Mauern

Mauern; Foto (Ausschnitt): Andreas Levers, CC BY-SA 2.0, via flickr

Ob physisch, mental oder digital – Mauern können ein Gefühl der Sicherheit geben, indem sie schützen und ordnen. Doch versperren sie dabei auch oft den Blick auf das Gegenüber, auf Gemeinsamkeiten und auf Neues.

25 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer entstehen noch immer neue Schutzwälle, Zäune und Schranken. Sie verlaufen nicht nur zwischen Ländern, sondern schützen Wohnanlagen, sichern Gefängnisse und verbergen Dinge, die wir nicht sehen möchten.

Am stabilsten sind aber letztlich die Mauern in unseren Köpfen. Sie haben oft auch dort noch Bestand, wo physische Barrieren schon längst eingerissen sind. Auch der virtuelle Raum kennt Mauern: die Firewall zum Schutz vor digitalen Eindringlingen oder die Paywall, die kostenlose von kostenpflichtigen Webangeboten trennt. Zudem ist das Internet längst viel fragmentierter, als uns das „WWW“ vor jeder Adresse glauben machen will. Anstelle eines weltweiten Netzes existieren heute mehrere „Internets“ nebeneinander, an die Vision eines grenzenlosen öffentlichen Raumes mag kaum noch jemand glauben. Dabei schufen technische Innovationen einst Hoffnung zur Überwindung kultureller, sprachlicher und politischer Grenzen. „Über die Große Mauer erreichen wir alle Ecken der Welt“, so lautete der Text der ersten chinesischen E-Mail, die im September 1987 von der Technischen Universität Peking an die Universität Karlsruhe in Deutschland geschickt wurde. Ein Missverständnis?