Multilingualism & Identity

Result of the Live Chat with Prof Dr Hans-Jürgen Krumm

Prof Krumm; Copyright: Prof KrummHow can I, as a teacher of German with many years of teaching practice, change/improve my methods? How can I motivate people to learn German/to chose German as a foreign language? Prof Krumm had been answering questions like these during the third live chat within the context of The Power of Language on 29 March 2007. Read the results here!

Prof Krumm has been a professor for German as a Foreign Language at the Institute for German Literature and Language of the University of Vienna since 1993. From 1975 to 1993, he was professor for Research into Language Teaching at the University of Hamburg. He has had visiting professorships and research residencies at the universities of Bandung and Jakarta in Indonesia, Gothenburg in Sweden and Amsterdam in the Netherlands. Prof Krumm was Chairman of the “Language” committee of the Goethe-Institut till 2005 and has since been Vice-chairman. In addition, he is a member of the Board of Trustees of the Austrian German Diploma and a member of the Jury of the European Seal of Approval for innovative foreign language projects in Austria.
Prof Krumm’s main fields of research are: linguistic and didactic grammar, regional studies and intercultural communication, multilinguality, language and integration/immigration, manners of teaching and the analysis of tuition, as well as the politics of language.

Prof Krumm has been co-editor of the publications Fremdsprache Deutsch (i.e. German as a foreign language) since it was first issued in 1989, Jahrbuch Deutsch als Fremdsprache (the ‘German as a foreign language’ yearbook) since it was first issued in 1975 and Theorie und Praxis. Österreichische Beiträge zu Deutsch als Fremdsprache (i.e. Theory and practice. Austrian contributions to German as a foreign language) since it was first issued in 1997. One of his most recent publications, published together with colleagues, is entitled Bildungsstandards für den Fremdsprachenunterricht auf dem Prüfstand (i.e. Testing educational standards for foreign language teaching), G. Narr publishing house, Tübingen 2005.

Read here the results of the live chat (only in German):

Moderator: Herzlich willkommen zum Live-Chat mit Prof Krumm!
Prof.Dr.Krumm: Danke, ich freue mich auf Ihre Fragen!

s_hauser: Wie kann man DaF z.B. im östlichen Europa "verkaufen", wenn auch immer mehr deutsche und österreichische Firmen intern auf Englisch kommunizieren?

Prof.Dr.Krumm: Bei vielen Firmen wächst die Einsicht, dass Mehrsprachigkeit besser ist als "nur Englisch" - außerdem lässt sich durchaus damit argumentieren, dass Firmenkontakte über die firmeninterne Kommunikation hinausgehen, es also gut ist, etwas über die Hintergründe zu wissen (Landeskunde, Deutsch als Zugang zum deutschsprachigen Raum)

KarinLima: Wie sollte man in solchen Fällen vorgehen? Wir arbeiten in der Grundstufe mit dem Lehrwerk Tangram und dort gibt es oft für die jeweilige Stufe recht schwere Lesetexte, deren Leseverständnis-Aufgaben aber lösbar sind – nach dem Motto: es gibt keine zu schwierigen Texte, sondern nur zu schwierige Aufgaben. Ich versuche also, den Lernern klarzumachen, dass sie nicht das Wörterbuch benutzen sollen und das ist ein schwieriger Kampf. Direkt danach wird aber mit komplizierten Sätzen aus dem Text ein neues Grammatikphänomen eingeführt und damit diese Sätze als Beispiel fungieren können, muss ich sie doch viel detaillierter verstehen. Ich finde, das ist ein großes Dilemma.

Prof.Dr.Krumm: In der Tat, die Vermittlung von Lesestrategien ist wichtig, um zu zeigen, dass man auch in "schwierigen" Texten die Botschaft erkennen kann. Zusätzlich bietet aber auch das Internet Hilfen, indem ich dort oft Texte finde, die gut visualisiert sind. Detailverstehen sollte in keinem Fall das erste Lernziel sein.

Foto: Claudia Hautumm Copyright: PixelQuelle.debklema: Guten Abend! Mein Name ist Klema Barbara, ich melde mich aus Japan, wo ich Deutsch unterrichte. Ich möchte gerne über die Einsetzbarkeit des Referenzrahmens in Japan bzw. Asien sprechen. Ich denke, einerseits bietet der ER eine Chance, die Ziele des Sprachunterrichts zu überdenken, andererseits besteht im Sinne der Standardisierung ein gewisser Zwang von nicht-europäischen Ländern, ihren Sprachunterricht an den ER anzupassen. Wie sehen Sie diese Auswirkung/Dominanz des für Europa konzipierten ER auf andere Länder?

Prof.Dr.Krumm: Ich bin ganz Ihrer Meinung: der Referenzrahmen hilft, mehr als bisher das SprachKÖNNEN der Lernenden ins Zentrum zu stellen. Aber es ist ein europäisches Dokument, sehr stark auf europäische (mündliche) Kommunikation zugeschnitten. Für Japan wäre eine 'japanische Version' (z.B. mit sehr viel mehr Details zum Textverstehen) wichtig.

Sarah_Glasgow: Herr Krumm, was halten Sie vom Einsatz audiovisueller Medien bei der Vermittlung von Fremdsprachen?

Prof.Dr.Krumm: Wir leben in einer Zeit, die für die meisten Menschen von Fernsehen/DVD und Internet mitbestimmt ist - Sprachunterricht kann damit nicht dominieren, sollte aber unbedingt die Möglichkeiten nutzen, sehr stark mit visuellen/audiovisuellen Impulsen zu arbeiten. Das macht das Lernen auch spannend, denn über Audiovisuelles entdecke ich schneller auch die 'neue Welt' der deutschsprachigen Länder (z.B. das 'Magazin' des Lehrwerks "Dimensionen" macht das sehr schön) - DVDs und Videos können da eine ebenso große Hilfe sein wie Internet-Portale.

Tanpopo_J.: Wie kann ich in Spli-Level-Groups alle Teilnehmer gleichermaßen ansprechen und wie motiviere ich weniger engagierte Teilnehmer zum Mitmachen bzw. zum Arbeiten zu Hause?

Prof.Dr.Krumm: Heterogenität der Lerngruppen ist in vielen Facetten eine Herausforderung: "innere Differenzierung" lässt sich erreichen, indem Lernende an Projekten arbeiten, in die jede/r seine oder ihre spezifischen Fähigkeiten einbringen kann. Zum Mitmachen motivieren Aufgaben, die auf ein vorzeigbares 'Produkt' hinauslaufen - in der Freinet-Pädagogik war das die Klassenzeitung, heute sind das vielleicht eher Homepages, Dokumentationen. Lernende, die so etwas in kleineren Gruppen erarbeiten, schaffen es sehr oft, die wenig Aktiven mitzunehmen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Nichtmitmachen oft auch auf Unterforderung beruht. Das heißt, Lernenden ruhig (auch als Hausaufgabe) herausfordernde Aufgaben stellen.

Moderator: Wir haben jetzt hier zwei Fragen zu einem ähnlichen Thema. Vielleicht lassen die sich auch zusammen beantworten.
Singapore_Huew: Guten Abend, wie kann ich als Deutschlehrer das Internet in der Klasse benutzen? Wir haben gute und schnelle Computer in Singapore - meine Schüler sind 14 Jahre.
s_hauser: Inwieweit gibt es wirklich empirisch begründete Erfahrungen zum Einsatz von e-learning im Sprachunterricht? Steht der technischen und konzeptuelle Aufwand in einem brauchbaren Verhältnis zum Erfolg?

Prof.Dr.Krumm: Ich beginne mit der zweiten Frage: Aufwand und Erfolg lassen sich im Sprachunterricht nur sehr begrenzt messen. Wenn die technischen Möglichkeiten gegeben sind, eröffnet sich Lernenden mit dem Internet der Zugang zur Welt der Zielsprache in einer Form, die Unterricht anders gar nicht herstellen kann. Wie klingt Deutsch, wie sehen die Deutschsprachigen aus, womit beschäftigen sie sich?
Recherchen sind ein guter Einstieg: Lernende etwas herausfinden lassen (selbst wenn sie dabei gelegentlich eine englischsprachige Seite benutzen)- Beziehungen zwischen Heimatland und Deutschland, das Innere einer Schulklasse etc. Die eigene Lebenswelt im Internet mit der in Europa spiegeln.

detlev: Was sind Ihre Hauptargumente, wenn Sie Werbung für DaF machen?

Prof.Dr.Krumm: 1. Argument: Ohne Deutsch versteht man Europa nicht. Deutsch ist eine europäische Sprache, auch noch die mit den meisten Muttersprachlern innerhalb der EU.
Zweites Argument: Deutsch ist eine "Kultursprache", die vielen Aspekten dessen zu Grunde liegt, die auch heute aktuell sind.
3. Argument: Deutsch ist eine Sprache, mit der man auch in Politik und Wirtschaft (nicht in Konkurrenz zu, sondern in Ergänzung zu Englisch) vielfach handeln kann - konkrete Beziehungen zum jeweiligen Land herausfinden.
4. Argument: Deutsch ist gar nicht so schwer, wer schon Englisch kann, kann relativ leicht Deutsch lernen.

talisman: Sehr geehrter Herr Prof. Krumm, ich habe manchmal den Eindruck, dass die Deutschen und die Österreicher, was ihre Sprache anbelangt, nicht unbedingt immer derselben Auffassung sind. Wo kommt das her? Sollte man nicht gemeinsam für eine Förderung der deutschen Sprache, zum Beispiel in der EU eintreten? Vielen Dank.

Prof.Dr.Krumm: Deutschland und Österreich: Dass Österreich nicht mit Deutschland verwechselt werden will, ist vielleicht verständlich - Österreicher haben ihre eigene Identität und Geschichte. Aber in der Tat, es ist eine Chance für Deutsch, dass es in mehreren Ländern gesprochen wird. Eine Zusammenarbeit im Bereich der Sprachenpolitik würden wir uns mehr wünschen, als zur Zeit existiert. Es gibt immerhin erste Gespräche und ja schon eine DACH-Zusammenarbeit.

Moderator: Hier noch ein Kommentar zum Thema ER vom Beginn des Chats.
bklema: Ich sehe eine Gefahr darin, dass der Einsatz des ER aufgrund der von Europa ausgehenden Standardisierung sich in nicht-europäischen Ländern auf das Prüfen beschränken könnte.
Prof.Dr.Krumm: Ich bin mit Ihnen auch für Europa der Meinung, dass der Referenzrahmen zu sehr auf Prüfungen hin gelesen und umgesetzt wird und damit Vieles, was sich nicht prüfen lässt, aber gerade zum Sprachenlernen motiviert, wegfällt: interkulturelle, kreative und literarische Seiten der Sprache zum Beispiel. Der Referenzrahmen ist ein europäisches Projekt, vor allem im Hinblick auf "kommunikative Nützlichkeit" der Sprache. Das sollte also relativiert werden.

Ombretta: Ich lehre Deutsch in Italien, wo laut meinen Anfängern die deutsche Sprache als "hart" und "schwierig" wirkt. und viele meinen, dass sie nie Deutsch sprechen werden. Was könnte man darauf antworten? Vielen Dank.

Prof.Dr.Krumm: Wissenschaftlich ist nicht zu beweisen, dass Deutsch schwerer ist als andere Sprachen. Vielleicht liegt es manchmal am Unterricht, dass wir Deutsch "schwer" machen.

s_hauser: Anschließend an e-learning: Welche Einsatzmöglichkeiten unter dem Schlagwort "Web 2.0" sehen Sie?
Moderator: Analog zur ersten Frage von s_hauser fragt KarinLima:
KarinLima: Ich hatte den Eindruck, dass bei der vorherigen Frage von s-hauser zum e-learning nicht (nur?) der Gebrauch des Internet fürs Lernen gemeint war, sondern z.B. so etwas, wie der Multimediakurs redaktion-D des Goethe-Instituts, wo die Lerner größtenteils oder ganz allein lernen. Dazu würde ich gerne Ihre Meinung hören.

Prof.Dr.Krumm: Für das Web 2.0 sehe ich zunächst einmal eher Möglichkeiten im Fortgeschrittenen-Bereich: Sprachenportfolios z.B. könnten dazu führen, dass sich Lernende mit gemeinsamen Interessen im Netz treffen und verabreden. An die Stelle der Freinet-schen Klassenzeitung könnten gemeinsame Online-Produktionen entstehen. Ich gestehe aber, dass ich noch keine eigene Erfahrung damit habe (die Lernplattformen für meine Lehrveranstaltungen versuche ich allerdings auch schon in diese Richtung zu gestalten). Zunächst denke ich bei E-Learning eher an "Blended Learning" (Kombinationen).

Singapore_Huey: Das Internet bietet viel Originaltexte und "Live-Tasks". Aber auch viel Ablenkung. Manchmal klicken meine Schüler nur. Sie sind motiviert, aber ich denke, sie lernen wenig.

Prof.Dr.Krumm: Meiner Erachtens muss das geübt werden, gezielt zu suchen. Ich würde daher am Anfang immer Portale angeben, die die Lernenden auf zum Thema passende Links leiten und nicht ganz unstrukturiert suchen lassen. Auch könnte man spielerische Wettkämpfe veranstalten: "Wer findet zuerst ...?" Damit nicht das sinnlose Herumklicken eingeübt wird.

Südafrika: Sehr geehrter Herr Prof Krumm, Ich bin Deutschlerner seit Februar letztes Jahr, und wenn ich anderen Leuten sage, dass ich Deutsch gewählt habe, sind sie oft sehr überrascht, dass ich Deutsch statt Französisch oder Spanisch lerne. Sind Sie einverstanden, dass Deutsch ein bisschen unpraktisch im Ausland gesehen ist?

Prof.Dr.Krumm: Zu Unrecht glauben manche Menschen, dass Deutsch keine interessante und nützliche Sprache ist. Schon die Zahlen sagen etwas anderes: Wirtschaftlich gehört der deutsche Sprachraum zu den stärksten 4-6 Sprachräumen der Welt, politisch ist Deutsch in Europa und darüber hinaus eine relativ starke Sprache. Zeigen Sie Ihren Kolleginnen und Kollegen doch einfach, wie viele Wörter es in Ihrer Sprache gibt, die mit dem Deutschen verwandt sind ...

detlev: Apropos DACH: Was sagen Sie zu diesen Formulierungen im Leitbild der IDT 2009?: „Die deutsche Sprache und Kultur bewegen mehr als 2000 Sprach- und Kulturmittler/innen sowie Deutschlehrende aus aller Welt .... und möchten alle, die die deutsche Sprache und Kultur bewegt, herzlich nach Jena einladen.“
Prof.Dr.Krumm: So, wie das zitieren, klingt das sehr holperig - außerdem muss da natürlich stehen, dass es um Sprache und Kultur der deutschsprachigen Länder geht. Ich nehme Ihre Meldung zum Anlass, mir das genau anzuschauen und die Kollegen in Jena zu bitten, das eventuell zu ändern. Vielen Dank.

Grammatiki_Rizou: Guten Abend, Herr Prof. Krumm. Ich möchte Sie fragen, wie man als DeutschlehrerIn, die Motivation der eigenen Lerner messen könnte. Reicht es, wenn man sie darüber fragt?

Prof.Dr.Krumm: Eine Ja-Nein-Frage hilft sicher nicht: aber bitten Sie Ihre Lernenden doch einmal aufzuschreiben, was ihnen an der deutschen Sprache gefällt und was nicht; was sie gern tun würden, wenn sie jetzt eine Reise nach Deutschland oder Österreich machen könnten? Und natürlich können Sie eine Hitliste der beliebtesten Sprachen aufstellen. Sprachenportfolios bieten eine gute Möglichkeit, den Lernenden ihre Motive und Einstellungen bewusst zu machen.
Die Erfahrung zeigt, dass man viel über die Motivation der Lernenden herausfindet und diese steigt, sobald sie selbständige Projekte entwickeln (und dabei oft mehr Zeit mit Deutsch verbringen, als vorgeschrieben ist).

Singapore_Huey: In der Einführung lese ich: "Wie kann ich als Deutschlehrende(r) mit langjähriger Unterrichtspraxis noch meine Methodik ändern/verbessern?" Ich gebe zu, ich kann einen Tipp gebrauchen.

Prof.Dr.Krumm: Vielleicht haben Sie es schon ausprobiert: Der erste Weg ist, mit den Lernenden darüber zu diskutieren oder verschiedene methodische Vorgehensweisen auszuprobieren und dann zu fragen, welche die Lernenden bevorzugen würden. Z.B. einmal bringen Sie 5 Texte mit, die Lernenden müssen selbst einen davon auswählen (das heißt aber auch, alle 5 lesen), ein andermal bringen sie nur einen mit. Sie erfahren viel über die Wirkungen Ihres Unterrichts, wenn Sie die Lernenden fragen.

Tanpopo_J.: Haben Sie schon einmal einen Unterricht gehalten, der für Sie alles andere als gut lief? Wie sind Sie damit umgegangen?

Prof.Dr.Krumm: Ja, natürlich hat bei mir oft etwas nicht funktioniert. Gut ist es, das mit Kollegen und Kolleginnen zu besprechen. Die Zusammenarbeit im Kollegium und mit den Lernenden sind zwei Wege, dass man selbst lebendig bleibt und sich weiterentwickelt.

Kicki: Prof Krumm, um eine Sprache gut zu lernen, langt es ja nicht, wenn man nur die Sprache lernt, sondern man sollte seinen Schülern ja auch etwas über Land und Leute beibringen - dann macht die Sprache gleich viel mehr Spaß. Wie aber schaffe ich das als Lehrerin? Ich kann ja nicht die ganze Zeit Filme zeigen oder Lieder vorspielen und Texte durchnehmen?

Prof.Dr.Krumm: Die Landeskunde fängt ja schon bei den einzelnen Wörtern an: eine Ohrfeige bedeutet in Österreich und Deutschland etwas anderes als in Polen, eine Disko ist in Indonesien ein Tabuwort, bei uns ganz harmlos. In Wien sitzen die Menschen auch morgens schon im Café, in Hamburg eher am Nachmittag. Suchfragen nennt das Lehrwerk "Sichtwechsel" so ein Vorgehen. (dieses Lehrwerk bietet Ihnen als Lehrerin gute Tipps, eine in die Sprache integrierte Landeskunde zu betreiben).

Anja_Russland: Es gibt E-mail-Tandem-Partnerschaften. Was halten Sie von dieser Art, eine Sprache neben dem üblichen Unterricht zu praktizieren?

Prof.Dr.Krumm: Tandem-Verfahren sind sehr schön, weil man in diesem partnerschaftlichen Austausch eben nicht nur Sprache lernt, sondern viel über die Menschen und ihr Leben in der anderen Sprache erfährt. Damit das erfolgreich ist, muss allerdings auch das Lernen im Tandem ein wenig gelernt oder angeleitet werden. Dazu gibt es gute Hinweise im Internet.

Singapore_Huey: Können Sie beschreiben, wie man auf Deutsch "language awareness" erklären kann?
Prof.Dr.Krumm: Übersetzen würde ich es mit verschiedenen Wörtern: Aufmerksamkeit auf Sprache, Sprachbewusstheit. Gemeint ist etwas ganz einfaches: Jeder, der mit mehr als einer Sprache zu tun hat, fängt an zu vergleichen, es fallen Dinge auf, über die man 'stolpert', wo man Aha sagt, so funktioniert das also auf Deutsch. Für die Entwicklung unseres Gehirns (die kognitive Entwicklung) ist diese Aufmerksamkeit auf Sprache ganz wichtig, sie trainiert uns in Begriffsbildung und Abstraktion: Zweisprachige Kinder z.B. wissen früher als einsprachige, dass ein Tisch eben kein Tisch IST, sondern nur so heißt, d.h. das Benennungen und Begriffsbildungen eine gewisse Willkür (oder soziale Übereinkunft) haben.

Anja_Russland: Können Sie eine seriöse E-mail-Tandem-Partnerbörse empfehlen?
Prof.Dr.Krumm: An der Ruhr-Universität in Bochum gibt es eine Homepage, die als eine Art zentrale Kontakt- und Informationsplattform funktioniert. Über diese finden Sie m.E. gute Kontakte. Manche Institutionen (z.B. auch die Universität Wien) vermitteln Tandem-Partnerschaften. Prinzipiell gilt: Bildungsinstitutionen, die etwas mit Sprache zu tun haben, sind sicher seriösere Anbieter als rein kommerzielle Institutionen.

Ombretta: Meine Frage ist jetzt, wie kann man/sollte man am besten eine Fachsprache lehren? Die Schwierigkeit für uns Lehrer ist, dass manchmal auch in der eigenen Muttersprache eine bestimmte Fachsprache unbekannt ist.

Prof.Dr.Krumm: Es kommt drauf an, von welchem Niveau Sie sprechen: In der Schule sind die Voraussetzungen für einen deutschsprachigen Fachunterricht dann am besten, wenn die Lehrkraft beides ist, Sprach- und Fachlehrkraft, oder wenn es Team Teaching gibt.

bklema: Denken Sie, dass das Erstellen von Sprachenporträts auch bei erwachsenen Lernenden sinnvoll sein kann?

Prof.Dr.Krumm: Ich habe das selbst schon oft ausprobiert, also auch Erwachsene Silhouetten mit Farben für die verschiedenen Sprachen ausmalen lassen. Manche Erwachsene haben anfangs Hemmungen, ist aber einmal der Damm gebrochen, machen Sie das sehr begeistert. Bitte kein Zwang: Man kann ja auch darum bitten, die Sprachen nur hineinzuschreiben oder reine Sprachenbiographie zu erstellen: Welche Sprache spreche ich mit wem?

Foto: Claudia Hautumm Copyright: PixelQuelle.des_hauser: Professor Krumm, welches Thema beschäftigt Sie denn zur Zeit am meisten, was brennt Ihnen unter den Nägeln?
Prof.Dr.Krumm: Für mich sind die Sprachenpolitik allgemein (wohin entwickelt sich die Mehrsprachigkeit in Europa, welche Rolle kann der Deutschunterricht in diesem Zusammenhang spielen) sowie der Zusammenhang von Sprache und Integration besonders wichtig. Wir Sprachlehrende laden mit unserem Deutschunterricht Menschen ja zu uns ein - und dann werden Sie mit Hilfe einer Sprachprüfung wieder hinausgeprüft ? Das ist eine heikle Frage.

Anja_Russland: Welche Medien kann ich meinen Schülern noch empfehlen, außer denen, die heute zur Sprache gekommen sind?

Prof.Dr.Krumm: Goethe-Institut und Österreich Institut bieten viele sehr schöne Medien an, z.B. den 'Österreich Spiegel'; auch gibt es ja spezielle Zeitschriften für Lernende. Wichtig ist meines Erachtens, den Lernenden auch einmal Dinge in die Hand zu geben oder vorzuführen, die gleichaltrige Jugendliche in DACH- lesen oder sehen/ hören.

s_hauser: Sie sprechen die Integration an von Migranten in den deutschsprachigen Ländern an: Gibt es hier Verbesserungen?
Prof.Dr.Krumm: Im Augenblick leider kaum. Allerdings wird an Curricula für die Sprachkurse gearbeitet, es gibt sehr positive Einzelbeispiele wie Sprachkurse für Mütter an den Schulen der Kinder und kombiniert mit Informationen über das Gesundheitswesen etc. aber insgesamt hinkt die Realität hinter den bekannten sinnvollen Möglichkeiten her.

Moderator: Unsere Zeit ist leider um. Vielen Dank für die vielen interessanten Fragen und Beiträge! Und vielen Dank an Prof. Krumm für die Bereitschaft, hier Rede und Antwort zu stehen. Ich hoffe, Sie, liebe Chatter, bleiben uns gewogen und schauen auch auf www.goethe.de/diemachtdersprache vorbei! Herzlichen Dank und einen schönen Abend noch!

bklema: Herzlichen Dank und gute Nacht!
Anja_Russland: Vielen Dank für die Tipps!
Sarah_Glasgow: Das war sehr interessant! Vielen Dank, Prof. Krumm und Goethe-Institut!
Prof.Dr.Krumm: Ich bedanke mich und wünsche Ihnen alles Gute!

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