Leben

Ribisel, Kren, Powidltatschkerl und falsches Deutsch

Foto (Ausschnitt): List_84 (liste1), CC BY 2.0Foto (Ausschnitt): List_84 (liste1), CC BY 2.0
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Es gibt eine Sache, mit der ich sowohl bei Deutschen als auch bei Tschechen für Belustigung, Erstaunen aber gleichzeitig auch verwirrte Blicke sorge: mit meiner Sprache. Mein oberösterreichischer Dialekt und meine österreichische Ausdrucksweise sind, egal wohin ich komme, immer Thema.

Wenn ich nämlich anfange, etwa von den Wiener Kaffeehäusern und den Lieblingsnachspeisen vieler Österreicher zu reden, wenn ich also von Buchteln, Palatschinken oder (Topfen-, und Powidl-)Kolatschen schwärme, lässt das viele Deutsche (meist) ratlos zurück. Für Tschechen, auch wenn sie nicht sehr gut Deutsch können, ist es hingegen eindeutig, dass es sich um buchty (Dampfnudeln), palačinky (Pfannkuchen) oder koláče (Plundergebäck mit Quark- bzw. Pflaumenmusfüllung) handelt.

Nicht nur diese Beispiele zeigen, wie ähnlich sich das österreichische Deutsch und das Tschechische sind. Vor allem Getränke- und Speisebezeichnungen ähneln sich in diesen zwei Sprachen mehr als im deutschen und österreichischen Deutsch. Viele Wörter werden nicht nur ähnlich geschrieben, sondern auch ähnlich ausgesprochen. Diesen sprachlichen Einfluss im „Küchenvokabular“ haben die Österreicher vielen böhmischen Köchinnen und Dienstmädchen zu verdanken. Im 19. Jahrhundert arbeiteten sie hauptsächlich für die großbürgerliche Wiener Gesellschaft, ihr Einfluss auf die „typisch“ österreichische Küche ist unumstritten.

Das ist aber noch nicht alles. Zwischen all den Deutschen und Germanistikstudierenden bin ich also eine sprachliche Exotin. Abgesehen von manchen Wörtern verstehen mich die meisten Tschechen nicht, auch die Deutschen haben zu kämpfen. Während hier in Prag alle mit mir Umgangssprache bzw. Prager Dialekt sprechen, muss ich mich sprachlich anpassen.

Woran es liegt? Natürlich daran, dass ich „falsches“ Deutsch spreche. Das führt soweit, dass ein „germanophiler“ Tscheche meine Aussprache verbessert: „Man sagt zwanzich, nicht zwanzik“. Eine Freundin aus Norddeutschland fragt irritiert, was denn ein Stoffsackerl und ein Mistkübel sei (für meine deutschen Leser hier: Stoffbeutel und Mülleimer). Und so manch Anderer will wissen, ob ich es schaffe, einen grammatikalisch richtigen Satz zu formulieren.

Und ich? Ich bezeichne mich scherzhaft als mehrsprachig (Dialekt, österreichisches und deutsches Deutsch). Und ich werde nicht müde zu betonen, dass Marillen, Mistkübel und Phrasen „Ich bin gesessen“ oder „Ich bin gestanden“ sehr wohl auch richtiges Deutsch sein können. In Österreich.

Ich habe mittlerweile einige dieser “österreichisch-tschechischen“ Wörter aufgeschrieben und erweitere dieses kleine Wörterbuch ständig – wer weitere Wörter kennt, soll mir bitte schreiben.

Österreichisch Tschechisch Deutsch
Audio SymbolKren
Audio Symbolkřen Audio SymbolMeerrettich
Audio SymbolFeschak Audio Symbolfešák Audio SymbolHübscher Mann
Audio SymbolRibisel Audio Symbolrybíz Audio SymbolJohannisbeeren
Audio SymbolKolatsche Audio Symbolkoláč Audio SymbolKuchen
Audio SymbolPowidl Audio Symbolpovidla Audio SymbolPflaumenmus
Audio SymbolKukuruz Audio Symbolkukuřice Audio SymbolMais
Audio SymbolBaba Audio Symbolpapa Audio SymbolTschüss
Audio SymbolPalatschinken Audio Symbolpalačinky Audio SymbolPfannkuchen
Audio SymbolBuchteln Audio Symbolbuchty Audio SymbolOfennudeln
Audio SymbolMatura Audio Symbolmaturita Audio SymbolAbitur
Audio SymbolPfrnak Audio Symbolfrňák Audio Symbolgroße, spitze Nase
Audio SymbolSekkieren Audio Symbolsekýrovat Audio Symbolquälen
Audio SymbolKredenz Audio Symbolkredenc Audio SymbolAnrichte
Audio SymbolTschechern Audio Symbolčechrovat Audio SymbolSaufen

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P.S. Habt ihr Fragen, Anregungen oder sonstige Bemerkungen zu meinem Blog? Schreibt mir! magdalena.schluckhuber (at) gmail.com



Magdas Erasmus-Blog #5
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Magdas Erasmus-Blog #7
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Copyright: jádu / Goethe-Institut Prag
März 2014

    Magdas Erasmus-Blog

    Magdalena ist gebürtige Oberösterreicherin. Sie lebt seit 2008 in Wien und hat dort Journalismus studiert. Derzeit ist sie im Rahmen ihres Bohemistik-Studiums in Prag und schreibt regelmäßig über ihre Eindrücke.

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