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Porträt
Ni Kun (倪昆)

Ni Kun
Ni Kun | © Ni Kun

Der Gründer und Kurator des Organhaus Art Space in Chongqing arbeitet seit rund 10 Jahren mit deutschen Künstlern und Kunsthochschulen zusammen.

Der Kurator Ni Kun wurde 1972 in der Provinz Hunan geboren, heute lebt und arbeitet er in der Metropole und Stadtprovinz Chongqing. 2001 rief er die Künstlergruppe Haus – M Commune, 2005 die Kunstinstitution H2 Art Space ins Leben. Seit 2006 betreibt er gemeinsam mit dem Künstler Yang Shu (杨述) den Organhaus Art Space. Aktuell setzt sich Ni Kun vor allem mit Visual Art auseinander, er kuratiert Kunstausstellungen und moderiert die künstlerische Arbeit im Organhaus Art Space. Diese umfasst unter anderem ein Artist-in-Residence-Programm, internationale Kunstworkshops und Künstleraustauschprogramme, Solo-Ausstellungen chinesischer Künstler sowie Projekte für Nachwuchskünstler. So findet seit 2006 in China das Deutsche Kurzfilmfestival Blitzfilm statt, seit 2008 der Chongqing Organhaus International Artist’s Workshop und seit 2009 ein Artist-in Residence Austauschprogramm zwischen dem Organhaus Chongqing und dem Kulturamt Düsseldorf.

Im September 2010 organisierte Ni Kun gemeinsam mit deutschen Partnern in Hamburg, Kiel, Husum und Heidelberg das Kurzfilmfest China Underground – Der kritische Blick von unten.

1) Womit haben Sie sich in der letzten Zeit beschäftigt?

Zum einen ordne ich das Material, das sich in zehnjähriger Arbeit angesammelt hat, außerdem bereite ich die Ausstellungsagenda 2011 für den Organhaus Art Space vor.

2) Wann und wie kamen Sie zum ersten Mal in Berührung mit Deutschland?

Schon als Student mochte ich Filme und Musik aus Deutschland. Der erste wirkliche Kontakt mit Deutschland geht aber auf das Jahr 2001 zurück. Als damals die Kunsthochschule Kassel zu einem Austausch an das Sichuan Fine Arts Institute in Chongqing kam, freundete ich mich mit ein paar Deutschen an. Durch sie ermutigt rief ich dann mit Haus – M Commune meine erste Künstlerorganisation ins Leben, wobei das „Haus“ für ein Forum der Kreativität, der Präsentation und des Dialogs steht. Der Organhaus Art Space, den ich mittlerweile betreibe, hat diese Idee beibehalten. In gewisser Weise war dies die früheste Ausbeute meiner Deutschland-Kontakte.

3) In welcher Weise hat die Begegnung mit Deutschland Ihr Schaffen oder Ihr Leben beeinflusst?

Gegenwärtig unterhält unsere Institution ihre wichtigsten internationalen Programme mit Deutschland, etwa mit dem Kulturamt der Stadt Düsseldorf, der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, der Kunsthochschule Kassel oder der Filmgruppe Chaos. Außerdem arbeiten bei uns auch viele deutsche Künstler mit einem Residenz-Stipendium.

Mit anderen Worten, der Kontakt mit Deutschland ist mittlerweile zu einem festen Bestandteil meines Lebens geworden. So gut wie jeden Tag tausche ich mich per E-Mail mit deutschen Künstlern aus und diskutiere über laufende oder anstehende Projekte. Da mein Forschungsinteresse der zeitgenössischen Kunst und der Visual Art gilt und Deutschland auf diesem Gebiet weltweit eines der interessantesten Länder ist, ist für mich der Kontakt zu Deutschland überaus wichtig.

4) Was war Ihr schönstes Erlebnis in Deutschland?

Im September 2010 hatte ich mit meinen deutschen Partnern das Filmfestival China Underground – Der kritische Blick von unten organisiert, im Rahmen dessen wir einen Monat lang Filme von unabhängigen chinesischen Filmemachern und teilweise auch von Künstlern in Berlin, Hamburg, Heidelberg, Kiel und Husum zeigten. Ich möchte gern erzählen, was ich dabei in Husum erlebt habe. Diese Kleinstadt an der Nordsee hat nicht sehr viele Einwohner und die Husumer, die zu unseren Filmen kamen, waren fast alle schon über Fünfzig. Ich weiß noch, dass ich an jenem Abend den Kurzfilm Nr. 4 Pingyuanli to No. 4 Tianqiaobeili der Künstlerin Ma Qiusha (马秋莎) zeigte, in dem es um die Einzelkindgeneration der 1980er Jahre und deren psychische Probleme geht. Ich erinnere mich, dass eine ältere Dame während des Films weinen musste. Das hat mich sehr berührt. Nach unserer letzten Filmvorführung hat die Frau dann noch extra Kuchen gekauft und uns vorbeigebracht. So tolle Zuschauer sind wirklich ein Traum.

5) Was war Ihr unerfreulichstes Erlebnis in Deutschland?

In China-Restaurants in Deutschland wird die chinesische Küche im Großen und Ganzen dem deutschen Geschmack angepasst. Für uns, die wir uns nach dem authentischen Geschmack von chinesischem Essen sehnen, ist das einfach eine Qual.

6) Haben Sie eine deutsche Lieblingsspeise?

Würstchen und Brathähnchen.

7) Was ist für Sie „typisch deutsch“?

Für die normalen deutschen Bürger gehören Debatten über Politik, Kultur, Geschichte oder Philosophie praktisch zum Alltag. Wir haben zudem meist mit Menschen aus Künstlerkreisen zu tun, die ihre diesbezüglichen Positionen und Haltungen unmittelbar in ihren Arbeiten zum Ausdruck bringen. Mir gefällt diese Art, unverblümt, direkt und eindeutig Position zu beziehen.

8) Welche Kulturleistung aus Deutschland beeindruckt Sie am meisten?

In der zeitgenössischen Kunst gehört Deutschland in allen Bereichen zur europäischen Spitze. Deshalb haben die Deutschen auch so eine ausgeprägte Urteilskraft und die Fähigkeit, Kunst und Kunsttrends zu würdigen. Dass wir mit unseren deutschen Freunden unterschiedlichen Alters über verschiedene Kunstrichtungen und kulturrelevante Themen diskutieren können, beeindruckt mich immer wieder sehr.

9) Mit wem in Deutschland würden Sie gerne einen Tag tauschen?

Das ist eine ziemlich interessante Frage. Spontan denke ich an Uwe Bastiansen, einen befreundeten Musiker, der in Hamburg lebt. Uwe hat als Musiker in der Kombination aus Geräusch und Video eine sehr individuelle Ausdrucksweise gefunden, und er hat einen überaus ernsthaften und gewissenhaften künstlerischen Anspruch. Ich schätze ihn sehr. Wenn es möglich wäre, würde ich wirklich gerne einen Tag mit ihm tauschen.

10) Welche Gewohnheit oder Idee aus Deutschland würden Sie gerne in China übernehmen?

Die gewissenhafte und zielorientierte Arbeitsweise der Deutschen.

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