19.-20.12.2019 und 02.-11.1.2020

Der Fetisch der Wahrheit als Schein

Eröffnung der Ausstellung

  • Goethe-Institut Abidjan, Abidjan-Cocody

  • Preis Eintritt frei

Der Fetisch der Wahrheit © Goethe-Institut/Stefan Meisel

Die Ausstellung befasst sich mit dem sogenannten „Fetischismus-Konzept" bei Marx, Freud, Adorno und anderen europäischen Denkern und Kunstschaffenden.
Die Wahrnehmung Afrikas in der deutschen und europäischen Philosophie, Psychologie und Kunstgeschichte zeugt von einer spezifischen Form kultureller Aneignung.
 
Insbesondere der Blick auf Marx’ eigentümliche Aneignung und Transformation eines ursprünglich ethnologischen Begriffs afrikanischer Herkunft, ist hervorzuheben. Wenn es bei Marx um „Enthüllung der Idole“, also mithin um die Entlarvung der „Scheinwahrheit“ des Kapitalismus geht, verengt Freud zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Begriff auf die Fixierung auf bestimmte sexuell aufgeladene Körperteile oder Verhaltensweisen. Beiden Interpretationen ist jedoch das Motiv einer „Bezauberung“ oder sogar „Verhexung“ des Denkens durch das Idol eigen. Angesichts des Fetischs erliegt der Mensch der Faszination eines falschen Bewusstseins, eines Aberglaubens oder einer regressiven Form der Sexualität. Der Fetisch ist aber zunächst und ursprünglich ein Objekt, mit dessen Hilfe sich etwa ein Bildhauer dessen bemächtigt, was nicht real präsent, aber dennoch wirkmächtig ist.
 
Dass ein konstatiertes „afrikanisches Bewusstsein“ seit den geschichtsphilosophischen Betrachtungen von Hegel vornehmlich als ein von der „idée fixe“ der „Zauberei“ besessenes Denken charakterisiert wird, zeigt die verkürzte Sicht westlicher Theoretiker auf die vielfältigen Erscheinungsformen anders gearteter Denkansätze in den afrikanischen Kulturen. Auch die Betrachtung des Fetischismus weist in eine ähnliche Richtung: Afrika resp. die geistigen Welten Afrikas gelten – teilweise noch bis heute – weiterhin als Domänen eines wuchernden Irrationalismus.
 
Eine Auseinandersetzung mit dem Fetischismus-Konzept (und damit implizit auch der Sicht auf Afrika) bei europäischen Denkern eröffnet die Möglichkeit, das erwähnte Phänomen aus einem ganz neuen Blickwinkel zu betrachten, und die genuin afrikanische Perspektive dabei hervorzuheben.
 
Die Ausstellung ist vom 19. bis 20. Dezember 2019 und vom 2. bis 11. Januar 2020 während der Öffnungszeiten des Goethe-Instituts öffentlich zugänglich.

Ein Projekt von Markus Litz | Mitwirkender Stefan Meisel
Mit traditionellen afrikanischen Werken und multimedialen Installationen
Mit Videoclips von Joseph Beuys und Marcel Odenbach