Alejandro Tantanian „Unser Blick auf den Theatertext hat sich für immer verändert"

Pina Bausch – Bandoneón
"Bandoneón", Pina Bausch. Teatro San Martín, 1994. | Foto: Goethe-Institut

Es kommt mir so vor, als sei es heute. Jener Tag im schmerzlich vermissten Auditorium des Goethe-Instituts Buenos Aires ist immer noch gegenwärtig, dauert an, bleibt in der Erinnerung verhaftet, erzeugt in mir das Gefühl der physischen Nähe zu der großen, gewaltigen, unentbehrlichen Pina Bausch. Ich sehe mich dort stehen, nur einige Meter von ihr entfernt, höre ihr zu. Sie zögert die Wörter hinaus, spricht auf ihre einzigartige Weise, so als würden die Wörter, noch bevor sie ausgesprochen sind, in diesem hoch aufgeschossenen, endlosen Körper einen delikaten alchemistischen Prozess durchlaufen. Wir hörten Pinas Ausführungen zu der Aufführung von Bandoneón im ebenfalls heute schmerzlich vermissten Teatro San Martín zu und wussten sofort, dass wir vor einem einzigartigen Menschen standen.

Zusammen mit dem Teatro San Martin und der Theatergruppe El periférico de objetos produzierte das Goethe-Institut auch jene emblematische Aufführung von Heiner Müllers Hamletmaschine. Die Übersetzung stammte von Gabriela Massuh. Sie war es auch, die Dieter Welke als Dramaturgen eingeladen hat. Von da ab sollte sich unser Blick - der Blick der Mitglieder der Gruppe El periférico de objetos -  auf den Theatertext für immer verändern.

Schließlich ist das Goethe-Institut zusammen mit der Siemens-Stiftung Hauptpartner bei dem Projekt Panorama Sur, einer internationalen Plattform, die wir zusammen mit Cynthia Edul ins Leben gerufen haben. Ziel der Plattform ist es, den Austausch zwischen Künstlern aus lateinamerikanischen Ländern zu fördern. Das Forum wurde 2010 ins Leben gerufen und ist bereits Teil des kulturellen Veranstaltungskalenders der Stadt.  Bei diesen drei Veranstaltungen möchte ich es belassen, da sie die Brandbreite und unglaubliche Fülle künstlerischer Ereignisse widerspiegeln, die das Goethe-Institut in der Kulturszene unserer Stadt produziert. Möge es so bis zum Ende der Zeit bleiben!