Reinhard Kleists Strich hat Autorität. Seine Kunst ist Weglassen; oft auch Dehnen, Wölben, Ausfransen, Im-Ungefähren-Halten. Er zeigt Tempel, Schreine, eine Bar oder Bäckerei, Straßenansichten, Fahrräder, eine nackte Glühbirne, die einen Buddha beleuchtet. Ist das Sri Lanka, 2017?
Wenn Reinhard Kleist zeichnet, dann versucht er das, was er sieht, in den Zeichnungen so wiederzugeben, dass der Betrachter ein Gefühl für den Ort entwickeln kann. Von Atmosphäre und Stimmung bis hin zu solchen Dingen wie Temperatur.
1516 wurde die Hauptstadt Colombo von den Niederländern besetzt, seit 1518 wollte auch Portgual die Insel als Kolonie, von 1796 bis 1948 herrschten britische Besatzer.
2004, bei einem Tsunami, starben 45.000 Menschen. "Wave", Sonali Deranyiagalas lesenswerter Erinnerungs-Essay über die Katastrophe, wurde 2013 in den USA zum Bestseller.
Buddhismus, Hinduismus, Christentum, Islam: "Sri Lanka" (Bevölkerung: 20 Millionen) heißt "ehrenwerte Insel". Bis zur Südspitze Indiens sind es 200 Kilometer; und von 1983 bis 2009 herrschte ein Bürgerkrieg zwischen den Singhalesen und der größten ethnischen Minderheit, den Tamilen.
Stefan Mesch über Reiseskizzen aus Sri Lanka
Kleists 14 (oft doppelseitige) Sri-Lanka-Skizzen kommen der Ästhetik vieler Kleist-Comics besonders nah: markante Schatten, Männerkörper und -Gesichter, Zwielicht. Ein guter Einstieg!"