Zwischen Schule, Moschee und Dschungel

Zwei Monate an einer indonesischen Boarding School bedeuteten für mich weit mehr als Unterricht. An der SMA Dwiwarna in Bogor durfte ich Deutsch unterrichten, den Schulalltag kennenlernen und selbst Teil einer Schulgemeinschaft werden, in der Schule, Internatsleben und religiöser Alltag eng miteinander verbunden sind. Gleichzeitig konnte ich Indonesien entdecken und Menschen kennenlernen, die mich mit einer Herzlichkeit aufgenommen haben, die ich nicht vergessen werde.

SCHULWÄRTS!-Praktikum in Indonesien © privat

Eine Schule wie eine eigene kleine Welt

Als Boarding School ist die SMA Dwiwarna nicht nur ein Ort des Unterrichts. Auf dem weitläufigen Gelände befinden sich Internatsgebäude, Mensen, ein Kiosk und eine Moschee. Betreuer kümmern sich um die Schüler, und ein eigener Imam gehört zur Schulgemeinschaft.
Der Tagesablauf ist klar strukturiert: Er beginnt mit einem gemeinsamen Morgenappell, danach folgen Unterricht und feste Gebetszeiten. Besonders beeindruckt hat mich der respektvolle Umgang zwischen Schülern und Lehrern. Die Schüler zeigen ihren Lehrern große Wertschätzung, während die Lehrer ihre Schüler sehr gut kennen und wichtige Bezugspersonen in deren Alltag sind.

Deutschunterricht mit viel Motivation

Zu Beginn meines Praktikums hospitierte ich, später durfte ich selbst Deutsch unterrichten. Die Schüler waren neugierig und motiviert. Besonders spannend war für mich, die Vorbereitung auf die Deutschprüfungen des Goethe-Instituts und den Prüfungstag mitzuerleben. Vor der Prüfung sprachen die Schüler gemeinsam Gebete – ein Moment, der mir besonders in Erinnerung geblieben ist.
In meinem eigenen Unterricht beschäftigte ich mich unter anderem mit dem Thema „Wetter“ auf A1-Niveau. Dabei konnte ich erfahren, wie wichtig ein multicodaler Zugang im Fremdsprachenunterricht ist. Auch der lockere und zugleich respektvolle Umgang zwischen Lehrern und Schülern hat mich für meine eigene zukünftige Unterrichtspraxis geprägt.
  • Flaggenzeremonie in der Schule © privat
  • Praktikantin und Schüler*innen der Schule © privat

Indonesien erleben

Auch außerhalb der Schule konnte ich Indonesien intensiv kennenlernen. Besonders in Erinnerung bleibt mir eine Tour zum Vulkan Ijen, bei der ich den leuchtenden Schwefel am Krater erleben konnte.
Überhaupt waren es vor allem die Menschen, die meinen Aufenthalt geprägt haben. Immer wieder begegnete ich Menschen, die mich unmittelbar wie ein Familienmitglied behandelten. Hilfsbereitschaft und der familiäre Umgang haben meinen Eindruck von Indonesien nachhaltig geprägt.
Auch das Essen, die tropische Natur, die vielen Früchte und der Regen gehörten zu meinen persönlichen Highlights. Als Muslima habe ich außerdem sehr geschätzt, meinen Alltag selbstverständlich mit Gebeten und religiösen Ritualen verbinden und regelmäßig an den gemeinsamen Gebeten in der Moschee der Schule teilnehmen zu können.

Mit neuer Leichtigkeit zurück

Mein SCHULWÄRTS!-Praktikum hat meinen Blick auf Schule, Gemeinschaft und meinen eigenen Alltag verändert. Ich nehme vor allem eine größere Leichtigkeit mit: Dinge nicht immer so schwer zu nehmen, offen auf Menschen zuzugehen und Gemeinschaft bewusster zu leben.
Auch für meinen späteren Lehrerberuf habe ich viel gelernt. Besonders der wertschätzende und gleichzeitig lockere Umgang mit Schülern hat mich über meine eigene Rolle als Lehrerin nachdenken lassen.

SCHULWÄRTS! hat mir den Einstieg in meinen ersten längeren Auslandsaufenthalt sehr erleichtert. Die Unterstützung bei Vorbereitung, Organisation und Betreuung vor Ort gab mir Sicherheit und ermöglichte mir eine Erfahrung, die weit über mein Praktikum hinausgeht.