Porträt Reinbert Evers

Reinbert Evers
Reinbert Evers | © Reinbert Evers

Der Gitarrist und Professor für Gitarre gibt seit Jahren auch immer wieder in China Konzerte. Derzeit bereitet er Werke von Villa-Lobos und Bach für ein Festival im August 2011 in Shenyang vor.

Reinbert Evers, 1949 in Dortmund geboren, studierte Gitarre bei Maritta Kersting an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf und bei Karl Scheit in Wien. Seine Studien beendete er an beiden Akademien „mit Auszeichnung“. Später studierte er an der Ruhr-Universität Bochum die Fächer Musikwissenschaft, Germanistik und Philosophie. 1976 wurde er als Professor für Gitarre an die Hochschule für Musik Detmold in Münster berufen. Seit 1995 ist er dort Dekan.

Reinbert Evers ist vor allem auf Neue Musik spezialisiert. Internationale Bekanntheit erlangte er bereits 1980 durch die Uraufführung von Royal Winter Musik II von Hans Werner Henze in Brüssel. Er brachte mehr als 140 Kompositionen zur Uraufführung, darunter von Guo Wenjing (郭文景) und Chen Xiaoyong (陈晓勇).

Von 1999 bis 2001 war er künstlerischer Leiter des Europäischen Musikfestes Münsterland. Reinbert Evers ist Vorsitzender der Gesellschaft für Neue Musik Münster. Er ist Mitbegründer des Vereins proGitarre und von 2000 bis heute Programmkurator von KlangZeit Münster. Außerdem ist er künstlerischer Leiter des Gitarrenfestivals St. Christopher Summer Festival in Vilnius und Berater des Internationalen Gitarrenfestivals Münster sowie des Münsterland Festivals.

Reinbert Evers unternahm zahlreiche internationale Konzertreisen und veranstaltete auch Meisterklassen im Ausland. In den letzten Jahren beschäftigte er sich vor allem mit Neuer Musik aus dem Baltikum und aus Ostasien. Seit Jahren führen in zahlreiche Einladungen immer wieder zu Musik-Festivals in China.

1) Womit haben Sie sich in der letzten Zeit beschäftigt?

Unterrichten, Werke einstudieren, Projekte planen. Konkret heißt das: Als besonders der Neuen Musik zugewandter Gitarrist übe ich gerade Werke von Hans Werner Henze für ein Festival in Münster ein. Und ebenso Werke von Johann Sebastian Bach und Heitor Villa-Lobos für ein Festival in Shenyang, bei dem ich Mitte August 2011 konzertieren werde. Ich werde dort auch eine Meisterklasse halten und als Juror auftreten, da dort auch ein Wettbewerb stattfinden wird.

2) Wann und wie kamen Sie zum ersten Mal in Berührung mit China?

1995 anlässlich einer Tournee, veranstaltet vom Goethe-Institut. Zunächst besuchte ich Korea und Japan, danach China. Das Konzert fand damals in Peking statt. Danach spielte ich noch in Ulan Bator. Viele Eindrücke stürzten damals in Peking auf mich ein – ich erinnere mich nachhaltig an das Tempo dort, die damalige Aufbruchstimmung.

3) In welcher Weise hat die Begegnung mit China Ihr Schaffen oder Ihr Leben beeinflusst?

Durch Kontakte mit chinesischen Komponisten und Musikern hat sich mein Blickfeld erheblich erweitert. Ich habe damals zum Beispiel Chen Xiaoyong kennengelernt, der ja jetzt in Hamburg lehrt. Auch den Komponisten Guo Wenjing lernte ich kennen, er schrieb dann später ein Stück für mich. Das führte ich einige Jahre später in China auf. Mit Chen Xiaoyong arbeite ich noch heute manchmal an der Musikhochschule Münster oder bei Festivals zusammen.

4) Was war Ihr schönstes Erlebnis in China?

Eines herauszupicken fällt mir schwer. Vor allem ist es für mich immer wieder die chinesische Gastfreundschaft.

5) Was war Ihr unerfreulichstes Erlebnis in China?

Sicherlich gibt es immer Licht und Schatten, aber im Moment fällt mir kein konkretes Ereignis ein.

6) Haben Sie eine chinesische Lieblingsspeise?

Ich liebe gutes Essen im Allgemeinen und bin von der chinesischen Küche sehr beeindruckt. Mir schmeckt so vieles dort gut, ich habe aber keine besondere Lieblingsspeise. Das Essen dort ist für mich immer ein Mix aus vielen Gerichten auf hohem Niveau.

7) Was ist für Sie „typisch Chinesisch“?

Das kann ich schlecht verallgemeinern, ich kenne viele Chinesen, auch Auslandschinesen, die ganz anders sozialisiert sind. Etwas typisch Chinesisches kann ich nicht feststellen. Was ich allerdings auffällig finde, ist, dass – vielleicht historisch bedingt – viele Chinesen ihre eigene Kultur nicht gut kennen. Zum Beispiel habe ich einen jungen chinesischen Studenten, der genial und sehr begabt ist. Er kennt allerdings seine eigene Kultur gar nicht, weiß jedoch alles über die europäische Tradition. Das ist für mich unglaublich.

8) Welche Kulturleistung aus China beeindruckt Sie am meisten?

Das ist für mich das Gedankengut von Konfuzius.

9) Mit wem in China würden Sie gerne einen Tag tauschen?

Das kann ich nicht beantworten. Aber wenn ich die Frage für Deutschland beantworten dürfte: Mit der Bundeskanzlerin – aber das haben schon Andere versucht!

10) Welche Gewohnheit oder Idee aus China würden Sie gerne in Deutschland übernehmen?

Ich reise viel und das Auffälligste finde ich in China – aber auch in Japan oder Korea – immer noch die Gastfreundschaft. Da gibt es einen komplett anderen Umgang mit Gästen, diese Gastfreundlichkeit gibt es in Deutschland in dieser Form einfach überhaupt nicht.