Unser Gebäude

Das Gebäude des Goethe-Instituts in Oslo hat eine spannende und vielseitige Geschichte, deren Spuren noch heute zu finden sind. Wir möchten einen Ausschnitt dieser Geschichte des Maridalsveien 33P hier mit Ihnen teilen. Besonders prägend sind die zwei Stolpersteine vor dem Eingang des Instituts, an deren Namensträger wir hier erinnern.

Das Gebäude des Goethe-Instituts Norwegen am Maridalsveien 33P © Goethe-Institut Norwegen

Maridalsveien 33P

Das Gebiet entlang des innerstädtischen Flusses Akerselva war im 18. und 19. Jahrhundert ein Zentrum für Holzverarbeitung. Die strategische Nähe zum Fluss wird auch ein Grund gewesen sein, warum der deutsche Unternehmer Jens Schultz aus Rostock im Jahr 1767 in diesem Gebiet die Fabrik Schultzehaugen errichtete. Das große Gelände war unterteilt in Nedre (niederes) und Øvre (oberes) Schultzehaugen und umfasste Sägewerke, Ziegeleien und mehr. Später wurde die Fabrik von Edvard Erichsen übernommen, der weitere Ziegeleien und Sägewerke hinzufügte. Nach seinem Tod übernahm 1896 die Kristiania Indremisjon, eine Abteilung der evangelischen Stadtmission, das Fabrikgelände. Im Jahr 1898 wurde schließlich ein Backsteingebäude am Straßeneck des ehemaligen Øvre Schultzehaugen erbaut, an deren Adresse Maridalsveien 33P sich heute das Goethe-Institut befindet.

Die Kristiania Indremisjon betrieb auf dem Gelände unterschiedliche soziale Einrichtungen, darunter ein Heim für Arbeitslose, eine Sonntagsschule und ein Altersheim. Bis in die 1950er Jahre blieb zudem eine Werkstatt für Brennholzproduktion erhalten. Nach einem grundlegenden Umbau zu Beginn der 2000er Jahre wurde das ehemalige Fabrikgelände vorwiegend zum Wohngebiet.

Im Eckgebäude Maridalsveien 33P residierten unterschiedlichste Kultur- und Kunsteinrichtungen. 2018 bezog dann das Goethe-Institut Norwegen das Haus. Seitdem weht die grüne Goethe-Flagge an dem schönen Backstein-Eckhaus im Maridalsveien in Oslo, das so viel Geschichte in sich trägt.
 

Zwei Steine. Zwei Namen. Stolpersteine vor dem Goethe-Institut Norwegen

Unser Institutsstandort am Maridalsveien 33P trägt noch weitere Spuren der Geschichte: In den Gehweg vor dem Eckhaus sind zwei Stolpersteine eingelassen. Diese tragen die Namen zweier der insgesamt über 775 Holocaust-Opfer in Norwegen. In einem Langzeitprojekt arbeitet das Jødisk Museum i Oslo (Jüdisches Museum in Oslo) daran, für jeden einzelnen dieser Menschen einen Stolperstein zu legen. Über ganz Norwegen verteilt wurden seit 2010 bereits 757 Stolpersteine verlegt (Stand 12/2025).  Alle Stolpersteine Norwegens und die Namen und Schicksale der Opfer sind auf der Webseite Snublestein.no (no/en) zu finden.

Die Stolpersteine vor unserem Gebäude erinnern an Heinrick Kolnitzansky und Simon Lefkowitz, deren letzter Wohnort vor ihrer Deportation und Ermordung durch das NS-Regime der Maridalsveien 33 war.

Heinrick (Cheim) Kolnitzansky wurde am 01.11.1919 in Warschau in Polen geboren und war Seemann. 1940 kam Heinrick Kolnitzansky über Schweden nach Norwegen und arbeitete als Maschinist in Kristiansand. Im März 1942 wurde ihm die Arbeit dort untersagt und er zog nach Oslo. Anfang Juni 1942 begann eine Polizeisuche nach Heinrick Kolnitzansky, weil er sich nicht in Oslo angemeldet hatte. Am 26.10.1942 wurde er von der norwegischen Polizei festgenommen. Einen Monat später wurde Heinrick Kolnitzansky mit dem Transportschiff „Donau” nach Auschwitz deportiert, wo er am 13.01.1943 starb. Die „Donau”, ein deutsches Lastenschiff, hat in Norwegen eine besondere Bedeutung. Am 26.11.1942 wurden auf der „Donau” 529 norwegische Jüdinnen und Juden nach Deutschland deportiert, unter ihnen Heinrick Kolnitzansky. Nur neun von ihnen kehrten zurück. In Norwegen wird jährlich am 26. November der Opfer des Holocaust gedacht.

Simon Lefkowitz, geboren am 12.05.1883 in Zdunska Wola in Polen, war Friseur. Simon Lefkowitz wanderte 1913 nach Norwegen aus und lebte in Oslo, wo er 1937 verwitwete. Aufgrund von Krankheit wurde Simon Lefkowitz arbeitsunfähig und lebte von Herbst 1942 an in dem von der Kristiania Indremisjon betriebenen Heim für Arbeitslose im Maridalsveien 33. Während der Judenverfolgung in Oslo wurde Simon Lefkowitz im Dezember 1942 von der norwegischen Polizei festgenommen und im Bredtveit-Gefängnis festgehalten. Am 25.02.1943 wurde er mit dem Transportschiff „Gotenland” nach Stettin in Polen und von dort nach Auschwitz deportiert. Er wurde unmittelbar am Tag seiner Ankunft, am 03.03.1943, in den Gaskammern des Konzentrationslagers umgebracht.
 

Autorin: Carlynn Löwisch
 

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