Tattoos, Körper und Material
1. Mai bis 30. Juni 2026
Kwinnie Lê ist Künstler*in, Forscher*in, Dichter*in und Gestaltwandler*in. They untersucht im Rahmen des fortlaufenden World-Building-Projekts The Land of the Tattooed das derzeitige Revival und die aktuelle Signifikanz traditioneller indigener Hautmarkierungen. They praktiziert selbst solche Hautmarkierungen in der Tradition des vietnamesischen tatu.
2023 erhielt Kwinnie Lê den Doesjenel-Preis. Kwinnie Arbeiten waren zuletzt zu sehen bei TENT Rotterdam (NL), im Museum Rijswijk (NL), im Asian Art Museum San Francisco (USA), im MINO Art Space (BE), im Hotel Maria Kapel (NL) und beim Holland Festival Amsterdam (NL).
In Dresden wird Kwinnie Lê das künstlerische Forschungsprojekt Mistake these Walls for Skin fortsetzen: eine Serie skulpturaler Textilinstallationen und ein neues Kapitel des World-Building-Projekts The Land of the Tattooed. Die Untersuchung gilt den wechselseitigen Beziehungen zwischen ornamental verziertem Material und dem ornamental verzierten Körper. In den indigenen Traditionen wurden oft dieselben Muster für den Körper wie auch für Wandteppiche, geschnitzte Holzsäulen, Töpferwaren etc. verwendet. Auch in der derzeitigen Revival- und Revitalisierungsbewegung ist das so, schon deshalb, weil eine Rekonstruktion traditioneller Körpertattoo-Muster aus Mangel an Schrift- oder fotografischen Quellen methodisch auf die Ornamentik von Artefakten angewiesen ist.
Diese indigene Epistemologie wurde jedoch auch als Waffe eingesetzt, um die Praxis der Hautmarkierung zu diffamieren. Das zeigt sich in der Verflechtung der Anfänge modernistischer Architektur mit dem kolonialen Projekt, insbesondere in der Polemik „Ornament und Verbrechen“, die der österreichische Architekt Adolf Loos 1908 publizierte und in der die Verzierung von Gegenständen als kulturell minderwertig dargestellt und mit dem Tätowieren des Körpers gleichgesetzt wird, wobei er insbesondere auf die papuanische Tätowierungstradition Bezug nahm.
Vor dem Hintergrund dieser inhärent rassistischen Geringschätzung des Ornaments wird Kwinnie Lê in der Architekturgeschichte der Stadt Dresden nach den Wechselwirkungen zwischen Ideologie, Erinnerung, Rekonstruktion und Identität suchen.