Soziale Architektur Grenzgänger zwischen Architektur und Kunst

OSA | Installation "well, come" am Dortmunder Hafen | Urbane Künste Ruhr 2016
OSA | Installation "well, come" am Dortmunder Hafen | Urbane Künste Ruhr 2016 | Foto: © Volker Hartmann | Urbane Künste Ruhr 2016

Seit 21 Jahren verunsichern die Akteure von osa_office for subversive architecture die Wahrnehmung im Spannungsfeld zwischen Architektur, Design, Performance, Video und Klangkunst. Ihre Installationen waren im Goethe-Institut und im Guggenheim Museum in New York zu sehen. Die silberne Banane auf dem Brandenburger Tor als Denkmal für die Wiedervereinigung Deutschlands blieb ein virtuelles Konzept, vor allem aber verzaubern sie scheinbar belanglose Orte der Stadt in spannende Möglichkeitsräume.
 

OSA gehören zu den Pionieren, die sich als Grenzgänger zwischen den Disziplinen Architektur als sozial relevante Kunst international etabliert haben und die dennoch Außenseiter in der Kunstszene geblieben sind. So ist es kein Wunder, wenn sich die nächste Generation auf OSA als Vorbild beruft: so die britische Architektengruppe Assemble, die 2015 mit dem Turner Preis, der renommiertesten Kunstauszeichnung Großbritanniens ausgezeichnet wurde. Ein Interview mit Bernd Trümpler und Oliver Langbein von OSA.
 
Herr Trümpler, Sie haben gerade die Installation well, come auf der Ruhrtriennale 2016 abgeschlossen, müssten Sie sich nicht jetzt dringend um ein Anschlussprojekt bemühen?
 
Nein, wir akquirieren grundsätzlich nicht.
 
Wie können Sie dann von Ihrer Arbeit als Künstler leben?
 
Oliver Langbein: Das ist genau unser Privileg. OSA ist keine Firma, sondern ein loses Netzwerk aus inzwischen acht Partnern. Ausgehend von Darmstadt, wo bereits in der Studienzeit die ersten Projekte entstanden sind, haben wir uns über London, Hamburg, Berlin, Frankfurt, München, Graz und Wien verteilt. Mittlerweile hat jeder von uns verschiedene berufliche Standbeine, viele lehren an Hochschulen. Wir müssen also nicht von unserer Kunst die Miete zahlen und könnten das auch nicht. Das gibt uns eine enorme Freiheit bei der Wahl unserer Projekte und auch die Freiheit nein zu sagen, wenn die Rahmenbedingungen nicht zu unseren Prinzipien passen.
 
Wie kann man sich das vorstellen?
 
Bernd Trümpler: Auftraggeber von Architekten verlangen oft verschiedene Alternativen für ein Projekt. Wenn man sich – wie wir – Subversivität auf die Fahne geschrieben hat, kann und will man natürlich nicht nach dem Motto arbeiten: „Sie wünschen, wir spielen“. Zu unseren Prinzipien gehört, dass wir nur einen einzigen Vorschlag machen, weil wir überzeugt sind, dass das die beste Lösung für die entsprechende Fragestellung ist. Unsere Auftraggeber sprechen uns an, weil sie genau diese Rigorosität und Unabhängigkeit von uns erwarten, sonst funktioniert eine Zusammenarbeit nicht.
 
Ist es nicht ermüdend nach 20 Jahren immer wieder alles in Frage zu stellen?
 
Oliver Langbein: Das fällt uns nicht schwer. Jeder von uns acht ist ein „Alfa-Tier“, das nicht gerade auf Konsens ausgerichtet ist. Wir könnten nie alle permanent in einem Raum arbeiten und funktionieren nur mit der nötigen räumlichen Distanz. Wir versuchen uns nicht zu verstehen und dieser innere Diskurs garantiert auch die anhaltende Subversivität nach außen.
 
Wie teilen Sie dann die Arbeit untereinander auf?
 
Oliver Langbein: Viele Projekte entstehen durch persönliche Kontakte aus den verschiedenen Standorten heraus. Wenn wir ein Konzept haben, holen wir natürlich die jeweilige Expertise von den anderen Mitgliedern ein. Bei Dortmund lief der Kontakt über mich, da ich hier an der Fachhochschule eine Professur für Szenografie im Fachbereich Design innehabe. Bernd Trümpler ist als gelernter Schreiner mit Architekturstudium und sechs Jahren Assistenz beim Künstler Otmar Hörl für die Realisierung prädestiniert.
 
Möchte man als Architekt nicht lieber Bauten, die lange Bestandhaben errichten?
 
Bernd Trümpler: Das ist ja mein zweites Standbein. So ist ein schöner Nebeneffekt von well, come, dass unser Tragwerksplaner Aran Chadwick von Atelier One, der sonst große dynamische Bühnenaufbauten für Weltstars wie U2 realisiert, ausgerechnet mich mit der Planung seines Privathauses beauftragt hat.

 

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OSA | Installation "well, come" am Dortmunder Hafen | Urbane Künste Ruhr 2016
 

Installation „well, come“ am Dortmunder Hafen

Eine Produktion von Urbane Künste Ruhr für die Ruhrtriennale 2016 im Stahlanarbeitungszentrum Dortmund GmbH & Co KG
Künstler: OSA Office for Subversive Architecture, Karsten Huneck, Oliver Langbein, Bernd Trümpler in Zusammenarbeit mit dem Soundkünstler Florian Kaplick
Kurator: Katja Aßmann, Urbane Künste Ruhr