Die Kosmonauten

Kiepenheuer & Witsch, Köln 2003, 383 Seiten
Thema ist der Epochenbruch von 1989, und die Chance, die dieser einem jungen Leben bot: Die emphatische Parallelaktion von Weltgeschichte und persönlicher Biographie, in der das eigene Leben weitere und offenere Horizonte und Bedeutungen gewinnt, indem es sich mit der Offenheit der Zeitgeschichte verbindet. Der Roman beginnt im alten Westen, im Herzen der rheinischen Republik. In Köln setzt sich Georg neben eine Unbekannte in der Tram und spricht diese, sie heißt Rosalie, an. Beide sind von einander entzückt, beide auch wollen ein blödes altes Leben gegen eine neue Version eintauschen, und so geben sie ihren alten Partnern den Laufpass, schmeißen ihre Jobs und ziehen in den Wilden Osten. Es ist Mitte, wo sie in einem heruntergekommenen Haus einziehen – aber der Name taucht nicht auf, denn noch ist Berlin Mitte namenlos und nicht ikonologisch überhöht. „Rosalie blickte aus dem Fenster und fuhr sich durchs Haar. Sie dachte: Es passiert etwas mit dieser Stadt. Es passiert etwas mit uns.“ So wie der Mauerfall die Nation neu erfand, so soll die Liebe das Leben von Georg und Rosalie neu erschaffen.
Richard David Precht – Biografie
Ijoma Mangold: „Es passiert etwas mit diesem Haar“
© Süddeutsche Zeitung, 17.03.2003













