Connecting Addis through Oral History: Storytelling from Elders "ማን ያውጋ የነበረ ማን ያርዳ የቀበረ"

Dokumentation | 13 Monate des Geschichtenerzählens: Die Stadtviertel von Addis Abeba werden durch die Stimmen ihrer Ältesten verbunden

  • Goethe-Institut Äthiopien, Addis Abeba

13 Months of Storytelling © Netsanet Gebremichael (PhD)

Wir freuen uns, den Start des Projekts „13 Months of Storytelling: Addis Ababa Elders’ Oral History Project“ bekannt zu geben. Diese gemeinsame Pilotinitiative widmet sich der Dokumentation, Bewahrung und Vermittlung mündlicher Überlieferungen. Das Projekt wurde von Dr. Netsanet Gebremichael am Institute of Ethiopian Studies der Addis Ababa University konzipiert und in Partnerschaft mit dem Goethe-Institut in Addis Abeba umgesetzt. Das Addis Neighbourhood Elders Oral History (ANEO) Project verfolgt das Ziel, ein nachhaltiges Oral-History-Archiv aufzubauen, das die Lebenserfahrungen der älteren Generation Addis Abebas erfasst und für kommende Generationen bewahrt.

Das Projekt zielt darauf ab, das reiche kulturelle Erbe der historischen Stadtviertel Addis Abebas durch die Stimmen und Erinnerungen jener Menschen zu dokumentieren, zu rekonstruieren und zu schützen, die den Wandel der Stadt über Generationen hinweg miterlebt haben. Während Addis Abeba sich in den vergangenen mehr als 140 Jahren stetig weiterentwickelt hat, bieten die Erinnerungen seiner älteren Bewohnerinnen und Bewohner wertvolle Einblicke in die soziale, kulturelle und historische Entwicklung der Hauptstadt. Auch wenn die Stimmen der Gründergeneration im Laufe der Zeit weitgehend verstummt sind, ermöglichen die Erzählungen der heutigen Ältesten einen einzigartigen Zugang zu den frühesten noch lebendigen Erinnerungen der Stadt.

Indem das Projekt ältere Menschen als Hüterinnen und Hüter des kollektiven Gedächtnisses sowie als lebendige Träger kulturellen Wissens in den Mittelpunkt stellt, sollen ihre persönlichen Geschichten als unverzichtbarer Bestandteil der Stadtgeschichte bewahrt werden. Die Initiative konzentriert sich auf die Dokumentation, Archivierung und Sicherung von Erinnerungen, die sich gemeinsam mit Addis Abeba über Jahrzehnte hinweg entwickelt haben. Durch die systematische Erhebung mündlicher Überlieferungen wird festgehalten, wie Einwohnerinnen und Einwohner ab 70 Jahren ihre Erfahrungen mit städtischem Leben, gesellschaftlichem Wandel und Gemeinschaftszugehörigkeit wahrnehmen und erzählen.

Das ANEO-Projekt möchte die sensorischen und kulturellen Landschaften der Stadt erfassen, einschließlich ihrer visuellen, haptischen, auditiven, olfaktorischen und kulinarischen Dimensionen. Durch die Fokussierung auf Menschen, die seit mehr als zwei Jahrzehnten in ihren jeweiligen Stadtvierteln leben, entsteht ein wertvolles Archiv generationenübergreifenden Wissens. Dieses spiegelt Addis Abeba als Ort des Wohnens, Arbeitens, der Identitätsbildung und kulturellen Entwicklung wider.

Die Initiative reagiert auf die wachsende Notwendigkeit, die Lücke zwischen Dokumentation und Bewahrung kulturellen Erbes zu schließen. Sie lädt Forschende, Kunstschaffende, Archivarinnen und Archivare, Sammlerinnen und Sammler sowie engagierte Bürgerinnen und Bürger dazu ein, zum Schutz jener Orte, Praktiken und Erinnerungen beizutragen, die das soziale und kulturelle Erbe der Stadt ausmachen. Mithilfe von Oral-History-Methoden und kollaborativer Wissensproduktion soll ein dauerhaftes kulturelles Erinnerungsarchiv entstehen, das die soziale und kulturelle Geschichte Addis Abebas der vergangenen sieben bis acht Jahrzehnte dokumentiert und bewahrt.

Zur Umsetzung dieser Ziele umfasst die Pilotphase vier miteinander verknüpfte Elemente: Oral-History-Trainingsworkshops, öffentliche Vorträge, monatliche Seminare sowie Filmvorführungen, die zwischen dem 23. Juli und dem 21. Oktober stattfinden. Das Programm begann mit einem intensiven Workshop zur Oral-History-Methodik für ausgewählte Teilnehmende und wird anschließend durch eine Reihe öffentlicher Vorträge und Veranstaltungen zum Wissensaustausch erweitert, um ein breiteres akademisches und gesellschaftliches Publikum einzubeziehen.




 * 8. Oktober 2026 | Öffentlicher Vortrag | 17:30 Uhr | Goethe-Institut Äthiopien
„Mündlichkeit und äthiopische Geschichte: Betrachtungen eines professionellen Historikers“
mit Dr. Tekalign Woldemariam

 *12. Oktober 2026 | Workshop (geschlossene Veranstaltung)
„Oral History in der Praxis: Interviewführung, Dokumentation, Archivierung und Bewahrung“
mit Dr. Linde Apel

 * 13. Oktober 2026 | Öffentlicher Vortrag | 15:00–17:00 Uhr | Institute of Ethiopian Studies
„Reflexionen zur Oral History: Geschichte, Methodik und aktuelle digitale Herausforderungen“
mit Dr. Linde Apel