Die Romantische Straße
Fürs Auge und Gemüt
Die älteste und wohl bekannteste Ferienstraße Deutschlands führt von Würzburg über Rothenburg ob der Tauber nach Füssen – vorbei an Fachwerkdörfern, Fuggerhäusern, Wallfahrtskirchen und Traumschlössern, die in wechselnden Kulissen von Weinbergen, Auwäldern und den Alpen eingerahmt sind.
Als "romantisch" bezeichnet man landläufig all das, was das Gemüt anzusprechen vermag, was Sehnsüchte weckt und zu Herzen geht – farbenprächtige Sonnenuntergänge, ruhige Abendstimmungen, verwunschene Wälder, sanfte Musik, betörende Liebesbriefe. Aber Straßen?
In Deutschland nennt sich eine Route, die auf 366 Kilometern Länge von Würzburg nach Füssen führt, "romantisch". Und das mit gutem Grund.
Eine Straße als Touristenattraktion
Die "Romantische Straße" ist die älteste deutsche Ferienstraße. Sie wurde 1950 in Augsburg gegründet. Damals verfolgte man mit der Gründung der Straße das Ziel, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wieder Touristen nach Deutschland zu locken.
Die "Romantische Straße" sollte helfen, Deutschland als Urlaubsziel wieder attraktiv zu machen. Sie warb für ein gastfreundliches Urlaubsland, in dem es jede Menge geschichtsträchtige Bau- und Kunstdenkmäler zu bestaunen gibt. "Wir wollen euch eine Straße weisen, die hinausführt aus dem Alltag zur Freude, zum Schauen und Erleben des ewig Schönen." So lautete der Slogan, mit dem sich die Straße in den 1950er Jahren präsentierte.
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Romantische Straße |
Fachwerkgassen und Mauerringe
All diese Routen nehmen Würzburg als ihren Ausgangspunkt. Als architektonisches Highlight der Universitätsstadt, die von Weinbergen umgeben ist, gilt die fürstbischöfliche Residenz – ein barockes Prunkschloss von Balthasar Neumann, das zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.Von dort führt die Romantische Straße durch das malerische Taubertal zu einem der wohl bekanntesten Touristenziele Deutschlands: Rothenburg ob der Tauber mit seiner mittelalterlichen Altstadt, mit Stadtmauer, zahlreichen Türmen und Toren, mit seinem prächtigen Rathaus am Marktplatz und den pittoresken Fachwerkhäusern.
Und so geht es weiter: Aufgereiht wie auf einer Perlenkette folgen zwischen wildromantischen Flusstälern gut erhaltene Altstädte, die von mittelalterlichen Wehranlagen geschützt sind. Ein weiteres Beispiel ist die ehemalige Reichsstadt Dinkelsbühl, die im Zentrum der Romantischen Straße liegt und durch ihre prächtigen Patrizierbauten und eine spätgotische Hallenkirche besticht.
Patrizierhäuser und Puppenstuben
Doch nicht nur Freunde des Mittelalters und seiner Architektur kommen auf der Romantischen Straße auf ihre Kosten. In Donauwörth und Augsburg kann man sich neben prachtvollen Stadtpalästen der Fugger, neben beeindruckenden Renaissance- und Barock-Fassaden, die von der wirtschaftlichen Blüte der Region im 15. und 16. Jahrhundert zeugen, auch an Puppengesichtern erfreuen.
In Donauwörth können kleine und große Fans über 150 Puppen und Schaufensterfiguren aus der Werkstatt der berühmten Puppenmutter Käthe Kruse bestaunen; das Museum ist einem ehemaligen Kapuzinerkloster untergebracht. Und in der über 2000 Jahre alten Stadt Augsburg widmet sich ein Museum der legendären Augsburger Puppenkiste, dem berühmtesten deutschen Marionetten-Theater.
Traumschlösser und falsches Mittelalter
Nachdem man in Steingaden die Wallfahrtskirche "Zum gegeißelten Heiland auf der Wies", die als Zeugnis des Bayerischen Rokoko zum Weltkulturerbe gehört, besichtigt hat, steht der südlichste Zipfel der Romantischen Straße ganz im Zeichen des weltlichen Prunks.Schwangau, das kurz vor Füssen liegt, gilt als Dorf der Traumschlösser. Umgeben von vier Seen und dem Naturschutzgebiet Ammergebirge recken sich hier die Türme der Königsschlösser Hohenschwangau und Neuschwanstein in die Höhe.
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Beide Schlösser wurden im 19. Jahrhundert erbaut, ahmen aber mittelalterliche Baustile nach. Kronprinz Maximilian ließ Schloss Hohenschwangau im neugotischen Tudorstil errichten. Ludwig II. ließ Schloss Neuschwanstein nach dem Vorbild der Wartburg bauen – und dank Walt Disney ist es als das Märchenschloss schlechthin in die Annalen eingegangen. Spätestens jetzt wird jedenfalls klar, dass auch auf der beliebsteten Ferienstraße Deutschlands Romantik und Kitsch zuweilen nah beieinander liegen können.
arbeitet als freie Publizistin in Bonn
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August 2007















