Panorama

Experimentierkasten fürs öffentlich-rechtliche Fernsehen: die INPUT-Konferenz

Logo der INPUT; © INPUTLogo der INPUT; © INPUTInnovative Formate, Mut zu außergewöhnlichen Themen und die Lust, immer wieder neues Fernsehterrain zu erkunden: Bei der INPUT-Konferenz werden jedes Jahr über 80 TV-Produktionen aus aller Welt gezeigt und diskutiert, die wegweisend für die Weiterentwicklung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens sind. Das Goethe-Institut ist mit seinem weltweiten Netzwerk von Kulturinstituten und Kulturzentren wichtiger Partner. Im Mai 2009 war die INPUT in Warschau zu Gast.

Seit über 30 Jahren hat sich INPUT dem weltweiten Austausch wertvoller und fortschrittlicher Fernsehprogramme verschrieben. Zum Gründungstreffen 1977 im italienischen Bellagio kam noch ein kleiner Kreis von 15 Teilnehmern aus Nordamerika und Europa, darunter auch die avantgardistischen Videokünstler Nam June Paik und Bill Viola aus den USA. Mittlerweile ist INPUT ein internationales Netzwerk von Fernsehprofis – und ein gelebter interkontinentaler Kommunikationsstrom zwischen verschiedenen Ländern, Institutionen und Einzelpersonen.

Kulturgut Fernsehen stärken

Gründungstreffen 1977; © INPUT„Mit der Auswahl herausragender internationaler Fernsehproduktionen bietet die INPUT einen hervorragenden Überblick über Qualitätsstandards und innovative Formate im öffentlich-rechtlichen Fernsehen“, betont auch Annette Rupp, die als Referentin für audiovisuelle Medien im Bereich Film, Fernsehen und Hörfunk des Goethe-Instituts in München zum „International Board“ der INPUT gehört: „Zunehmend mehr Goethe-Institute veranstalten weltweit sogenannte Mini-INPUTS, in denen diese Standards und Formate mit Partnern vor Ort anhand einer INPUT-Filmauswahl diskutiert werden.“ Im Zentrum steht dabei die Stärkung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens des jeweiligen Landes – geprägt vom Gedanken, dass Fernsehen als Kulturgut einen Spiegel der Gesellschaft darstellt und als Leitmedium sehr viele Menschen erreichen kann.

2009 im Herzen Warschaus

Eingangshalle zur INPUT 2009 in Warschau; © INPUTDie INPUT-Konferenz wird jedes Jahr in einer anderen Stadt veranstaltet. 2009 fand sie erstmals in Osteuropa statt. Im Mai 2009 waren mehr als 1.000 Fernsehmacher und Medienmanager auf Einladung des polnischen Fernsehens TVP in Warschau zu Gast. „Der Schwerpunkt lag dieses Jahr auf Mittel- und Osteuropa“, erläutert William Gilcher, Filmautor, Produzent und Mitarbeiter des Goethe-Instituts in Washington, der die Vorbereitung der verschiedenen Konferenzsitzungen geleitet hat. „Es ging um die Entwicklung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in den früheren Warschauer Pakt-Staaten.“ 20 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer sei es höchste Zeit gewesen, „die Medienlandschaft in diesem Teil der Welt besser kennen zu lernen.“

2009 fand die INPUT im Wissenschafts- und Kulturpalast aus der Stalinära im Herzen Warschaus statt. „Eine perfekte historische Kulisse“, findet Gilcher – auch, um sich über die ständig wachsende Herausforderungen durch die kommerziellen Sender auszutauschen: „Wir haben eingeladen zum Gespräch über die besonderen Chancen und die Verantwortung von öffentlich-rechtlichen Programmen in einer Demokratie.“

Insgesamt 21 fiktionale Fernsehfilme, 32 Dokumentarfilme und 30 Sendungen mit außergewöhnlichen TV-Formaten aus allen Kontinenten waren in Warschau zu sehen. Darüber hinaus gab es Unerwartetes aus Polen und seinen Nachbarländern. Zudem standen Cross-Media-Produktionen auf dem Programm. Die Filmemacher aller gezeigten Produktionen reisten nach Warschau und waren bei den Vorführungen und Diskussionen anwesend.

Die kleinen INPUTs nach der INPUT

Nach der Konferenz stehen die Programme nun für Fernsehkonferenzen in den einzelnen Ländern zur Verfügung. Hier übernehmen die Goethe-Institute weltweit eine wichtige Rolle. Das Goethe-Institut in München etwa bekommt Kopien der gezeigten Programme und kann sie den Goethe-Instituten und Goethe-Zentren weltweit zur Verfügung stellen. So organisierte das Goethe-Institut in Bosnien und Herzegowina 2008 den ersten Mini-INPUT in Sarajewo. Redakteure, Fernseh- und Filmemacher aus dem ganzen Land waren eingeladen, anhand der gezeigten Programme Möglichkeiten und Chancen für das eigene öffentlich-rechtliche Fernsehen zu diskutieren. Für die „Best of INPUT“ stehen zudem Fernsehprogramme der letzten drei internationalen Konferenzen zur Verfügung.

Inzwischen existiert auf jedem Kontinent eine Zentrale, die bei der Beschaffung der Programme für nationale INPUT-Konferenzen behilflich ist. Das INPUT-Archiv an der Universitat Pompeu Fabra in Barcelona verfügt über 1.600 Filmkopien und eine Datenbank, die mehr als 2.800 Programme listet.

Ein weltweites Netzwerk

Shop-Stewards sichten die Programme aus der ganzen Welt; © INPUTDie jährliche Konferenz ist der Höhepunkt einer monatelangen Vorbereitungsarbeit von sogenannten Shopstewards, nationalen Koordinatoren und dem internationalem INPUT-Vorstand. Sie alle sind Fachleute aus der TV-Branche, die ihr Engagement ehrenamtlich ausüben und keinem anderen Statut als dem Ideal einer Förderung von innovativem öffentlich-rechtlichen Fernsehen verpflichtet sind. Das gibt den INPUT-Konferenzen eine nahezu anarchistische Note.

Das Herz des INPUT-Netzwerks ist sein Vorstand: ein „International Board“ aus 16 anerkannten Fernsehexperten verschiedener Länder. Sie bestimmen die nationalen Koordinatoren, die nach einem Quotensystem geeignete Programme ihrer Heimat in die Vorauswahl der Konferenzen einbringen. Dabei richtet sich die Anzahl der Programme nach der Fernsehlandschaft des jeweiligen Landes.

Die 18 Shopstewards aus allen Teilen der Welt sind das Herz jeder INPUT-Konferenz. Sie wählen aus den vielen hundert eingereichten Programmen diejenigen aus, die gezeigt werden sollen, stellen die Vorführblöcke thematisch und oft unabhängig vom Genre zusammen, laden die Programmmacher ein und leiten die Diskussionen. Ihr Name kommt aus der Arbeiterbewegung und repräsentiert ihre Rolle als Repräsentanten der INPUT-Basis.

Und dann gibt es die Teilnehmer der Konferenz, die für fünf Tage in einen intensiven Austausch treten und einen immensen Erfahrungsschatz mit nach Hause nehmen. Oft entwickeln sich aus den Begegnungen internationale Koproduktionen. Das wichtige Leitmedium des öffentlich-rechtlichen Fernsehens hat dank INPUT so die Chance, sich weltweit zu vernetzen.

François Smit-Löffler
arbeitet als Koordinator für die internationale INPUT-Vorauswahl in Berlin.

Susanne Kettelför
arbeitet als Medienberaterin und Pressesprecherin des europäischen Medienfestivals PRIX EUROPA in Berlin.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
Mai 2009

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