Ecological Futures

Cover-Design mit dem Titel ‚KOND: The Natural History of Networking Architecture‘ in blauer Schrift auf weißem Hintergrund. Darunter eine stilisierte, kreisförmige Stadtkarte in Blautönen. © Goethe-Institut Armenien / CSN Lab

Diese Forschungsinitiative erkundet, wie Natur, Erinnerung und stadträumliche Veränderung im ältesten Viertel Jerewans ineinandergreifen. Das Projekt rückt vergessene ökologische Verbindungen und stille Geschichten des Ortes ins Licht – und zeigt, wie sehr sie für das Verständnis der Stadt von morgen bedeutsam sind.

Kond: Die Naturgeschichte einer vernetzten Architektur

Unser Partner, das Cultural and Social Narratives Laboratory (CSN Lab), hat das Projekt Kond: The Natural History of Networking Architecture gestartet – entwickelt im Rahmen des Programms Ecological Futures des Goethe-Instituts und ARCH+.

Das Projekt untersucht eines der ältesten Stadtviertel Jerewans, Kond, und betrachtet seine Entwicklung aus der Perspektive kultureller Analyse, sozialer Erinnerung und natürlicher Umgebung. Anstatt Architektur und Stadtstruktur als Produkte zentralisierter Planung zu lesen, schlägt das Projekt eine alternative Sichtweise vor: Kond hat sich in enger Wechselwirkung mit seiner Topografie, natürlichen Wasserläufen, Gärten sowie den Geschichten und Lebensrealitäten seiner Bewohner*innen entwickelt.

Auf einem Hügel oberhalb der Hrazdan-Schlucht gelegen, entstand die gebaute Umwelt Konds nicht durch Masterpläne oder vorgegebene Raster. Vielmehr entwickelte sie sich durch selbstorganisierte Anpassungen an das Gelände: verwinkelte Wege, terrassenartige Häuser, Innenhöfe und Wasserkanäle bilden eine Architektur der Notwendigkeit, der Fürsorge und des gegenseitigen Bezugs – eine networking architecture.

Das Projekt verbindet räumliche Analysen, alternative Kartierungen, Archivmaterialien und mündliche Überlieferungen, um die enge Verflechtung von natürlichen, urbanen und sozialen Ökologien sichtbar zu machen. Es stellt dominierende Erzählungen über angebliche „Unterentwicklung“ des Viertels infrage und schlägt stattdessen eine dekoloniale und ökologische Lesart der Stadt vor: Kond erscheint nicht als „unvollendetes“ Stadtgebiet, sondern als einzigartiges Geflecht aus Architektur, Erinnerung und Zusammenleben.

Für das Projekt hat das CSN Lab ein multidisziplinäres Team aus Architektur, Urbanistik, Umweltanthropologie und Oral History zusammengestellt. Durch alternative Kartierungen räumlicher Strukturen, sozialer Knotenpunkte und alltäglicher Praktiken untersucht das Team Kond nicht nur als physischen Raum, sondern als lebendiges räumliches und soziales Netzwerk.

Die Forschung entfaltet sich entlang von fünf miteinander verbundenen Themenfeldern: Geografie, Wasser, räumliche Netzwerke, Architektur und Alltagsleben. Sie beleuchtet, wie die Hügelstruktur Konds dessen Identität geprägt hat; wie historische Wassersysteme Bewegung und Erinnerung beeinflussten; wie das Straßennetz mit der Logik des Geländes harmoniert; wie verbundene Häuser die Grenzen zwischen privat und öffentlich verwischen; und wie Gemeinschaftsgärten sowie alltägliche Routinen nicht-institutionelle Räume der Fürsorge und Interaktion schaffen.

Das Projekt wird nun von der Forschungsphase in eine Vermittlungsphase übergehen. Eine multimediale Plattform wird die Ergebnisse in einem interaktiven Format zugänglich machen – mit analytischen Texten, alternativen Kartierungen, Archivmaterial und visuellen Inhalten, um Konds „Naturgeschichte“ für ein breites Publikum zu eröffnen.

Projektteam
Kuratoren und Autoren:
– Tigran Amiryan
– Arsen Abrahamyan

Künstlerische Gesamtgestaltung:
– Harutyun Tumaghyan

Forschungsteam:
– Davit Yeremyan
– Inesa Sahakyan
– Tamara Khurshudyan
 

Satellitenaufnahme des historischen Jerewaner Stadtviertels Kond, überlagert mit farbigen Flächen und Markierungen, die räumliche Strukturen und Netzwerke hervorheben. @ CSN Lab

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