Mode ohne Grenzen – der Designnachwuchs muss besonders mobil sein

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Auslandserfahrung ist mittlerweile in fast allen Berufen von Vorteil. In der Mode gilt das verstärkt, denn diese ist global und verlangt viel Gespür für andere Kulturen. Gerade für junge Designer und Designerinnen sind Stationen in verschiedenen Ländern sehr wichtig. Auch der vom Goethe-Institut initiierte Wettbewerb createurope: THE FASHION DESIGN AWARD trägt zur internationalen Vernetzung bei. Die junge litauische Modedesignerin Agnė Kuzmickaitė hat schon in vielen Länden gearbeitet. Das Jahr 2009 verbrachte sie vor allem in Berlin, als Gewinnerin des Modewettbewerbs createurope: THE FASHION DESIGN AWARD. Minimalistisch, intelligent und leicht ins Tragbare übersetzbar waren die sandfarbenen Kleider mit den kastenförmigen Konturen, die Agnė Kuzmickaitė beim Finale des Wettbewerbs in Berlin zeigte. „Ich hatte das Gefühl, meine Kollektion shopoholic hat Potenzial und könnte auch außerhalb Litauens gut ankommen“, erzählt die Modedesignerin, die 1981 in Vilnius geboren wurde. Und ihr Gefühl hatte sie nicht getrogen: Für shopoholic, der Kleidung gewordenen Reflexion über das Verhältnis von starren zu dynamischen Oberflächen, von der Einkaufstasche aus steifem Papier zu den weichen Stoffen der Kleider, die darin verpackt werden, bekam sie im Oktober 2008 den Hauptpreis als beste Nachwuchsdesignerin. Erweiterung der kreativen Möglichkeiten
Um außerhalb des eigenen Landes zu zeigen, was man kann, und innerhalb des eigenen Landes noch bekannter zu werden, ist für junge Designer die Teilnahme an internationalen Wettbewerben wie dem createurope: THE FASHION DESIGN AWARD äußerst wichtig. Der Preis wird vom Goethe-Institut zusammen mit verschiedenen Partnern verliehen, das nächste Mal am 23. Oktober 2009, und hat die Förderung junger Designer auf internationaler Ebene zum Ziel. „Man muss seine Kreationen so international wie möglich präsentieren“, sagt auch Agnė Kuzmickaitė. „Der Preis hat mir in meiner Heimat viel Aufmerksamkeit gebracht.“ Zum Gewinn gehörte, dass sie ein Jahr lang eine Wohnung in Berlin gestellt bekommt. „Auslandserfahrung ist sehr wichtig, dadurch werden das Denken und die kreativen Möglichkeiten stark erweitert“, findet sie. |
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Die zierliche und zielstrebige Litauerin hat Modedesign an der renommierten Vilnius Academy of Fine Arts studiert, und schon während des Studiums erlebt, wie wichtig der Blick über die Landesgrenzen hinaus ist. Ihre Hochschule hat ein Austauschprogramm mit der Utrecht School of the Arts in den Niederlanden. „Dort wird sehr konzeptionell gearbeitet und ich habe eine ganz neue Arbeitsweise kennengelernt“, erzählt sie.
Inspiration Berlin
Der reflektierte Ansatz liegt Agnė Kuzmickaitė, hinter ihren Kollektionen stehen starke Konzepte. Insofern hat ihr der Aufenthalt in Utrecht einen enormen Schub gebracht. Und auch in Berlin hat sie schon einiges gelernt. Zum createurope-Preis gehört auch ein Coaching, dabei hat sie beispielsweise erfahren, wie man eine eigene Modeschau konzeptioniert. Sehr inspirierend findet sie die Berliner Kunstszene. Und die Modeszene sei sehr viel größer als in ihrer Heimatstadt, sagt sie, und sie schaue sich gern in den Geschäften um. Außerdem haben in Berlin viele junge Designer eigene Labels, und Agnė Kuzmickaitė überlegt gerade, auch eine eigene Marke zu gründen. Bislang kann man ihre Arbeiten – nach shopoholic kam die Kollektion co-dependency, wechselseitige Abhängigkeit, bei der man das fehlende Teil eines Kleidungsstücks an einem anderen Kleidungsstück wiederfindet – nur auf Anfrage erwerben. |
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Gespür für andere Kulturen
Im Ausland Erfahrungen zu sammeln ist extrem wichtig für junge Modedesigner, denn Internationalität gehört zum Arbeitsalltag. Die klassischen Modestädte wie Paris oder London sollte man als junger Designer kennen. Frischen Wind findet man in Litauen oder Moldawien. Ganz Mutige trauen sich bis nach China. Viele Länder und Sprachen gehören mittlerweile in jeden Lebenslauf. Die Modeschule Esmod Berlin beispielsweise hat Schüler aus 14 Ländern, darunter Irak, China und Indonesien. Zwei Fremdsprachen sind Pflicht, auch Mandarin kann man dort lernen. Viele der letztjährigen Finalisten des createurope: THE FASHION DESIGN AWARD haben nicht in dem Land studiert, in dem sie geboren wurden. Das gilt auch für die deutschen Teilnehmer. Cem Cako beispielsweise kommt aus der Nähe von Stuttgart und hat sich für ein Modestudium im belgischen Antwerpen entschieden. Danach war der 28-Jährige Assistent bei Helmut Lang in New York, hat in Los Angeles und am Wiener Burgtheater gearbeitet, zweimal Preise beim Mittelmoda Award Italy gewonnen. „Um den Geist unserer Zeit in Mode zu interpretieren, ist es erforderlich, mit wichtigen Kulturen und Denkweisen vertraut zu sein“, sagt Cem Cako. „Meine internationalen Stationen haben intensiv dazu beigetragen, meine Designidentität zu erkennen und auszubauen.“ Im Juli 2010 will er erstmals sein eigenes Label präsentieren – in Paris. Mode-Globetrotter
Lisa Uhlenbrock, 27, createurope-Gewinnerin in der Kategorie „Best Student Award“, wurde in Nigeria geboren und hat im niederländischen Arnhem sowie in London am Royal College of Arts studiert. Auch Tarané Hoock, 30, hat beeindruckende Auslandserfahrungen vorzuweisen. Ihre aktuelle Kollektion hat sie in Kopenhagen vorgestellt, davor am Marokko Fashion Festival FestiMode teilgenommen und in den vergangenen Jahren in Antwerpen, Mailand und Paris gearbeitet. Und ihr Architekturstudium, das sie vor der Modeschule absolvierte, hatte sie bereits mehrmals nach Japan geführt.Auch Agnė Kuzmickaitė hat kurze Zeit Architektur studiert, bevor sie mit dem Modestudium begann. Freunde und Familie hatten sie überzeugen wollen, dass Häuserbauen ein soliderer Beruf sei als das Modemachen. Doch das funktionierte nicht. „Ich wollte schon als Kind in der Modebranche arbeiten“, erzählt Agnė Kuzmickaitė. Dass ihre Entscheidung richtig war, zeigen nicht nur die verschiedenen Preise, die sie schon gewonnen hat. Sie arbeitet auch schon seit vielen Jahren als Kostümbildner für den litauischen Theaterregisseur Oskaras Koršunovas. Er wird häufig von verschiedenen Theatern als Gastregisseur eingeladen, was Agnė Kuzmickaitė bereits an viele Orte geführt hat, zuletzt nach Oslo. Im Sommer 2009 hat Koršunovas dort im Norwegischen Nationaltheater Maxim Gorkis Drama Nachtasyl auf die Bühne gebracht – mit den Kostümen von Agnė Kuzmickaitė. Mit der Theaterarbeit finanziert sie ihre eigenen Kollektionen. Gerne würde sie mit einer eigenen Schau an der nächsten Mercedes-Benz Fashion Week teilnehmen, die im Januar 2010 in Berlin stattfindet. Das wäre für sie der richtige nächste Schritt in ihrer Karriere, aber noch ist es nur ein Plan, für den sie Unterstützung sucht. Sie hat übrigens kürzlich selbst die noch in den Anfängen steckende Karriere eines jungen Berliner Designers unterstützt – und ihm auf dem Flohmarkt am Mauerpark eine ziemlich ausgefallene Jacke in Orange, Blau und Silber abgekauft. Stefanie Dörre
ist Redakteurin beim Berliner Stadtmagazin „tip“. Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion Oktober 2009 Haben Sie noch Fragen zu diesem Artikel? Schreiben Sie uns! online-redaktion@goethe.de |
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