In Bayreuth auf den Spuren von Wagner, Liszt und Jean Paul

Bayreuth ist weltweit vor allem als Richard-Wagner-Stadt bekannt. Die Pianistin Maria Saulich arbeitet an der Gestaltung des Veranstaltungsprogramms zum Wagner-Jubiläum 2013 mit – und erzählt, was an der bayerischen Stadt reizvoll ist.
Frau Saulich, der Humorist Vicco von Bülow alias Loriot hat in einem Interview auf die Frage: „Was ist für Sie das vollkommene Glück?“ „Bayreuth (Ankunft)“ geantwortet. Warum kann man – Ihrer Meinung nach – in Bayreuth glücklich sein?
Ganz so weit wie Loriot bin ich mit meinen Ansichten noch nicht gelangt. Für denjenigen, der es gerne überschaubar, grün und kulturgeschichtlich interessant hat, ist Bayreuth mit Sicherheit ein reizvoller Ort.
Bayreuth ist im Ausland vor allem für die hier jährlich stattfindenden Richard-Wagner-Festspiele auf dem Grünen Hügel bekannt. Wofür würden Sie – auch von weit her – nach Bayreuth reisen?
Ich lebe seit knapp zwei Jahren in Bayreuth. Selbstverständlich führe ich meinen Besuch zunächst zum Festspielhaus. Haus Wahnfried, das Markgräfliche Opernhaus – das Barocktheater ist seit 2012 UNESCO-Weltkulturerbe –, das Neue Schloss, das Steingraeber-Haus oder auch die Eremitage sind jedoch alles weitere Sehenswürdigkeiten, für die sich ein Bayreuth-Besuch lohnt.
Welches Gebäude beeindruckt Sie persönlich am meisten?
Ganz klar: das Festspielhaus. Die vielseitige Geschichte, die der komplette Grüne Hügel auf seinen Schultern trägt, ist einfach nur spannend. Und sie wird spürbar, wenn man auf ihm spazieren geht.
Wo halten Sie sich in der Stadt am liebsten auf?
Ich schlendere am liebsten durch die Friedrichstraße, durch die kleinen Gässchen rund ums Historische Museum und durch den Hofgarten.
Hat Bayreuth auch für Kinder etwas zu bieten?
Nachdem ich selbst (noch) keine Kinder habe, kann ich nur aus meinem Tätigkeitsbereich berichten, der viel mit jungen Menschen zu tun hat. Die Städtische Musikschule bietet beispielsweise ein vielseitiges Angebot für musikinteressierte Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Im Rahmen meiner Stelle als Assistentin des Kulturbeauftragten für Musik und Theater steht das Programm Junges Publikum Wagner 2013 im Zentrum meines Aufgabenbereichs. Das jubiläumsbegleitende Programm richtet sich an Schüler und Studenten und beabsichtigt mittels entsprechender Bildungsveranstaltungen jungen Menschen einen Zugang zu Wagner zu ermöglichen und sie nachhaltig für Kultur zu begeistern.
In Bayreuth hat auch der Romantiker Jean Paul gelebt und geschrieben. Wo findet man die romantischen Ecken Bayreuths?
Sehr romantisch finde ich die kleine Brücke im Hofgarten. Weitere romantische Ecken gibt es mit Sicherheit. Hier bin ich jedoch noch am Erkunden …
Der Komponist und Pianist Franz Liszt ist in Bayreuth gestorben. Sein Sterbehaus ist heute ein Museum. Bedeutet das für Sie als Pianistin etwas Besonderes?
Selbstverständlich! Das kleine Museum hat eine ganz außergewöhnliche Atmosphäre und ich bin gerne dort. Ich liebe es, antike Bücher und Bilder zu betrachten, Originalhandschriften zu entziffern und Erstschriften von bekannten sowie weniger bekannten Klavierstücken zu studieren. So ist mir beispielsweise im Bayreuther Liszt-Museum der Schluss der zweiten Legende ins Auge gefallen. In meiner gedruckten Fassung zu Hause ist dieser anders notiert als jener in der im Museum ausgestellten Originalhandschrift. Sehr interessant!
Im Steingraeber-Haus gibt es im Rokokosaal den Original-Lisztflügel, auf dem des Öfteren auch Konzerte stattfinden. Neulich habe ich selbst eines darauf gegeben. Der Flügel lässt sich leicht spielen und hat mich klanglich positiv überrascht. Zu wissen, dass Liszt höchstpersönlich auf diesem Instrument gespielt hat, ist natürlich verrückt.
Wo geht oder fährt man hin, wenn man es gern etwas grüner hat?
Die Fränkische Schweiz und das Fichtelgebirge befinden sich quasi direkt vor der Haustür und bieten wunderbare Ziele für Wandertouren und kleinere Tagesausflüge.
Bereits im 18. Jahrhundert wurde in Bayreuth zum ersten Mal eine Universität gegründet. Allerdings war die Bevölkerung seinerzeit damit nicht ganz einverstanden. Nach schweren Ausschreitungen wurde die Uni nach Erlangen verlegt. Sind die heutigen Bayreuther auch besonders kritisch?
Mittlerweile hat sich die Bayreuther Universität glücklicherweise fest etabliert. Was mir immer wieder, insbesondere in Anbetracht der Besucherzahlen von Konzerten auffällt, ist, dass nur wenige Bayreuther Neues wagen. Ganz nach dem Motto: „Das kenne ich nicht, da gehe ich auch nicht hin.“ So sind Konzerte, bei denen keine bekannten Festspielstars auftreten, oft unverständlich schlecht besucht. Hier würde ich mir mehr Offenheit wünschen.
Welche kulinarische Spezialität können Sie empfehlen?
Ich liebe die fränkische, deftige Küche und kann mich hier nur schwer auf ein Gericht festlegen. Schäuferla, blaue Zipfel, Leberknödelsuppe oder einfach nur eine typische fränkische Brotzeit … Ich esse alles gerne.
stellte die Fragen. Sie arbeitet als freie Publizistin in Bonn.
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Februar 2013
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