Filmkritik | „Black Burns Fast“  Coming-out im Mädcheninternat

Esihle Ndleleni in „Black Burns Fast”. Regie: Sandulela Asanda
Esihle Ndleleni in „Black Burns Fast”. Regie: Sandulela Asanda Foto (Detail): © Urucu Media

Zwei junge Frauen, die eine nerdig und bücherverrrückt, die andere charismatisch-sorglos, finden sich – heimlich. In einem südafrikanischen konservativen Elite-Internat. Ein Debüt über eine warmherzige queere Lovestory, die ein paar Hürden zu überwinden hat. Aber dann ist das Versteckspiel vorbei.

Die beschwingte Coming-of-Age-Komödie Black Burns Fast von Regisseurin Sandulela Asanda spielt in einem renommierten christlichen Mädcheninternat in Südafrika. Dort führt die etwas nerdige Stipendiatin Luthando ein scheinbar perfektes Schulleben – bis die charismatische Unruhestifterin Ayanda auftaucht und sie ganz und gar aus der Bahn wirft.

An der sehr konservativen Schule wird Queerness so behandelt, als gäbe es sie nicht, und Luthando hat Mühe, ihre Gefühle zu verbergen. Als sie plötzlich in den Kreis der coolen Mädchen aufgenommen wird – die sie früher ignoriert haben, sie nun aber in eine aufregende Welt einführen, mit spaßigen Aktionen nach der Schule und neuen Freiheiten –, gerät ihr sorgsam geordnetes Leben aus den Fugen. Nur ihre beste Freundin Jodie versteht, was auf einmal passiert. Sie ist hin- und hergerissen zwischen der Angst, Luthando an deren erste Liebe zu verlieren, und stillem Stolz, als sie sieht, wie die Freundin zu sich selbst findet. Luthando, die lange Zeit als Vorzeigeschülerin und pflichtbewusste Einzeltochter einer alleinerziehenden Mutter, die hohe Erwartungen an sie hat, galt, findet allmählich den Mut, ihre eigenen Wünsche durchzusetzen.

Die etwas andere Highschool-Komödie

Asanda nimmt bewusst Bezug auf den Hollywood-Highschool-Kanon – Anklänge etwa an an Booksmart, Mean Girls und Bottoms finden sich überall –, während die Geschichte selbst in einem eindeutig südafrikanischen Kontext verankert ist. Erfrischenderweise gibt es kein Body-Shaming im Repertoire der coolen Mädchen – die schärfste Beleidigung, die Luthando erdulden muss, ist, als „plain oats“ bezeichnet zu werden, also langweilig zu sein. Interessanterweise ersetzt die Regisseurin das sonst gängige Klischee der coolen, gemeinen Mädchenclique durch einen zugewandten Kreis schwarzer Mädchen, die Luthando auf ihrem Weg unterstützen, anstatt sie zu verurteilen. 
 
Die Erzählung folgt Luthandas Coming-of-Age-Prozess. Sie zeigt zudem die Kämpfe einer Post-Apartheid-Gesellschaft anhand des Mikrokosmos einer Eliteeinrichtung, die immer noch fest an vergangenen Überzeugungen festhält. Luthando beginnt als Überfliegerin, die darauf bedacht ist, eine überwiegend weiße Schulumgebung zufriedenzustellen. Für die Schule verkörpert sie eine symbolische Erfolgsgeschichte. Als eine Klassenkameradin andeutet, Luthanda erfülle lediglich eine Quote, wehrt sich diese deckt damit die rassistischen Hierarchien auf, die die Einrichtung weiterhin strukturieren. Es überrascht nicht, dass die Schule dies zurückweist. Als später ein Video, in dem Luthanda Ayanda küsst, im Internet kursiert, wird nicht der Verursacher bestraft, sondern die Mädchen selbst werden suspendiert. Doch die Geschichte mündet in ein Happy End für Luthando, wobei ihr Streit mit der Schule und der mit ihrer Mutter etwas zu schnell beigelegt wird. 

Erfolgsgeschichte statt Elend

Black Burns Fast singt ein Loblied auf schwarze und queere Mädchen, die sich in elitären und immer noch von den Nachwirkungen der Apartheid geprägten Kreisen bewegen. Ganz im Sinne der Afrobubblegum-Bewegung, die fröhliche Geschichten über erfolgreiche afrikanische Protagonisten erzählt, stellt sich der Film bewusst gegen die von Not und Elend geprägten Filme, die sonst oft die westlichen Festivals dominieren. Mit netten Videospiel-Schnipseln und Slapstick-Einlagen visualisiert Asanda das überschwängliche Innenleben ihrer Heldin, ohne die unangenehmen Brüche der Adoleszenz auszusparen. Das Ergebnis ist das Porträt einer jungen Frau, die lernt, ihre Stimme zu erheben, sich ihren Raum zu nehmen und zu strahlen, wann und wie es ihr gefällt .
 
Nach ihrem Kurzfilm Mirror Mirror, der 2023 in der Sektion Generation 14plus der Berlinale uraufgeführt wurde, kehrt Asanda mit einem höchst unterhaltsamen Spielfilm ins Jugendkino zurück, der Queerness als freudigen Akt der Selbstfindung feiert. Eine dringend benötigte Stimme – und ganz sicher das Gegenteil von langweilig. 
 

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