Die Erfindung des Teebeutels
Samt Verpackung ins kochende Wasser

Samt Verpackung ins kochende Wasser © Verena Hütter

Wie ein Fehler dazu führte, dass heute überall auf der Welt Teebeutel ins Wasser gehängt werden, erzählt Verena Hütter.

Verena Hütter

Die Tea Time? Ein Fehler. Ceylon, Orange Pekoe, Darjeeling, Jasmin – sie alle entfalten ihren Geschmack aus kleinen Beuteln heraus, die Österreicher*innen nennen sie Teesackerl. Und was steckt dahinter? Ein Fehler. Der US-amerikanische Teehändler Thomas Sullivan packte seine Teeproben, die er 1904 nach Europa schickte, in kleine Seidenbeutel, damit sie während der Fahrt über den Atlantik nicht durcheinandergerieten. Die Empfänger*innen hängten den Tee fälschlicherweise samt Verpackung ins kochende Wasser – und der Teebeutel war erfunden.

Bis er jedoch wurde, was er heute ist, sollten noch ein paar schöne Fehler passieren. Sullivan packte seinen Tee in Seidenbeutel – was recht gut funktionierte. Nun begannen gerissene Händler jedoch, die edlen Teekräuter mit billigem Heu zu strecken. Um das zu verhindern, klebte der Brite John Horniman seine Beutel mit Leim zu. Jetzt waren sie sicher verschlossen, aber der Tee schmeckte abscheulich nach Klebstoff. Recht bald trat das Unternehmen Teekanne aus Düsseldorf auf den Plan – heute Teebeutelweltmarktführer. Im Ersten Weltkrieg produzierte die Firma Teebeutel aus Mull, einem derart dichten Gewebe, dass kein Kraut der Welt seinen Geschmack ins heiße Wasser hätte entfalten können. Also tranken die Truppen heißes Wasser.

Apropos heißes Wasser: Falls sich jemand fragt, wer den Tee erfunden hat – das waren Asterix und Obelix. Vor dem Besuch der Gallier bei den Briten nämlich tranken diese ausschließlich heißes Wasser, ab und zu höchstens mit einem Tropfen Milch verfeinert. Erst als Asterix das Wasser mit ein paar Kräutern aufpeppte, kamen die Brit*innen auf den Geschmack. Und seitdem trinken sie Tee.

Den Teebeutel, wie wir ihn heute kennen, erfand schließlich Adolf Rambold, Mitarbeiter der Firma Teekanne, im Jahr 1929, kurz bevor sich herausstellte, dass ein Träger seines Vornamens der verheerendste Fehler überhaupt werden sollte. Adolf Rambold also erfand den Doppelkammerbeutel aus Pergamentpapier mit Heftklammerverschluss. Und eine Teebeutelpackmaschine erfand er obendrein.

Seitdem werden weltweit täglich unzählige Beutel ins Wasser gehängt – und manchmal an die Decke geschleudert. Rudi Dutschke pfefferte in den Sechzigerjahren seinen Teebeutel an die Decke der Kneipe „Wilhelm Hoeck 1892“ in Berlin Charlottenburg. Der Beutel klebt bis heute.  

Die Disziplin des Teebeutel-Vertikalwurfs erfreut sich als künstlerisches Ausdrucksmittel großer Beliebtheit. Auch in der Kunstakademie Karlsruhe klebten einige Beutel an der Decke. Ich selbst schleuderte als Studentin ein paar nach oben – kleben geblieben ist allerdings keiner.

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