Als wir träumten

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2006, 524 Seiten
Bei Meyer fällt die historische Wende mit einer lebensgeschichtlichen zusammen. Damit fasst er die Überlagerung von zwei dramatischen Übergängen ins Auge: den Wechsel von der DDR-Kindheit in die BRD-Jugend und zugleich das Hinüberstolpern aus dem Kiez pubertären Aufruhrs in die Regionen der Strafmündigkeit. Für die Jungs ist klar, wo sie herkommen, doch für kurze Zeit scheint völlig offen, wo es hingeht. Vor kurzem waren sie noch junge Pioniere, straff geführt und gehalten vom Regiment der Schule und der sozialistischen Erziehung. Dennoch hatte die soziale Kontrolle ihre weichen Kanten und ließ Raum für die Abenteuer der Kindheit unter dem Schirm des gesellschaftlichen Auftrags: Genosse sein heißt Kämpfer sein. Nachdem die Vergatterung zum Genossen weggefallen war, blieben die Kämpfer übrig, desorientiert in einer Landschaft mit verwischten Konturen. Verwandelt von DDR-Pionieren zu BRD-Halbstarken, wurden sie zu Kämpfern in eigener Sache, Kämpfer ums Erwachsenwerden, ums Revier, um das Reinkommen in die Gesellschaft.
Clemens Meyer – Biografie
Eberhard Falcke: „Auf hartem Boden“
© Die Zeit, 09.03.2006













