Das Thema

Generationen

1968er, Millennials, Boomer oder Generation Z sind nur einige der Label, mit denen Wissenschaft und Medien bestimmte Geburtsjahrgänge gerne pauschal versehen. Doch was verbindet die Angehörigen der tief gespaltenen südafrikanischen Born Free Generation tatsächlich, was die Millionen Chines*innen der Generation der Kleinen Kaiser? Was versteht man in verschiedenen Weltregionen überhaupt unter dem Begriff der Generation? Welche Generationenkonflikte drohen in Gegenwart und Zukunft? Wie wirkt es sich auf die Demokratie aus, wenn die Bevölkerung eines Landes extrem jung oder besonders alt ist? Woran scheitern Generationswechsel in Familien, Unternehmen und Politik? Und welches Erbe hinterlassen wir zukünftigen Generationen?
In drei thematischen Schwerpunkten bringt das Kultursymposium Weimar 2021 die drängenden Generationenfragen unserer Zeit zur Sprache.

Konflikte & Kooperationen

WIE GESTALTEN JUNG UND ALT HEUTE RUND UM DEN GLOBUS IHR MITEINANDER?

Kooperationen und Konflikte zwischen den Generationen ©Goethe-Institut Als Bindeglied zwischen privater und öffentlicher Welt prägen Generationen allgegenwärtig unser Zusammenleben. Für ein diverses und gleichberechtigtes Miteinander wird gestritten – an Frühstückstischen und in Parlamenten, auf Twitter und auf den Straßen. Das Verhältnis der Generationen schwankt dabei zwischen Solidarität, Abgrenzung und lautstarkem Protest. Nicht immer herrscht Einigkeit darüber, wie ein gerechter Generationenvertrag auszusehen hat – auch weil vielerorts ein ungleiches Kräfteverhältnis herrscht. Die Älteren verfügen oft über größeren politischen Einfluss, Reichtum wird nur in wenigen Familien vererbt, die Anliegen der Jugend finden nicht immer Gehör und auch die Gleichberechtigung der Geschlechter ist noch lange nicht erreicht. Doch das Miteinander der Generationen bietet nicht nur Anlass zum Streit, sondern auch Chancen. Auf der ganzen Welt entstehen neue Ideen für eine generationengerechte Zukunft, entwickeln sich Kooperationen für gemeinsame Wohn-, Bildungs- und Lebensprojekte von Jung und Alt. Etablierte Unternehmen profitieren von den frischen Ideen der nachfolgenden Generation, Start-Ups lernen aus der Erfahrung traditionsreicher Familienunternehmen. Welche Konfliktlinien Generationen abbilden, wo sie sich von zugeschrieben Etiketten abwenden und wie sie gemeinsam füreinander einstehen, das alles muss immer wieder neu verhandelt werden.

Nachhaltigkeit & Zukunft

WIE SOLL DIE WELT VON MORGEN AUSSEHEN – UND WER BESTIMMT DIE REGELN? 

Generationen Nachhaltigkeit & Zukunft © Goethe-Institut Kaum eine Frage bewegt Jung und Alt derzeit so sehr wie der Umgang mit dem Klimawandel. Eine junge Generation treibt weltweit den politischen Protest für nachhaltige Änderungen voran. Gleichzeitig gestaltet in vielen Ländern eine ältere Politiker*innengeneration eine Zukunft, die sie selbst nicht mehr erleben wird. Gerade weil Entscheidungen der Vergangenheit uns das strahlende Erbe der Atomkraft hinterlassen haben, müssen wir heute reflektieren, welche langfristigen Konsequenzen die Technologien unserer Epoche in sich bergen. Auch die weitreichenden Folgen eines in vollem Gange befindlichen demographischen Wandels verändern das Verhältnis der Generationen. Während die Architektur der Zukunft neue Wege sucht, diesem Wandel Rechnung zu tragen, stehen Wirtschaft und Politik vor der Herausforderung, die widersprüchlichen Ziele von Nachhaltigkeit und Wachstum in Einklang zu bringen. Die Generationenfrage stellt sich auch im Zusammenhang mit der globalen Covid-19-Pandemie, die besonders die Gesundheit der Älteren bedroht, während ihre langfristigen wirtschaftlichen Folgen am härtesten die jüngeren Generationen treffen. Solche asymmetrischen Zusammenhänge werfen grundsätzliche Fragen von Verantwortung, Solidarität und Machtverteilung zwischen den Generationen auf.
 

Identität & Erinnerung

WAS PRÄGT UNS – UND WELCHE GESCHICHTEN WOLLEN WIR KOMMENDEN GENERATIONEN ERZÄHLEN? 

Generationen Identität & Erinnerung © CC BY 2.0. Wer wir sind, wo wir uns zugehörig fühlen und wie wir die Geschichten unseres Selbst schreiben – unsere Identitäten sind stets auch von der Vergangenheit geprägt. Der Blick zurück ist dabei mehr als eine bloße Rekapitulation. Er verweist auf die Narrative, die gehört werden und die Perspektiven, die um Sichtbarkeit kämpfen. Aktuelle Debatten um globale rechte Bewegungen sind nur ein Beispiel dafür, dass Traumata der Vergangenheit oft gar nicht vergangen sind, sondern generationenübergreifend ihre Wirkungsmacht entfalten. Mit dem Blick zurück ist immer auch die Frage verbunden, mit welchen Bildern der Vergangenheit gebrochen werden soll. Während junge Generationen ihre Vorstellungen von Liebe, Sex und Partnerschaft unter neuen Rahmenbedingungen aushandeln, bleiben überlieferte Bräuche und Traditionen weiterhin prägende Bestandteile unserer Gesellschaften. Glaube und tradierte Wertvorstellungen können Halt und Orientierung bieten – oder aber zum Bruch mit der eigenen Familie führen. Wenn Generationen gar nicht mehr miteinander ins Gespräch kommen, bestärkt dies Tendenzen der Individualisierung und Vereinsamung, von denen nicht nur Ältere in vielen Ländern betroffen sind. Im Spannungsfeld zwischen Gestern, Heute und Morgen stellt sich die Frage, was uns prägt und welche Geschichten wir zukünftigen Generationen erzählen wollen.