zum Beispiel könnten diejenigen, die kostenlos hier grillen, uns ein paar Euro spenden. Oder die Tickets müssen das Dreifache kosten. Kultur stand bei den Förderungen schon immer ganz hinten. Die Zuschüsse der FPU machten nur etwa fünf Prozent des Budgets des Kulturministeriums aus, waren aber ausreichend, um die ganze Slowakei in Bewegung zu setzen. Und die Schaufeln? Damit haben wir hier hart geschuftet. Schuften eigentlich immer noch damit.“

In der Hájovňa begegnen Besucher*innen der Kunst ganz natürlich, einfach so. Michaela erzählt von Radfahrer*innen mit einem Bier in der Hand, die bei ihrem ersten Besuch behaupten, nichts von bildender Kunst zu verstehen und bei späteren Besuchen nachfragen, ob es eine neue Ausstellung gibt. Jano fügt hinzu, dass eine gewöhnliche Galerie nie die Möglichkeit zu solch direktem Kontakt bietet. Matej sagt manchmal zu Besucher*innen: „Ich verstehe das hier auch nicht, aber lasst es uns gemeinsam ansehen und darüber nachdenken. Wir müssen nicht alles verstehen.“
 

Zweiter Geburtstag

Es ist der 11. April, genau zwei Jahre nach der ersten Veranstaltung im unabhängigen Kulturzentrum Citadela in Rimavská Sobota. Damals fand eine Lesung mit der Schriftstellerin Jana Beňová statt. Zehn Personen kamen. „Ich war nicht deprimiert. Ich war froh, dass es endlich geklappt hatte“, sagt Tomáš Bálint heute, da die Citadela voller Menschen ist und ihren zweiten Geburtstag feiert. Vor einigen Jahren wurde Tomáš aufgrund seiner Kritik am Bürgermeister von Rimavská Sobota, einem ehemaligen Mitglied des Nationalrats der Slowakischen Republik, von seiner Position als Kulturmanager des städtischen Kulturzentrums entlassen – und erhielt anschließend für seine prinzipientreue Haltung den alternativen Kulturpreis Biela vrana (Weiße Krähe).

Er beschloss, jene Aktivitäten fortzuführen, die er im städtischen Kulturzentrum begonnen hatte und die zeitgenössische Kunst sowie Themen wie Freiheit, Demokratie und Toleranz in die Stadt brachten. Er bekam die Räumlichkeiten des ungenutzten Gemeinschaftssaals der Berufsfachschule. Gemeinsam mit Freund*innen und mit anderen, bis dahin unbekannten Leuten, richteten sie den Saal ein und schufen einen neuen Ort für Kultur – und gleichzeitig eine Gemeinschaft. Möbel und Equipment konnten sie kostenlos über soziale Netzwerke zusammentragen, die Bühne bauten sie aus Paletten und OSB-Platten, die sie von Freund*innen bekamen.

Die zunächst zugesagte Unterstützung der FPU-Kommission des genreübergreifenden Festivals Fraj für 2025 wurde letztendlich jedoch vom FPU-Rat abgelehnt. Begründet wurde dies damit, dass es nichts mit Kultur und Kunst zu tun habe. Daraufhin startete das Team des Kulturzentrums eine Spendenaktion auf der Plattform Donio, um das Festival zu finanzieren. „Es ist extrem schwierig, Gelder aus anderen Quellen zu beschaffen. Wir haben zwölf regelmäßige Einzelspender, darunter aber kein Unternehmen. Dieses Jahr wurden wir von der Stiftung der Slowakischen Sparkasse unterstützt“, so Tomáš.
 
Citadela – Zentrum für unabhängige Kultur in Rimavská Sobota

Citadela – Zentrum für unabhängige Kultur in Rimavská Sobota | Foto: © Jana Čavojská

Zum Nachdenken bringen

Die Citadela brachte Rimavská Sobota und seinen 21.000 Einwohner*innen eine bis dahin unbekannte Kultur. Konzerte alternativer Bands, freie Theaterproduktionen, Diskussionen, Gemeinschaftsveranstaltungen wie Lesungen, Quizabende oder Samstagspicknicks, kombiniert mit einem Familienprogramm. „Wir versuchen Themen zu finden, die den Menschen berühren, zum Nachdenken bringen, etwas in ihm bewegen. Beim ersten Besuch waren manche Zuschauer vielleicht schockiert oder verwirrt. Doch auch das ist die Aufgabe der Kunst: verwirren, zum Nachdenken bringen, vielleicht sogar dazu manche Meinungen und Wertvorstellungen neu zu überdenken“, sagt Tomáš. Eine der Veranstaltungen, die in den letzten beiden Jahren großen Anklang fand, war die Theateraufführung Vagína monology (Vagina Monologe). „Authentische Zeugnisse von Frauen, schwierige Geschichten, die sie auf der Bühne mit dem Publikum teilten, und eine anschließende Diskussion. Auch eher konservative Zuschauer kamen, und diese stellten die meisten Fragen.“

Tomáš und ein Team von 15 Freiwilligen organisieren monatlich acht bis zehn Veranstaltungen in der Citadela. Da die FPU keine Unterstützung gibt, mussten sie das Programm den finanziellen Möglichkeiten anpassen. Größere Konzerte und Theaterproduktionen können sie sich nicht leisten. „Das hat uns gezwungen, kreativ zu werden. Wir entwickeln eigene Formate, die wir auch umsetzen können.“

Tomáš kann nicht mit der Unterstützung der Stadt rechnen, da er hier immer noch als das Schwarze Schaf gilt. „Kultur erwirtschaftet sich nicht selbst. Sie ist ein Dienst am Menschen. Und sie ist ein Beruf wie jeder andere. Ich habe das Gefühl, dass die fleißigsten Menschen im Kulturbereich arbeiten. In Kulturzentren erledigen oft ein oder zwei Personen alles: Programmgestaltung, Fundraising, Buchhaltung, Social Media … Sie üben zehn Berufe für ein lächerliches Gehalt aus.“ Tomáš gibt zu, dass er manchmal davon erschöpft ist. „Doch ich wollte diesen Beruf schon immer. Er gibt mir ein Gefühl von Freiheit. Er erfüllt mich auch menschlich, denn Kunst hat die Kraft, die Leute sensibler und zu besseren Menschen zu machen.“
 
Tomáš Bálint, Citadela, Rimavská Sobota

Tomáš Bálint | Citadela, Rimavská Sobota | Foto: © Jana Čavojská

Schließung des Zentrums

Nach fast zwölf Jahren Betrieb wurde das unabhängige Kulturzentrum Diera do sveta (Ein Loch in die Welt) [Sprichwörtlich: einen bleibenden Eindruck hinterlassen, etwas Bedeutsames schaffen, Anm. d. Red.] in Liptovský Mikuláš Ende März endgültig geschlossen. Der kleine Ort mit großem Ruf verwaist. All die Jahre war er mit Ideen von Freiheit, hochwertiger Kultur, zeitgenössischer Kunst, ambitionierten Festivalkonzepten und vor allem einer Gemeinschaft von Menschen gefüllt, die den Problemen der heutigen Welt nicht gleichgültig gegenüberstanden. Jana Mikuš Hanzelová nennt das nicht funktionierende System der FPU-Förderung als einen der drei Gründe für die Schließung. „Hätten wir die nötigen Mittel gehabt, hätte uns das vielleicht zum Durchhalten motiviert. Wir sind aber als Familie nach Bratislava gezogen, und in Liptovský Mikuláš konnten wir nicht einmal den Mindestlohn für eine Arbeitskraft am Diera do sveta sichern. Auch das zeigt, wie das System wirklich funktioniert, über welches in Zusammenhang mit uns gesagt wird, wir hätten es ausgemolken. Wir können von niemandem verlangen, sich für ein Projekt so aufzuopfern, wie wir das anfangs gemacht haben. Der dritte Grund war, dass unser Mietvertrag auslief. Wir haben zwei Jahre lang versucht, andere Räumlichkeiten zu finden, doch Liptov ist eine Touristenregion. Mikuláš ist keine Stadt mehr für Einheimische. Die Gewerbemiete hätten wir nicht mehr bezahlen können.“

Die von Diera do sveta nach Liptovský Mikuláš gebrachte Kultur, in eine vor allem durch ihre Sportbegeisterung geprägte Stadt, war völlig neu. „Im Dialog mit den Menschen haben wir ausgelotet, was wir uns erlauben konnten, wie wir experimentieren konnten. Wir haben die Grenzen nach und nach verschoben“, sagt Jana und fügt hinzu, dass sie lange Zeit zum Beispiel darüber beunruhigt war, dass nur etwa 30 Prozent der Besucher*innen des Festivals Artwife aus der Region kamen. „Natürlich ist ein feministisches Festival etwas Besonderes. Aber es ist auch wichtig, dass die Menschen, die das Programm erleben, die Ideen anschließend in ihre Gemeinschaften tragen.“

Leben auf der Kante

Jana betont, dass Kulturzentren nicht nur mit dem Verlust von Fördermitteln, sondern auch mit dem Rückgang der Besucherzahlen zu kämpfen haben. „Der Rückgang ist brutal. Zum einen, weil merklich viele junge Menschen die Slowakei verlassen, zum anderen, weil die Menschen hier kein Geld haben.“ Sie meint, es dürfe keine als „richtig“ gestempelte Kultur geben, die Vorrang habe. „Es ist völlig in Ordnung, dass es Jahrmärkte oder Folklorefeste gibt. Doch viele Menschen wünschen sich eine andere Art von Kultur. Wenn wir diese verlieren, lassen wir vor allem die Bewohner kleiner Städte verkümmern.“

Die Jahre des Bestehens von Diera do sveta haben in Liptovský Mikuláš eine Gemeinschaft geschaffen. Deshalb war die Abschiedsveranstaltung so tief berührend. „Wir baten unsere Stammgäste, im Stil von Pecha Kucha ein Erinnerungsprogramm für uns zu gestalten: Jeder zeigte 20 Fotos und sagte zu jedem der Bilder 20 Sekunden lang etwas. Dabei wurde uns bewusst, wie sehr sich die Wahrnehmung der Menschen von Kunst verändert hatte. Sie hatten die Möglichkeit Dinge zu erleben, mit denen sie sonst wahrscheinlich nie in Berührung gekommen wären. Es war ein sehr schönes Dankeschön, und wir spürten eine Genugtuung.“

Diera do sveta bleibt weiterhin Mitglied von Anténa, dem Netzwerk für unabhängige Kultur, und Jana engagiert sich auch in der Initiative Otvorená kultúra (Offene Kultur). „Die Leute haben das Gefühl, jeder könne Künstler sein und jeder kann Kulturveranstaltungen organisieren. Doch es geht nicht nur um Talent und Hobby, sondern auch um harte Arbeit und Studium. Dann rutscht man schnell in die Narrative über Schmarotzer, denn in der Kultur kann man nicht gleich auf die greifbaren Ergebnisse seiner Arbeit verweisen wie etwa bei manuellen Tätigkeiten. Doch das ist respektlos gegenüber dem künstlerischen Wissen.“

Für Jana ist nur der physische Raum verschwunden, nicht aber Diera do sveta selbst. Sie möchte einige Aktivitäten fortführen, zum Beispiel das Festival Artwife, das voraussichtlich an einem anderen Ort stattfinden wird. Die Arbeit im Kulturbereich gibt ihr nach wie vor Sinn. „Selbst wenn dies ein Leben auf der Kante ist. Man ist ständig in der Unsicherheit, was in einem Jahr oder in einem Monat sein wird. Doch es ist eine bewusste Entscheidung. Gewissheit birgt die Gefahr einer anderen Form des Burnouts. Ich glaube weiterhin an die Kunst. Ich weiß, dass sie die Kraft hat, Menschen zu verändern.“
 
Jana Mikuš Hanzelová und Ján Mikuš | Diera do sveta, Liptovský Mikuláš

Jana Mikuš Hanzelová und Ján Mikuš | Diera do sveta, Liptovský Mikuláš | Foto: © Jana Čavojská

Jana Mikuš Hanzelová | Diera do sveta, Liptovský Mikuláš

Jana Mikuš Hanzelová | Diera do sveta, Liptovský Mikuláš | Foto: © Jana Čavojská

 

Der Markt zahlt nicht für ein Experiment

Michal Berezňák vom Projekt Nová Cvernovka in Bratislava beobachtet ebenfalls eine Veränderung im Publikumsverhalten. „Bei jeder Unsicherheit verschwinden zuerst die Dinge, die nicht als elementar gelten. Kultur gehört leider dazu. Sie kann auch unter schwierigen Bedingungen funktionieren, braucht dazu aber zumindest eine grundlegende Stabilität.“ Nová Cvernovka verlor die langfristige Förderung durch den FPU, der die Mittel für drei Jahre eigentlich bewilligt hatte. Doch der Fond kündigte vor wenigen Wochen die bereits unterzeichneten Verträge. Ein festes Team, etablierte Prozesse und eine Programmplanung waren damit hinfällig. „Fördergelder ermöglichen Dinge, die der Markt niemals finanzieren würde: Experimente, neue Künstler, Raum für junge Menschen, Gemeinschaftsprojekte. Das sind Dinge, die wertvoll sind, aber keinen unmittelbaren wirtschaftlichen Gewinn bringen. Ein kommerzielles Programm kann einen Teil der Kosten decken. Doch das, was einem Kulturzentrum Sinn gibt, lässt sich nicht mit dem Preis einer Eintrittskarte finanzieren.“

Im FPU werden unter der neuen Führung Entscheidungen in Millionenhöhe von einem kleinen Personenkreis getroffen. Laut Michal ist die Expertise bei mehreren Personen von ihnen fraglich. „Entscheidungen werden geändert, oft ohne klare Begründung, und in einigen Fällen ist die ideologische Dimension kaum zu übersehen. Wenn du nicht weißt, ob die Beschlüsse gültig bleiben werden, auf deren Basis du das nächste Jahr planst, kannst du weder ein Team aufbauen noch Programme entwickeln oder Verpflichtungen eingehen. Kommt dann noch Selektivität hinzu, zählt nicht nur die Qualität der Arbeit, sondern auch deine Positionierung. In einem solchen Umfeld ist es sehr schwierig, eine langfristige kulturelle Infrastruktur zu schaffen.“

Michal glaubt nicht, dass solch eine Zensur zum Aussterben der Kultur führen wird. „Im Gegenteil. Oft entstehen dadurch starke Reaktionen, neue Ausdrucksformen und wichtige Aussagen. Manche Leute passen sich an, manche ziehen sich zurück und manche gehen noch näher an die Grenzen des Erlaubten. Und das hat Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft.“
 
Marek Adamov vom Kulturzentrum Stanica Žilina-Záriečie

Marek Adamov vom Kulturzentrum Stanica Žilina-Záriečie | Foto: © Jana Čavojská

Ein Programm, das Tickets verkauft

Der Bürgerverein Truc sphérique in Žilina hat seit 1998 tausende Projekte und Veranstaltungen organisiert. Zum von ihm betriebenen unabhängigen Kulturzentrum Stanica Žilina – Záriečie, kam 2017 nach umfangreicher Sanierung die Neue Synagoge als einzigartiger Ausstellungs- und Veranstaltungsort hinzu. Wie Nová Cvernovka verlor auch Truc sphérique eine dreijährige Förderung des FPU, mit der der Verein bei der Planung langfristiger Projekte gerechnet hatte. Marek Adamov von Truc sphérique ist entschlossen, diese bereits bewilligte Unterstützung gemeinsam mit anderen Kulturzentren gerichtlich einzufordern. Die 200.000 Euro jährlich machen etwa ein Drittel des Budgets für die Aktivitäten des Zentrums in Žilina aus.

Marek erklärt, dass der Stopp der Unterstützung nicht nur direkt das Kulturzentrum betrifft, sondern auch die regelmäßig in dessen Räumlichkeiten stattfindenden Veranstaltungen sowie individuelle Künstler*innen. „Zum Beispiel werden das Literaturfestival Žilina und das Theaterfestival Kiosk voraussichtlich nicht stattfinden. Auch nicht die kleineren, täglich durchgeführten Veranstaltungen für 30 bis 50 Zuschauer. Künstler erhalten keine Stipendien mehr. Das bedeutet, dass sie keine Aufführungen proben und keine Ausstellungen mehr gestalten können.“

Truc sphérique muss dieses Jahr mehr als hundert seiner rund vierhundert Veranstaltungen streichen. „Vor allem kleinere Konzerte, Podiumsdiskussionen, Theateraufführungen, Auftritte von Nachwuchskünstler*innen und Bildungsangebote für Schulen. Wir suchen nach Formaten, die qualitativ hochwertig sind und gleichzeitig einen mehr kommerziellen Charakter haben, damit wir Tickets verkaufen können. Diese Situation zwingt uns, wirtschaftlicher zu denken. Ein Konzert von Horkýže Slíže [populäre slowakische Punkband, Anm. d. Red.] wird es hier natürlich nie geben.“

Die Besucher*innen müssen sich zudem auf höhere Eintrittspreise einstellen. Marek weiß, dass dies nicht ausreichen wird, um die Kosten zu decken; ein Zentrum für unabhängige Kultur kann nicht höhere Eintrittspreise verlangen als ein Stadttheater oder ein staatliches Kammerorchester. Kultur ist kein normaler Wettbewerbsbereich. „Paradoxerweise gilt: Je höher die Qualität einer Aktion in unserer Branche, desto weniger Publikum hat sie.“ Derzeit werden die Kosten hauptsächlich durch Konferenzen und Firmenveranstaltungen gedeckt, für welche man die Neue Synagoge untervermietet. Die zieht durch die Einnahmen auch das Programm des eher gemeinschaftsorientierten Bahnhofs Žilina – Záriečie mit.
 
Podiumsdiskussion in der Neuen Synagoge in Žilina

Podiumsdiskussion in der Neuen Synagoge in Žilina | Foto: © Archiv von Truc Sphérique

Konzert im Kulturzentrum Stanica Žilina-Záriečie

Konzert im Kulturzentrum Stanica Žilina-Záriečie | Foto: © Archiv von Truc Sphérique

 

Kritiker*innen zum Schweigen bringen

Marek ist überzeugt, dass es dem FPU und dem Staat nicht darum geht, die Kulturförderung an sich nicht zu unterstützen, sondern darum, kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen. „Ein Angriff auf Freiheit und auf kritisches Denken. Sie haben allerdings keine Kultur, mit der sie uns ersetzen könnten. Sie behaupten, wir seien zu liberal und sie wollten etwas Traditionelles fördern. Doch sie haben dafür weder Kreative noch Ideen.“ Laut Marek bewegen sich einige Äußerungen des Kulturministeriums und des FPU-Rats am Rande der Legalität. „Und das ist gefährlich. Was man von ihnen im Internet zum Nachlesen kann, könnte sehr leicht zu einem physischen Angriff eskalieren. Auch die Begründungen für die nicht genehmigte Unterstützung, in denen sie von einer ‚pervertierten LGBTI-Ideologie‘ sprachen, waren verfassungswidrig.“

Marek war zum Zeitpunkt des Führungswechsels Mitglied einer der Kommissionen des FPU. Bei einer Online-Sitzung mit dem FPU-Rat fragte er die Mitglieder damals offen, was sie dazu bewege, die Kultur auf diese Weise zu zerstören. „Einer sagte, wir dürften nicht erwarten, dass sie uns unterstützen, wenn wir sie kritisierten. Er gab zu, dass Kritiker als Strafe keine Unterstützung erhalten würden.“ Der FPU entscheidet allerdings über öffentliche Gelder.

Es kam auch vor, dass der FPU bestimmten Projekten nur einen Bruchteil der beantragten Mittel bewilligte, beispielsweise ein Zehntel oder ein Zwanzigstel der beantragten Summe. Natürlich musste die Initiative die Förderung dann ablehnen, da es unrealistisch war, eine Veranstaltung mit so wenig Geld durchzuführen, und der FPU argumentierte dennoch, er habe die Förderung doch bewilligt. Und drittens ist es ohne hunderte Fachleute in den Gremien schlichtweg unmöglich, dass der Vorstand hunderte von Förderanträgen selbst liest und überprüft. „Es war auch absurd, dass ein Mitglied unseres Gremiums [nach dem Wechsel in der FPU-Leitung, Anm. d. Red.] vorschlug, wieder auf Papier umzusteigen, weil er Computern nicht traut und sie manipuliert werden könnten, und ein weiteres Mitglied war nicht fähig, sich in die Online-Konferenz einzuloggen.“

Einfach normales Leben

Jenen Kritiker*innen, die sagen, Kulturzentren sollten Kultur schaffen, die die Menschen auch wirklich besuchen wollen, entgegnet Marek mit dem Hinweis auf die Abwegigkeit dieses Arguments. „Ich selbst habe keine Kinder im Kindergarten, aber ich kämpfe nicht gegen Kindergärten. Ich gehe nicht ins Schwimmbad, aber ich verlange nicht, dass die Stadt die Förderung einstellt und Sportler Eintritt zahlen müssen, damit die Betriebskosten gedeckt werden. Kultur wird nie etwas für alle sein. Aber es ist wichtig, dass sie für alle zugänglich bleibt.“

Und das ist ohne die Fördergelder nicht realistisch. „Wir haben das Kulturzentrum nicht gegründet, um auf Nummer sicher zu gehen. Ziel dieses Netzwerks ist es, Neues zu fördern, junge Künstler zu unterstützen und Raum für Experimente zu bieten. Anerkannte Stücke können dann im Nationaltheater und im Stadttheater aufgeführt werden. Doch schließlich hat kein Regisseur in diesen großen Institutionen angefangen, sondern in kleinen Ensembles. Spitzenkultur entsteht aus diesem gesamten Spektrum an Aktivitäten. Jugendliche, die als Ehrenamtliche, als Workshop-Teilnehmer oder Zuschauer zu uns kamen, haben später an der Hochschule für Musische Künste Bratislava oder an der Filmhochschule in Prag studiert und bei ihnen im Regal stehen inzwischen renommierte Preise wie César und Český lev [die französischen beziehungsweise tschechischen Filmpreise, Anm. d. Red.].“

Einen weiteren Wert unabhängiger Kulturzentren sieht er darin, dass sie keine Orte für exklusive Veranstaltungen sind, für die man sich ab und zu schick kleidet. „Die Leute kommen auch hierher, wenn nichts los ist, hier spielt sich normales Leben ab. Wir öffnen diesen Ort hier nicht erst eine Stunde vor einer Veranstaltung. Er ist ab dem Mittag geöffnet. Die Leute arbeiten hier, proben, treffen sich, trinken Kaffee. Auch das ist Kultur. Dank des FPU konnten wir eine beispiellose Qualität erreichen, doch allein Räume für die Menschen sind ebenso wichtig. Nicht jene, die man besucht, sondern die, in denen man lebt. Das ist einzigartig in der Slowakei.“

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