22.–23. Januar 2026

Your Language Counts! – Konferenz

Universität Duisburg-Essen, Deutschland

Rückblick auf einen Meilenstein

Projectteam © Your language counts!

Die Veranstaltung brachte Fachleute aus den Bereichen Bildung, Kultur und Sprachenpolitik zusammen, um die Bedeutung der sprachlichen Vielfalt in den Klassenzimmern in Europa und den Wert der Herkunftssprachen in der heutigen Gesellschaft zu untersuchen.

Ein zentraler Punkt der Konferenz war die Präsentation der wichtigsten Ergebnisse des Projekts “Your Language Counts!”. Dazu gehören die Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt, die Road Map und die offizielle Veröffentlichung des Handbuchs zur Umsetzung des Herkunftssprachenunterrichts im Schulbereich in Europa. Alle Ergebnisse können unter "Materialien" eingesehen werden.  

Die Konferenz bot mit Hauptvorträgen, Expert*innenrunden und interaktiven Workshops eine dynamische Plattform für den Dialog, den Wissensaustausch und die berufliche Vernetzung.

Nachdem das Projekt „Your Language Counts!” nach zwei Jahren der gemeinsamen Zusammenarbeit und des Austauschs in ganz Europa nun seinem Ende entgegengeht, brachte unsere Abschlusskonferenz an der Universität Duisburg-Essen alle Projektbeteiligten mit Netwzerkpartnern und Bildungsakteuren aus mehreren Ländern zusammen und präsentierte die Projektergebnisse der Öffentlichkeit.

Der Verlauf der Konferenz spiegelte den Verlauf des Projekts wider: von der Reflexion über die Ergebnisse über den Dialog und fachlichen Austausch bis hin zur Vision für die Zukunft des Herkunftssprachunterrichts in mehrsprachigen Gesellschaften.

Eröffnung und Projektreflexionen

  Die Konferenz begann mit einer herzlichen Begrüßung durch unsere Gastgeber von der Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr. Tobias Schroedler, Prof. Dr. Birte Bös (Vizedekanin der Fakultät für Geisteswissenschaften), Prof. Dr. Stefan Rumann (Vizerektor für Studium, Lehre und Bildung) und Prof. Dr. Katja F. Cantone-Altıntaș (Lehrstuhl für Deutsch als Zweitsprache und Fremdsprache).

Es folgte eine umfassende Präsentation der Projektergebnisse. Jeder Arbeitspaketleiter unseres Projekts stellte ein Produkt vor.

Sabine Brachmann-Bosse, Projektleiterin am Goethe-Institut Schweden, begann mit einer Mentimeter-Umfrage, um das Publikum zu befragen, ob IHRE Sprachen zählen, und gab dann einen Einblick in die Hintergründe und die Vision, die sie mit der Initiierung dieses Projektes verfolgte. Simeon Oxley gab Einblicke in das Pilotmodell, an dem er mit der Universität Uppsala gearbeitet hatte und in dessen Umsetzung mit den HL-Lehrkräften. Danach fasste Tobias Schroedler die umfassenden Ergebnisse der Evaluation zusammen, die er mit seinen Kolleg*innen von der UDE während der Pilotphase durchgeführt hatte. Elisabeth Schmidt aus dem Managementteam stellte anschließend die Lehrerplattform und die HL-Materialien vor, die von den HL-Lehrkräften dieses Projekts erstellt worden waren. Es folgte Tatjana Atanasoska, die das "Your language counts!”-Handbuch vorstellte, und zum Abschluss präsentierte Karijn Helsloot die umfangreiche Roadmap für politische Entscheidungsträger*innen, die sie gemeinsam mit ihren Kolleginnen von Taal naar Keuze entwickelt hat.

Die Präsentation gab einen umfassenden Einblick in die entwickelten Tools, Erkenntnisse und Materialien.

Podiumsdiskussion: Die Zukunft des HSU

Die Podiumsdiskussion brachte Stimmen aus Forschung, Praxis und Politik zusammen. Das Gespräch befasste sich mit den Herausforderungen und Chancen für den HSU in Europa und ging dabei auf Themen wie Anerkennung, Unterstützung für Lehrkräfte und die Integration von HS in den regulären Unterricht ein.

Die Teilnehmenden waren Ahmad Alhamad (ISK Piter Jelles, Niederlande); Camilla Hollmén (Unit for Multilingualism (EFF), Uppsala Kommune, Schweden); Dr. Tanya Kaya (IfSM, Germany); Larissa Aksinovits, (OAO, Finnland); Jeff MacSwan (University of Maryland, USA).
Tie Podiumsdiskussion wurde von Elisabeth Schmidt (Goethe-Institut, Schweden) moderiert.
(Details zu den Teilnehmenden)

Zu Beginn der Podiumsdiskussion wurden alle Teilnehmenden nach ihrer eigenen Muttersprache und ihre Beziehung zu dieser gefragt. Des Weiteren wurden sie gefragt, was es bedeutet in einem Land oder einer Gesellschaft zu leben, in der die eigene Sprache kaum eine Rolle spielt.

Eines der Zitate des HS-Lehrers Ahmad Alhamad fasst die marginalisierte Position von HL in der Praxis zusammen: „Ich habe diesen Traum, dass ich eines Tages aufwache und meinen Unterricht im normalen Stundenplan sehe.“ Und nicht auf einen Freitagnachmittag verschoben wird, privat organisiert, wie es bei vielen ´Herkunfts-Sprachkursen in den Niederlanden der Fall ist.

In der zweiten Hälfte der Diskussion hatte das Publikum die Möglichkeit, Fragen zu stellen und sich mit den Podiumsteilnehmer*innen über ihre Erfahrungen und Arbeitskontexte auszutauschen.
Der Austausch war lebhaft und zukunftsorientiert und spiegelte die Vielfalt der Perspektiven im Raum wider.

Es wurde deutlich, dass die Ergebnisse des Projekts weit über sein formelles Ende hinauswirken – sie tragen zu einer anhaltenden Debatte über Mehrsprachigkeit und Bildungsgerechtigkeit in Europa und darüber hinaus bei.

World Café: Austausch über Grenzen und Disziplinen hinweg

Der Nachmittag verlief in einem interaktiveren Format. Das World Café schuf einen offenen, informellen Raum, in dem die Teilnehmer zwischen den Tischen wechseln, Poster und Projektmaterialien erkunden und spontane Gespräche führen konnten.

Diese Umgebung förderte den länderübergreifenden Dialog und führte zu neuen Kontakten. Erfahrungen aus verschiedenen Bildungskontexten, Forschungsergebnisse und praktische Ansätze für HLE wurden frei ausgetauscht. Die Atmosphäre war energiegeladen und kooperativ – ein Beweis dafür, wie viel Kreativität und Engagement in der HLE-Gemeinschaft steckt.

Keynote: Heritage Language Education im Fokus

Keynote von Anne Reach Warren © Your language counts!

Der zweite Tag begann mit einer inspirierenden Keynote "Language, Knowledge, Identity and Interculturality in Heritage Language Education: Developing knowledge about and practices within Heritage Language in a European context” von Anne Reath Warren von der Universität Uppsala. Sie begann ihren Vortrag mit einer überzeugenden Eröffnungsrede:
"Jede Herkunftssprache ist einzigartig. Und obwohl wir Mehrsprachigkeit in Europa unterstützen, sind Herkunftssprachen enorm untererforscht.”
Ihr Vortrag bot einen eindrucksvollen Rahmen für die Heritage Language Education:
  • HLE ist auf individueller, familiärer und gesellschaftlicher Ebene wertvoll.
  • Stärkere Verbindungen zwischen HLE und der allgemeinen Bildung kommen den Lernenden und den Gemeinschaften zugute.
  • Kritische Perspektiven auf Wissen, Sprache, Identität und Interkulturalität können Lehrkräfte und Schulleiter stärken.
Eine weitere Erkenntnis war, dass Herkunftssprachen zu den am wenigsten erforschten Sprachen gehören, aber ein enormes Potenzial bieten.

Ihre Keynote verband Forschung und Praxis und bereitete den Boden für eine vertiefte Auseinandersetzung in den folgenden Workshops.

Workshops: Praxis, Forschung und Innovation

Anschließend nahmen die Teilnehmer an parallelen Workshops teil, die ein breites Spektrum an Themen abdeckten und die Vielfalt des HSU in Europa widerspiegelten. Die Sitzungen boten einen praktischen Austausch und praktische Einblicke, darunter:
Strategien zur Einbindung der Familie in den HSU
  • Visuelle Interpretation beim Erlernen der türkischen Sprache
  • Integration von HS durch KI
  • HSU in den Niederlanden und der Fall Fryslân
  • Unterricht in Somali durch Geschichten und mündliche Überlieferungen
  • Rahmenbedingungen für den Unterricht der Familiensprache in Finnland
  • Organisation des HSU in Uppsala
  • Persische Sprache und Kultur auf verschiedenen Kontinenten
  • Kreativer Sprachgebrauch durch Kunst
  • Lehrerausbildung und Professionalisierung
Diese Workshops zeigten, wie Forschung, Kreativität und gesellschaftliches Engagement im HLE zusammenwirken. Sie hoben auch die innovativen Ansätze hervor, die in verschiedenen Ländern und Sprachgemeinschaften entstehen.

Abschließende Überlegungen und Ausblick

Die Konferenz endete mit würdigen Schlussworten, die den Kreis der beiden Tage – und des gesamten Projekts – schlossen. Die Teilnehmer*innen reflektierten über die gemeinsame Reise, die gewonnenen Erkenntnisse und die aufgebauten Beziehungen. Obwohl das Projekt offiziell beendet ist, wurde in den Diskussionen deutlich, dass die Arbeit weitergeht: in Klassenzimmern, in Gemeinden und in laufenden Kooperationen in ganz Europa.