Retrospektiven

DER MANN, DEN SEIN GEWISSEN TRIEB

© Paramount Pictures
Ernst Lubitsch gilt als Meister der Filmkomödie. Seine ernsten Filme sind weniger bekannt, obwohl gerade diese ihm besonders wichtig waren. So auch THE MAN I KILLED, ein ganz ungewöhnlicher und weithin vergessener Beitrag zur Bewältigung des Krieges. Der Film beginnt mit den Feiern zum Jahrestag des Kriegsendes in Frankreich. Zwischen die Aufnahmen von Paraden und einem Gedenkgottesdienst mischen sich Bilder aus dem Krieg und von Kriegsversehrten aus einem Sanatorium. In der Kirche bleibt nach der Zeremonie ein Mann zurück, der sich in der Beichte dem Priester gegenüber beschuldigt, weil er im Nahkampf im Krieg einen deutschen Soldaten erschoss hat. Da er keine Ruhe finden kann, reist er nach Deutschland und sucht die Eltern des Getöteten auf. Konsequent stellt der Film die Frage nach der Verantwortung des einzelnen und schildert Gewissensnöte, über die in Kriegsdarstellungen üblicherweise hinweggegangen wird. Dementsprechend war Lubitschs Film auch kein Erfolg beschieden, obwohl er kurz nach der Premiere umbenannt wurde in den melodramatischer und versöhnlicher klingenden Titel BROKEN LULLABY.

„With his first dramatic talking picture, THE MAN I KILLED, Ernst Lubitsch, German director, explains the so-called technique which enables him with apparent facility from comedy to drama, musical to non-musical, without causing the subject matter, i.e., the production, to suffer. ‚One of the first questions I am invariably asked is to enumerate the rules which govern the making of a successful picture. And I am at a loss for a reply. I discard rules in making pictures. Rules are for scientists. They are obstacles in the process of picture production. … In the making of THE MAN I KILLED, which is my first dramatic story to appear on the screen since the talkies, I was presented with a difficult problem. My characters were people who might be found in any provincial German town. Yet they held in their hearts and minds a hatred which was sweeping all of Europe. They held, too, in their hearts and minds a quality of love which is only known to those of us who have lived and suffered deeply.“
(New York Evening Post, 23.1.1932)

Autor: Stefan Drößler
Direktor des Filmmuseums München
www.muenchner-stadtmuseum.de

    RETROSPEKTIVEN: Zurück zur Übersicht >>

    Filmdaten

    Erstaufführung:
    19. Januar 1932

    Regie: Ernst Lubitsch
    Drehbuch: Samson Raphaelson, Ernest Vajda, nach dem Theaterstück  von Maurice Rostand (1925)
    Kamera: Victor Milner
    Musik: W. Franke Harling

    Darsteller:
    Lionel Barrymore (Dr. H. Hoderlin), Nancy Carroll (Fräulein Else), Phillips Holmes (Paul Renard), Louise Carter (Frau Holderlin), Lucien Littlefield (Walter Schultz), Tom Douglas (Walter Holderlin), ZaSu Pitts (Anna)

    Produktion: Paramount Pictures
    Format: 35mm, Normalformat 1:1,19, Schwarzweiß
    Länge: 76 Minuten

    DVD: Bach Films (Untertitel französisch)

    35mm: UCLA Film and Television Archive (ohne Untertitel)