Diskussion

Stefanie Höfler: Der große schwarze Vogel

Sa., 13.05.2023 13:00 Uhr

Ausstellungsgelände Prag Holešovice



Details

Ateliér Evropa

Ben ist 14 und seine Mutter ist gerade gestorben. Plötzlich, einfach so. Morgens wacht er auf, Sanitäter stehen in seinem Zimmer, aber es ist nichts zu machen. Jetzt muss er nicht nur mit seiner Trauer fertig werden, sondern auch mit der eigenartigen Trauer seines jüngeren Bruders, der Verschlossenheit und dem Schweigen seines Vaters. Das Buch wurde aus dem Deutschen von Kateřina Klabanová übersetzt und von Eva Horská illustriert. Herausgegeben vom Verlag Cesta domů.

Die deutsche Autorin Stefanie Höfler erzählt die eindringliche Geschichte des 14-jährigen Ben in Ich-Form. Sie spielt in der ersten Woche nach dem plötzlichen Tod von Bens Mutter, mit gelegentlichen Rückblenden in die Vergangenheit. Die Autorin beschreibt meisterhaft jede Figur, den Trauerprozess vom ersten Schock bis zur Versöhnung nach der Beerdigung. Sie zeigt, dass, wenn die Hilfe nicht von der trauernden Familie kommt, sie bei einem Freund gefunden werden kann, der einen ähnlichen Prozess durchgemacht hat. Die Übersetzungsdonnerstage sind eine beliebtes Literaturformat des Goethe-Instituts, bei der wir gemeinsam mit Übersetzern, Verlegern und interessanten Gästen über neu erschienene Übersetzungen deutscher Literatur diskutieren. Eine Folge haben wir speziell für die Buchmesse vorbereitet.

Moderation: Tereza Semotamová
Kateřina Klabanová, Übersetzerin


Stefanie Höfler - Die 1978 geborene Stefanie Höfler ist nicht nur erfolgreiche Jugendbuch-Autorin, sondern auch Lehrerin und Theaterpädagogin an einem Gymnasium im Schwarzwald. Ihre Romane sind vielfach von der Kritik gelobt und Grund ihrer zahlreichen Nominierungen und Preise im Genre der Jugendliteratur. Das mag an Höflers beliebter Schreibweise liegen, die Gefühle ohne Abmilderung in ihrer ganzen Komplexität darstellt. Schmerz, Angst und Einsamkeit erlebt der Leser genauso wie Hoffnung und Zusammenhalt. Der Autorin gelingt es so, Themen von Verlust, Pubertät und Ausgrenzung anzusprechen ihrer jungen Zielgruppe das Ausleben ihrer Gefühle, wie auch einen positiven Blick in die Zukunft und auf das Leben zu vermitteln. Laut eigenen Angaben im Gespräch mit Ute Wegmann 2017 zehrt sie dabei insbesondere von ihrem Beruf als Lehrkraft und dem damit verbundenen engen Kontakt zu Jugendlichen. Die unter anderem auch in Skandinavistik studierte Höfler sieht Astrid Lindgren als eine ihrer größten Inspirationsquellen, versucht ihre Schreibweise in den wesentlich realistischeren Büchern jedoch etwas humorvoller zu gestalten als die Lindgrens.

Tereza Semotamová studierte Dramaturgie und Szenaristik an der Janáček-Akademie für Musik und Darstellende Kunst sowie deutsche Sprache und Literatur and der Philosophischen Fakultät der Masark-Universität Brünn. Sie arbeitet als Redakteurin für das Portal jádu des Prager Goethe-Instituts. Weiterhin ist sie als Publizistin tätig, arbeitet für den Rundfunk und ist Hörspielautorin. 2018 erschien ihr erstes eigenes Prosawerk Ve skříni (dt.: Im Schrank). Sie übersetzt deutschsprachige Belletristik und Dramatik der Gegenwart (z.B. Marcus Braun, Michael Stavarič, Gregor Sander, Sibylle Berg, Marion Poschmann, Anja Hilling). Sie ist Ausschussmitglied im tschechischen Verband für Übersetzer Obec překladatelů.

Kateřina Klabanová studierte Übersetzungswissenschaft an der FFUK, widmet sich dem literarischen Übersetzen aus dem Englischen und Deutschen, redigiert und bewertet gelegentlich Beiträge junger Talente als Jury-Mitglied für den Jiří Levý-Wettbewerb. Sie leitete Kurse für literarische Übersetzungen für den tschechischen Übersetzerverband Obec překladatelů und war mehrere Jahre im Ausschuss des Verbands tätig, den sie auch im Rat der Europäischen Literaturübersetzerverbände vertrat. Sie hatte und hat das Glück, Autoren wie George Orwell, Martin Amis und Margaret Atwood zu übersetzen, begeistert sich aber auch für Kinderbücher oder heitere Poesie. Sie hat zwei Söhne und eine Schwäche für Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt.