Willkommen im Mekka der Punks

Willkommen im Mekka der Punks

Westberlin kannte keine Sperrstunde. Und unter den Reisenden, die nachts die Bars bevölkerten, hielten sich in den Siebzigern des letzten Jahrhunderts einige weltberühmte Popstars auf. David Bowie und Iggy Pop etwa wohnten eine Zeit lang zusammen in einer Schöneberger Wohnung. Beide nahmen Alben im Hansa-Studio auf, nur einige Hundert Meter von der Mauer entfernt. Der Titelsong von David Bowies Album „Heroes“, das 1979 erschien, erzählte von einem Liebespaar im Schatten der Mauer:

„Though nothing / Will keep us together / We could steal time / Just for one day / We can be Heroes / For ever and ever.“

Schon die Sex Pistols hatten die Berliner Mauer in ihrem surrealistischen Song „Holidays in the Sun“ besungen. Für die Romantiker des Punk war Berlin Gegenbild einer grauen Zivilisation, der nur das Individuelle und Idiosynkratische Paroli bieten konnten. In Berlin konnte man „die Zeit stehlen“, wie es bei Bowie hieß, und Held sein, „für einen Tag“.
Eines der schönsten Stücke aus Bowies Berliner Phase ist eine Hommage an Warschau. „Warszawa“ ist ein erhebendes, so melancholisches wie schönes Stück. Eine männliche Stimme ist zu hören, die einige Zeilen in einer Fantasiesprache singt. Die Melodieführung erinnert an mittelalterliche Kirchenmusik. Warschau war damals eine nächtliche Zugfahrt von Berlin entfernt. Osteuropa war den Menschen aus dem Westen ein dunkler Kontinent geworden, dem man in Westberlin zumindest nahe zu sein glaubte. Berlin war eine Stadt, die aus Raum und Zeit gefallen war. Eine Zwischenwelt, eine Zone des Übergangs.