George Osodi

Oil Rich Niger Delta

Wenn „Öl tatsächlich zur Ware wird”, dann spielt sich „ein unglaubliches, visuelles Drama ab”, sagt der nigerianische Associated Press-Fotograf und Künstler George Osodi. Dieses Drama vermittelt jedes seiner Fotos. Trotz der schwierigen Umstände im Nigerdelta konnte Osodi mit seinem digitalen Equipment ästhetisch beeindruckende Bilder aufnehmen, die in keiner Weise die Lebensbedingungen verharmlosen, sondern unaufgeregt die Dringlichkeit der lokalen Situation abbilden. Insgesamt 200 Digitalfotografien umfasst die Serie Oil Rich Niger Delta. 60 Motive hat das Goethe-Institut für seine Website ausgesucht.

Gesicht des Deltas. George Osodi, Oil Rich Niger Delta © George Osodi c/o Z Photographic ltd.Zu Osodis Repertoire gehören klassische Fotomotive: Porträtbilder mit Vorder- und Hintergrunddramaturgie, formal komponierte Close-ups und rhythmisch strukturierte Stillleben – mit dem Unterschied, dass es keine Studiobilder sind, sondern Aufnahmen der Männer, Frauen und Kinder, die vor der Kulisse der Ölindustrie ihren Alltag leben. So richtet Osodi seine Kamera auf einfache Boote, die eng nebeneinander an der Sumpfböschung liegen und zeigt so ganz nebenbei die Schönheit der Natur, auf gut bewaffnete und getarnte Kämpfer der MEND (Bewegung für die Emanzipation des Nigerdeltas), deren Patronengürtel und harte Kleidungsoberflächen Muster und Strukturen bilden, oder auf Frauen, die verschmutztes Wasser in bunte Plastikschüsseln schöpfen. Zwischen den Porträtierten und den Profiteuren gibt es keine Berührungspunkte, es ist ein „duales System”. In Osodis Bildern gibt es keinen Zweifel daran, wer die Verursacher und welches die Ursachen sind. Der anthropogene Klimawandel wird unmissverständlich festgehalten.Mehr ...
Ein junger Mann bei einer Protestkundgebung am Isaac-Adaka-Boro-Tag, in Gedenken an den verstorbenen Aktivisten, der sich für Minderheitenrechte im Nigerdelta einsetzte. Kalama, Nigeria, 2005. Aus der Ausstellung Letzte Ölung Nigerdelta am Staatlichen Museum für Völkerkunde, München, 16.11.2012 - 15.9.2013. Foto: George Osodi © Goethe-Institut

Real Energy World
Die dunkle Seite des Normalbetriebs

Wenn man hierzulande von Erdöl spricht, erhitzen sich die Gemüter meist am Anstieg der Ölpreise. Die Produktionsbedingungen interessieren in der Regel nicht, und auch die Medien richten ihren Blick nur ungern auf das Desaster, das die Ölproduktion in einigen der Förderländer verursacht. Nach Afrika schaut man nicht gerne, schon gar nicht, wenn wir von der Katastrophe profitieren. Von Eva UrsprungMehr ...

Biografie

© George Esiri
George Osodi (*1974 in Lagos/ Nigeria) lebt als freier Fotograf in London und Lagos. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen im Fotojournalismus und in der künstlerischen Fotodokumen-tation. Im Laufe seiner Tätigkeit für lokale wie internationale Medien 1999–2008 waren seine Bilder u. a. in der New York Times, dem Time Magazine oder dem Spiegel zu sehen. 2004 wurde er zum Fuji African Photojournalist of the year gekürt. George Osodis Werke, die sich oft in kritischer Weise mit seiner nigerianischen Heimat beschäftigen, waren bereits in zahlreichen Einzel- und Sammelausstellungen zu sehen, u. a. in Intemperies (Sao Paulo 2009) oder auf der documenta 12 (Kassel 2007).