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Feminismus abseits von lila Latzhosen: „Mädchenmannschaft“

Screenshot von „Mädchenmannschaft“; © MädchenmannschaftScreenshot von „Mädchenmannschaft“; © MädchenmannschaftModetrends, Promi-Klatsch oder Schminktipps? Keine Themen für „Mädchenmannschaft“! Die Autorinnen schreiben über Frauen in Wikipedia und in Männerberufen, Familienpolitik und weibliche Popkultur. Das Weblog versteht sich als „Forum und Spielwiese für alle, die sich eine bessere Gesellschaft wünschen“.

Erklärte Zielgruppe von Mädchenmannschaft sind Feministinnen und Feministen unterschiedlichster Couleur und alle, die es werden wollen. „Wir wollen den Begriff des Feminismus aus der verrufenen Ecke herausholen“, sagt Helga Hansen. Die 27-jährige freie Journalistin, die Zellbiologie und Biotechnologie-Verfahrenstechnik studiert hat, ist eine von derzeit elf festen Bloggerinnen im Team.

Mit dabei ist auch ein „Quotenmann“. In seiner Kolumne setzt sich Silviu Mihai kritisch mit der klassischen Männerrolle auseinander, schreibt beispielsweise über Aktivitäten osteuropäischer Feministinnen, schwul-lesbische Themen, Mindestlöhne und sexistische Werbung.

Screenshot von „Mädchenmannschaft“; © Mädchenmannschaft

Ausgezeichneter „Meinungsführer“

2008 erhielt die Mädchenmannschaft den Deutsche Welle Blog Award als bestes deutschsprachiges Weblog. Dort würden „Fragen zur Gleichberechtigung der Geschlechter und auch Gender-Stereotypen in einer Weise besprochen, die man sonst in den Medien selten findet“, befand die Jury. 2009 war die Mädchenmannschaft für den Grimme Online Award in der Kategorie „Information“ und für den Alternativen Medienpreis nominiert. Für die Tageszeitung taz ist das bekannteste und größte deutsche feministische Weblog ein „Meinungsführer“ im Bereich Frauenpolitik und Feminismus.

Cover von „Wir Alphamädchen“; © Hoffmann & CampeGegründet wurde die Mädchenmannschaft im November 2007 von Meredith Haaf, Susanne Klingner und Barbara Streidl, den drei Autorinnen des Buchs Wir Alphamädchen. Warum Feminismus das Leben schöner macht. Ziel des Weblogs war, aus feministischer Sicht interessante Themen langfristig diskutieren zu können. Das Blog-Format wurde auch deshalb gewählt, weil „es mehr und auch andere Menschen erreicht als ein Buch“, erklärt Helga Hansen.

Der Name „Mädchenmannschaft“ liefert dabei früher wie heute Zündstoff für Diskussionen. Hansen selbst sieht ihn als interessantes Wortspiel. Andere wiederum sprechen von einer unangebrachten Verniedlichung.

„Den Frauen aus der Seele sprechen“

Screenshot von „WWW Girls“; © Mädchenmannschaft100.000 Mal wird das Weblog im Durchschnitt pro Monat angeklickt. Eine klare Zielgruppe gibt es nicht. „Vor allem 18- bis 35-Jährige lesen das Blog“, sagt Hansen. Am häufigsten würden Einträge mit provokanten Überschriften gelesen und Posts, „die den Frauen aus der Seele sprechen“.

Welche politischen oder gesellschaftlichen Themen Mädchenmannschaft aufgreift, hängt von der Aktualität ab – und davon, welche ehrenamtlich tätigen Autorinnen und Autoren für das Blog schreiben und wie viel Zeit sie dafür haben. Familienpolitik ist einer der großen Themenstränge, Popkultur ein anderer. Dort werden regelmäßig Musikerinnen und Frauenbands vorgestellt. Zu den großen Serien, die regelmäßig fortgesetzt werden, zählen „Genderissimi: Die Blogschau“, „Kurz notiert“ und „WWW Girls“.

Beitrag zur Vernetzung

Helga Hansen; © privat„WWW Girls“ wird von Helga Hansen betreut. Sie stellt dort steckbriefartig alle zehn Tage eine Bloggerin und ihren Weblog vor. Deren Inhalte sind sehr unterschiedlich: selbstgezeichnete Comics, eine Sammlung von Rezepten aus aller Welt, das Tagebuch einer an Brustkrebs erkrankten Frau oder die Schattenseiten der Mode.

„Die Serie soll die Vielzahl der Themen abbilden, über die Frauen im Internet schreiben“, erläutert Hansen. Ein weiteres Ziel sei, Frauen untereinander zu vernetzen. Dazu dient auch die lange rechte Spalte mit ihrer Vielzahl von Verlinkungen zu anderen Seiten.

„Mädchenmannschaft e. V.“

2010 wurde auf der Basis des Weblogs der Verein Mädchenmannschaft e. V. gegründet. Er soll die Arbeit am Blog und die politischen Aktivitäten der Autorinnen rechtlich und ideell unterstützen. Außerdem war es den Blogbetreiberinnen wichtig, die Finanzierung auf eine juristisch einwandfreie Basis zu stellen. „Der Verein bietet zudem die Möglichkeit, beispielsweise bei Kooperationen nach außen hin als ein Ansprechpartner aufzutreten“, so Helga Hansen.

Logo von „Mädchenmannschaft“; © Mädchenmannschaft



Mädchenmannschaft e. V. arbeitet online wie offline. So sind die Bloggerinnen regelmäßig bei Veranstaltungen, Workshops und Podiumsdiskussionen zu Gast, beispielsweise bei der Blogging-Konferenz re:publica. Dort war Mädchenmannschaft eines der wenigen von Frauen betriebenen Blogs, die im Netz größere Beachtung finden. Noch sind die Blogcharts nämlich eindeutig männlich dominiert.

Literaturtipp
Barbara Streidl, Susanne Klingner und Meredith Haaf: Wir Alphamädchen. Warum Feminismus das Leben schöner macht. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2008, 220 Seiten, ISBN 978-3455500752, 19,95 Euro. Taschenbuchausgabe 2009.
Stefanie Hallberg
ist Diplom-Journalistin. Sie arbeitet als freie Autorin, unter anderem für den Westdeutschen Rundfunk, in Köln.

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Februar 2012

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