16. Feburar 2026
Reputation als Sicherheitsfaktor: Eine Diskussion des Goethe-Instituts und ifa auf der Münchner Sicherheitskonferenz

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz eröffnete der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Dr. Bernhard Kotsch, am Sonntag, dem 15. Februar, die Veranstaltung „Reputation as Security: Navigating Multipolarity“ des Goethe-Instituts und des ifa – Institut für Auslandsbeziehungen. Public Diplomacy-Experte Nicholas J. Cull, der Generalsekretär des Goethe-Instituts, Johannes Ebert, und die Generalsekretärin des ifa, Gitte Zschoch, diskutierten über die Bedeutung internationaler Kulturbeziehungen für Sicherheit im multipolaren Zeitalter. Gemeinsam mit Moderator Martin Bialecki, Chefredakteur der Zeitschrift „Internationale Politik“, und Expertinnen und Experten aus Politik und Gesellschaft gingen sie der Frage nach, wie Europa seine reputationsbasierte Sicherheitspolitik stärken kann, um autoritären Narrativen entgegenzuwirken und langfristige, vertrauensvolle Partnerschaften zu fördern. 

Nach der Begrüßung durch Dr. Bernhard Kotsch, Staatssekretär im Auswärtigen Amt, ordnete Nicholas J. Cull sein Konzept der Reputational Security ein: „Reputation ist heute ein Sicherheitsfaktor. Sicherheit braucht Partnerschaft, und Partnerschaft entsteht nur durch Vertrauen. Eine starke Reputation schafft genau diesen Vertrauensraum und macht internationale Zusammenarbeit überhaupt erst möglich.“

Gitte Zschoch richtete den Blick auf die Forschungsergebnisse des „External Cultural Policy Monitor“, einer Publikationsreihe des ifa: „Unsere Analyse zeigt, dass Soft Power und Kulturpolitik weltweit zunehmend wettbewerbsorientiert sind und mit geopolitischen Zielen verknüpft werden. Deshalb ist es wichtig für Europa und Deutschland ihre Soft-Power-Strategie neu zu definieren. Soft Power können wir noch stärker als langfristige Investition in Glaubwürdigkeit, Verbindung und Vertrauen begreifen. Gerade kulturelle Teilhabe und Austausch über Grenzen hinweg schaffen jene gemeinsame Erfahrung, aus der Resilienz entsteht. Den internationalen Kulturbeziehungen kommt hier eine wichtige Bedeutung zu: Basierend auf einem Ansatz, der Menschen in Kontakt und in langfristige Partnerschaften bringt, setzen diese Programme und Projekte Werte konkret in die Praxis um.” Obwohl Soft Power zentral für Deutschlands und Europas Resilienz sei, so Zschoch, bliebe sie in klassischen sicherheitspolitischen Debatten oft unterrepräsentiert. Europa stehe heute vor der Herausforderung, ein erneuertes gemeinsames Narrativ für die Vermittlung und Bewahrung freiheitlicher Werte zu finden: Das sei möglich, wenn die Mitgliedstaaten und ihre Institutionen noch stärker zusammenarbeiten.  

Johannes Ebert verdeutlichte anhand von Beispielen aus verschiedenen Ländern: „Unsere Arbeit zeigt, dass kulturelle Zusammenarbeit strategische Wirkung entfaltet. Sie stärkt Vertrauen, würdigt Vielfalt, schafft neue Allianzen und erhöht die Widerstandskraft von Gesellschaften – gerade auch in Staaten am geografischen Rand Europas, die einer besonderen Bedrohungslage ausgesetzt sind.“ Langfristige Präsenz und Beziehungsarbeit, dialogischer Kulturaustausch und der Aufbau belastbarer zivilgesellschaftlicher Netzwerke wirkten in diesen Kontexten präventiv und ließen europäische Nachbarinnen und Nachbarn zusammenrücken. Dabei werde über die Autonomie von Kunst und Kultur immer auch ein Verständnis für freiheitlich-demokratische Ordnung transportiert und ungehörte Perspektiven fänden Eingang in gesellschaftliche Debatten. Ebert betonte, es sei gerade heute wichtig, Reputation, Vertrauen und Glaubwürdigkeit ins Zentrum sicherheitspolitischer Debatten zu rücken.

Anknüpfend daran befasste sich die Diskussion mit weiteren Teilnehmenden der Sicherheitskonferenz damit, wie ein gesamteuropäischer Ansatz zur Reputational Security entwickelt werden kann und welche Rolle der internationale Kulturaustausch im transatlantischen Verhältnis spielt. Besondere Aufmerksamkeit galt der Frage, wie insbesondere kleinere europäische Staaten ihre Sichtbarkeit auf globaler Bühne erhöhen, verlässliche Allianzen schmieden und ihre Position in komplexen geopolitischen Kontexten stärken können.

Die Veranstaltung war Teil des offiziellen Rahmenprogramms der Münchner Sicherheitskonferenz. Sie verdeutlichte, dass der internationale Kultur- und Bildungsaustausch einen zentralen Beitrag zur „integrierten Sicherheit” leistet und gerade in fragilen Kontexten vertrauensbildend und stabilisierend wirken kann. In Zeiten gezielter Desinformation, wachsender Polarisierung und autoritärer Einflussnahme kommt kulturellen Akteurinnen und Akteuren eine neue sicherheitspolitische Bedeutung zu.


Das Goethe-Institut ist das weltweit tätige Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland. Mit derzeit 154 Instituten in 100 Ländern fördert es die Kenntnis der deutschen Sprache, pflegt die internationale kulturelle Zusammenarbeit und vermittelt ein aktuelles Deutschlandbild. Durch Kooperationen mit Partnereinrichtungen an zahlreichen weiteren Orten verfügt das Goethe-Institut insgesamt über rund 1.000 Anlaufstellen weltweit. www.goethe.de 

Das ifa – Institut für Auslandsbeziehungen schafft mit seiner Arbeit in Kunst und Zivilgesellschaft weltweit Verständnis und Vertrauen zwischen Menschen. Es fördert demokratische Zivilgesellschaften und setzt sich ein für Freiheit in Kunst und Wissenschaft sowie für Meinungsfreiheit. Das ifa bringt sein internationales Wissen und seine Netzwerke in Kunst und Kultur, Politik und Gesellschaft in Debatten ein und erweitert Perspektiven – in Deutschland und weltweit. Das ifa wird gefördert vom Auswärtigen Amt, dem Bundesministerium des Innern, dem Land Baden-Württemberg und der Landeshauptstadt Stuttgart.  www.ifa.de

Kontakt

Katrin Sohns
Sprecherin
Goethe-Institut Hauptstadtbüro
Tel.: +49 30 25906 548
katrin.sohns@goethe.de

Yasmina Suleiman
Pressereferentin
Goethe-Institut Hauptstadtbüro
Tel.: +49 89 15921 638
yasminaisabelle.suleiman@goethe.de


 

Top