Umwelt in Deutschland – Panorama

30 Jahre Blauer Engel, drei Jahrzehnte Umweltsiegel

Betonmischer mit Umweltzeichen `Blauer Engel´; Cop: picture-alliance / Helga Lade Fotoagentur GmbHJubiläumslogo `30 Jahre Blauer Engel´; Copyright: UmweltbundesamtAus Deutschland kommen drei blaue Engel, die weltberühmt wurden: den ersten schuf Heinrich Mann 1905 in seinem Roman Professor Unrat, den zweiten spielte Marlene Dietrich in der Verfilmung des Mann-Romans mit dem Titel Der blaue Engel, der dritte ist 30 Jahre alt und der bravste von allen.

Ein himmlisches Zeichen für den Umweltschutz

Eine Frau steht mit ausgebreiteten Armen in einem Kreis, geschützt von einem Kranz aus Zweigen. Sie ist der Blaue Engel und das älteste sowie weltweit erste Umweltzeichen. Ob der Blätterkranz vom Olivenbaum oder Lorbeerstrauch stammt, kann an dieser Stelle nicht geklärt werden. Laut UNO, an deren Logo sich der Blaue Engel anlehnt, handelt es sich um Olivenbaumgrün, das Symbol für Frieden. Laut Blauer Engel um die kaiserlichen Lorbeeren. Wie auch immer, der damalige Bundesinnenminister Hans Dietrich Genscher fasste es 1972 so auf: "Das Symbol – der Mensch in einer angestrebten daseinswürdigen Umwelt – erscheint besonders geeignet, die Hauptaufgabe der Umweltpolitik, nämlich die Erhaltung und Gestaltung einer menschenwürdigen Umwelt aufzuzeigen."

Sein Ministerium schuf 1978 mit den Umweltministern des Bundes und der Länder den Engel als markttaugliches Instrument der Umweltpolitik. Seither können Unternehmen auf freiwilliger Basis ihre Produkte und Dienstleistungen auf ihre ökologische Qualität prüfen lassen. Der Anreiz, dies zu tun, war und ist die Auszeichnung selbst. Denn sie hebt ausschließlich die positiven Eigenschaften eines Angebotes hervor und ist somit eine ausgezeichnete Werbung. "Heute ist der Blaue Engel zu einer Marke geworden und steht für konkretes Engagement im Umweltschutz", sagt Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamtes. "Mit dem Blauen Engel können Unternehmen konkret ihre soziale Verantwortung für Mensch und Umwelt dokumentieren und für ihre Positionierung auf dem Markt nutzen. Produkte mit dem Blauen Engel schonen nicht nur die Gesundheit und die Umwelt, sie sind auch wirtschaftlich erfolgreich", ist er überzeugt. Die Verbraucher Initiative gibt ihm Recht: "Fast 80 Prozent der Verbraucher kennen den Blauen Engel, etwa 40 Prozent der Befragten achten bei ihrem Einkauf auf das Umweltzeichen."

Wer hat den Blauen Engel, wofür und von wem?

Umweltfreundliche Spray-Dose; Copyright: picture-alliance / dpaArmbanduhren, Computer, Kettensägen, Matratzen, Schulhefte, Zahnbürsten - über 10.000 Produkte aus über 80 Produktgruppen schmücken sich mit dem himmlischen Zeichen. Dafür müssen sie nachweisen, dass sie besonders wenige Schadstoffe enthalten, mit einem hohen Anteil Recyclingmaterial hergestellt wurden, sie müssen den sparsamen Einsatz von Rohstoffen und Energie bei Herstellung und Gebrauch ebenso wie eine lange Lebensdauer und einen geringen Aufwand bei der Entsorgung garantieren. Wenn ihre Emissionswerte zudem niedrig sind, zeichnet sie das RAL Deutsche Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung mit dem Blauen Engel aus. Die Vergabe erfolgt zusammen mit dem Umweltbundesamt und dem Bundesland, in dem der Hersteller oder Anbieter des Produktes oder der Dienstleistung seinen Sitz hat.

Das Umweltbundesamt ist für die technische Seite des Engels verantwortlich. Seine Experten entwickeln die Kriterien und prüfen mit Fachleuten aus Industrie und Verbraucherorganisationen wie praktikabel die Anforderungen an Hersteller und Produkte sind. Dieser Kriterienkatalog wird anschließend von einer unabhängigen Jury Umweltzeichen diskutiert und beschlossen. Die Vertreter der Jury, berufen vom Bundesumweltminister, arbeiten ehrenamtlich und stammen aus Umwelt- und Verbraucherverbänden, Gewerkschaften, Industrie, Handel, Handwerk, Kommunen, Wissenschaft, Medien, Kirchen und Bundesländern.

Engel auf Erden – ein Beispiel

Unter deutschen Dächern stehen rund 38 Millionen PC. Für ihre Herstellung, Betrieb und Entsorgung werden nur ein Drittel weniger Rohstoffe verbraucht als für einen Mercedes 190, rechnen die Experten vom Blauen Engel vor. Das ist zu viel, meinen sie, und stellen folgende Anforderungen an Fabrikanten wie Fabrikate: Computer, die den Umweltengel wollen, müssen über Energiesparfunktionen verfügen, sodass sie im Leerlauf nur halb so viel Energie verbrauchen wie herkömmliche Geräte. Bei ihrer Fertigung sollen umwelt- und gesundheitsschädliche Schwermetalle wie Blei und Cadmium sowie halogenhaltige Flammschutzmittel weitestgehend vermieden werden. Sie müssen leise laufen und so konstruiert sein, dass sie sich leicht recyceln lassen. Die Bildschirme dürfen nur wenig Strahlung abgeben, sodass sie die strengen schwedischen Standards TCO ‘99 und TCO ’03 erfüllen. Und: Die Reparatur des Gerätes muss auch fünf Jahre nach Einstellung des Fabrikats sichergestellt sein.

Für die Zukunft

Betonmischer mit Umweltzeichen `Blauer Engel´; Cop: picture-alliance / Helga Lade Fotoagentur GmbHDer Blaue Engel war Vorreiter für viele Umweltzeichen. Er diente der "Europäischen Blume" der EU, dem "Nordischen Schwan" der skandinavischen Länder als Vorbild und will fortan auch beim Klimaschutz helfen: "Die Verwendung von Recyclingmaterialien, der energieeffiziente Betrieb von Geräten und die direkte Vermeidung von klimaschädlichen Emissionen bei der Nutzung werden geprüft. Auch die Berücksichtigung von Qualität und Lebensdauer machen Produkte mit dem Blauen Engel klimafreundlicher als vergleichbare Erzeugnisse", ist Georg Abel, Bundesgeschäftsführer der Verbraucher Initiative, überzeugt. Und so planen die Verantwortlichen neue Umweltzeichen für Beleuchtung, Haushaltsgeräte und Heimelektronik sowie Ökostrom und Akkus, von denen nur die Allerbesten ausgezeichnet und zum Standard erklärt werden, dem sich andere Anbieter anpassen müssen. Das Umweltzeichen kann somit dazu beitragen, die Treibhausemissionen bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren, rechnet der Verbraucherschützer Abel vor. Allerdings müssen dafür Politik, Handel, Hersteller und Verbraucher dieselben Ziele anstreben und weiter dem Blauen Engel vertrauen, der eigentlich auch grün sein könnte. Wie die Blätter des Olivenbaumes. Oder des Lorbeerstrauches?
Christine Sommer-Guist
Journalistin und Autorin mit den Schwerpunkten Umwelt und Soziales

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Mai 2008

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