Richard Wagner in Rumänien
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Richard Wagner |
In seinen Werken kann man die Spuren der Umsiedlung, das Trauma der Diktatur und eine existenzielle Ruhelosigkeit erkennen. Auch den fremden Blick, den kritischen Geist mit dem er die Realitäten von West und Ost, von Gegenwart und Vergangenheit betrachtet. Rodica Binder hat Richard Wagner erzählen lassen, wie sein Leben und Werk von dem Hin und Her zwischen den Kulturen geprägt ist:
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Es ist aber so, dass es ein anderes Verhältnis ist als das zu den Orten in Rumänien. Die Orte, an denen man aufgewachsen ist, wo man die Kindheit verbracht hat, da hat man ein anderes Verhältnis dazu. Man spürt da, riecht und fühlt was anderes als in den Orten, in denen man später „zu hause“ ist.
Das heißt, wenn es regnet und der Regen einen Geruch hat, so ist es der Geruch des Regens aus dem Dorf im Banat, in meiner Kindheit. Aber auch, wenn das damit nichts zu tun hat, in meinem Kopf mache ich die Assoziation da und nicht mit etwas von hier.
Rastlosigkeit
Richard Wagners Erinnerungen sind vom Hin und Her zwischen den Kulturen geprägt. Freilich ist die Emigration in den meisten Fällen eine Reise ohne Wiederkehr. Wagner hat dies in zwei Essay-Bänden thematisiert: Der deutsche Horizont und Sonderweg Rumänien. Dazu kommen noch die Überquerung des Atlantik und Aufenthalte in den USA. All das hinterlässt Spuren, die man auch in seinem jüngsten Roman Habseligkeiten wieder findet. Darin beschreibt Richard Wagner die Rastlosigkeit von einem, der sich auf den Weg gemacht hat ohne Ruhe zu finden.
Worum es mir in den Habseligkeiten ging, war die Ruhelosigkeit zu beschreiben, von Mensche, die ausgewandert sind und die auf der Suche nach irgend etwas sind, was sie selber nicht so genau beschreiben können. Irgendetwas haben sie gesucht, was sie nicht hatten oder was sie glaubten nicht zu haben …Und solche Leute werden nie zur Ruhe kommen, das habe ich festgestellt.
Erfahrungen aus der Heimat
Zu den "Habseligkeiten" - dem wenigen Besitz eines Ausgewanderten - gehört auch das geistige Gepäck, das einer bei sich hat. Und so ergibt sich die Frage, was Richard Wagner aus Rumänien nach Deutschland mitgebracht hat:
Ja, ich habe bestimmte Voraussetzungen mentaler Natur mitgebracht aus meinem Erleben und meinen Erkenntnissen, die mit Rumänien zu tun haben und mit dem Banat. Und zwar vieles, was ich auch aus der rumänischen Kultur erfahren und gelernt habe, soweit sie nicht provinziell ist – und da gibt es viel, was über die Provinz hinaus geht, da habe ich sehr viel gelernt von rumänischen Autoren. Solange ich in Rumänien gelebt habe, war mir das gar nicht so bewusst, weil das so eine Banalisierung durch das Alltägliche erlebt hatte und durch die Selbstverständlichkeit, mit der man damit umgehen konnte. Aber das ist mir hier erst so bewusst geworden in meinen Unterschieden im Urteil, in intellektuellen Debatten, die hier stattfinden.“
… Debatten, die teilweise auch in dem Buch Der deutsche Horizont zu finden sind. Allein die Titel seiner Bücher lassen die Reisewege des Autors erkennen: Ausreiseantrag, Begrüßungsgeld, Der Himmel von New York im Museum von Amsterdam, Miss Bukarest oder Reise in das Innere des Balkans. Einige seiner Reiseziele hat er inzwischen sehr lieb gewonnen, darunter auch Italien.
Erhaltung der Urbanität
In Italien habe ich ein ganzes Jahr verbracht am Anfang der 90-ger Jahre in Rom. Da war ich in der Villa Massimo, was für deutsche Schriftsteller eine geläufige Angelegenheit ist, und das war für mich damals eine Ergänzung, eine Erfahrung des „Westeuropäischen“ für mich. Auf der anderen Seite war meine Erfahrung mit Italien eine ganz andere als die meiner westdeutschen Kollegen, die meistens diese Italien-Fantasien reproduzierten, die seit Goethe so im Umlauf sind. Für mich war das ganz anders, weil ich manches von diesem „Süden“ Europas wieder erkannte. Das hatte auch mit der Sprache zu tun und zum anderen auch mit dem Zugang zur Mentalität; ich war nicht naiv in Italien, da ich eben aus Rumänien gekommen bin.
Wenn Richard Wagner seine zukünftigen Reiseziele ins Auge fassen müsste, dann wären es Gebiete, die ihm durch ihr geschichtliches Schicksal vertraut sind, Regionen, von denen er sich angezogen fühlt durch die eigenen literarischen, kulturellen und Lebenserfahrungen:
Was ich machen möchte, ist wieder nach Ostmitteleuropa zu reisen, und dahin möchte ich in Abständen reisen, weil ich mir die Entwicklung ansehen will, so wie ich zum Beispiel nach Bukarest ab und zu fahre, um zu sehen wie sich die Stadt entwickelt, seit dem sie frei ist. Das interessiert mich auch an anderen Städten … aber es interessieren mich vor allem die Städte und die Urbanität, weil ich meine, dass der zentrale Begriff für die europäische Kultur die Urbanität ist und dass man seit dem Mittelalter diese Entwicklung der heutigen Stadt, der europäischen beobachten kann. Die Erhaltung dieser Urbanität ist der zentrale Schlüssel für die Zukunft Europas.
Die Hörfunkfassung lief im Programm der Deutschen Welle
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Januar 2007









