|
19:00 Uhr
Syrien: Quo Vadis?
Gesprächsveranstaltung|Freiheit, Heimat, Gefängnis, Exil und die Welt
-
ACUD Studio, Berlin
- Sprache Deutsch, Arabisch
- Preis Eintritt frei
- Teil der Reihe: Syrien: Quo Vadis?
An diese intensive Diskussion anknüpfend, werden unsere Gäst*innen am 18. Februar über den Zustand des Exils im Lichte der verlorenen und möglicherweise zurückgewonnenen Heimat reflektieren, über Freiheit, Aufarbeitung und Neuanfänge.
Programm
19:00 – 19:15h | Milad Khawam (Trompete)
Konzert
19:15 – 19:30h | „Syrien: Eine Kartografie der politischen Machtverhältnisse“
Input Vortrag – Yasmin Merei
Die politische Landschaft Syriens ist seit Jahren von Konflikten, Machtverschiebungen und regionalen Einflusszonen geprägt. In diesem kurzen Input bietet Yasmin Merei eine kartografische Orientierungshilfe, um die aktuellen politischen Spaltungen und Machtverhältnisse in Syrien besser zu verstehen. Ziel ist es, eine fundierte Wissensgrundlage zu schaffen, die es ermöglicht, die komplexen Dynamiken des Landes differenzierter einzuordnen.
19:30 – 20:45h | „Die Ewigkeit ist vorbei, die Gegenwart beginnt jetzt“
Lesung und Gespräch
Mit Najat Abed Alsamad, Yassin al-Haj Saleh & Nisren Habib
Moderation: Yasmin Merei
Ob aus Sicht der Prosa, Poesie oder Forschung, ein besonderer Fokus des Abends liegt erneut auf den jüngsten Reisen unserer Gäst*innen nach Syrien, ihrem ersten Besuch seit vielen Jahren. Welche Bedeutung haben die neuen Eindrücke für ihr Schreiben, ihre Themen? Unsere Gäst*innen werden nicht nur ihre Eindrücke und Reflexionen über die aktuellen Gegebenheiten mit uns teilen, sondern auch Wege aufzeigen, wie durch Literatur und Forschung ein Beitrag zum Wiederaufbau geleistet werden kann.
Der Schriftsteller Yassin al-Haj Saleh, eine der bedeutendsten Stimmen der syrischen Opposition, hat wie kaum ein anderer die Härten von Gefangenschaft, Widerstand und Exil durchlebt. Sein unerschütterlicher Einsatz für eine freie syrische Gesellschaft spiegelt sich in seinem Schreiben wider – der Dokumentarfilm „Our Terrible Country“ (2014) zeichnet ein eindringliches Bild seines Weges. Doch was bedeuten die aktuellen Entwicklungen für sein Werk und seine Perspektive?
Die Geschlechterforscherin Nisren Habib untersucht die Bedeutung der Dokumentation der Erfahrungen und Erinnerungen von Syrerinnen und Syrern durch feministische Forschungsmethoden als Instrument der Gerechtigkeit. Wie wichtig ist es, diesen Prozess nach dem Sturz des syrischen Regimes fortzusetzen? Und was würde dies für Frauen bedeuten, insbesondere für diejenigen, die eine Rückkehr nach Syrien erwägen? Ist ihre neue Lebensrealität mit dem heutigen Syrien vereinbar?
Auch die Schriftstellerin und Gynäkologin Najat Abed Alsamad beschäftigt sich mit der Rolle der Frau in Syrien – insbesondere im Kontext der massiven Gewalt und Zerstörung durch den Krieg. Wie verändert sich dadurch eine ganze Familienstruktur? Und welche Auswirkungen wird das nun in Anbetracht des Wandels haben?
Moderiert wird das Gespräch von der Journalistin und Literaturwissenschaftlerin Yasmin Merei.
20:45 – 21:00h | Milad Khawam
Abschlusskonzert
Gäste
Najat Abed Alsamad (*1967 in Suwaida, Syrien) ist Schriftstellerin, Gynäkologin und Geburtshelferin syrischer Herkunft. Sie erwarb unter anderem einen Bachelor-Abschluss in arabischer Sprache und Literatur an der Universität Damaskus. Seit 1994 erschienen mehrere, international beachtete Romane und gesammelte Erzählungen in Verlagen in Syrien, im Libanon und in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Ihr Debütroman "Bilad al-Manafi" ("Nationen des Exils") erschien 2010 bei Riyad al-Rayyes (al-Kawkab) im Libanon. Najat Abed Alsamad publiziert darüber hinaus Artikel, Studien und Forschungen in zahlreichen arabischen Zeitungen, Websites und Thinktanks. Im Jahr 2018 erhielt sie für ihren Roman "La Ma’a Yarwiha" ("Kein Wasser stillt ihren Durst", deutsche Übersetzung von Larissa Bender, 2023) den Katara-Preis für arabische Romane. Najat Abed Alsamad lebt seit 2017 in Deutschland.
Yassin al-Haj Saleh (*1961 in Raqqa, Syrien) ist ein syrischer Autor, Intellektueller und ehemaliger politischer Gefangener. Er studierte Medizin und wurde 1980 als Mitglied der Kommunistischen Partei wegen seiner Opposition gegen das Assad-Regime verhaftet und verbrachte 16 Jahre in syrischen Gefängnissen. Seit 2000 schreibt er für verschiedene arabische Zeitungen und Zeitschriften außerhalb Syriens über Politik, Gesellschaft und Kultur und ist Autor und Herausgeber mehrerer Bücher über Syrien. 2012 wurde Yassin al-Haj Saleh mit dem Prinz-Claus-Preis ausgezeichnet, den er nicht selbst entgegennehmen konnte, da er in Damaskus untergetaucht war. 2013 wurde seine Frau Samira in einem Damaskuser Vorort von Damaskus entführt und ist bis heute verschwunden. Yassin al-Haj Saleh lebt seit 2013 im Exil; aktuell in Berlin. Er war von 2017 bis 2019 Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin und anschließend EUME-Fellow der Gerda Henkel Stiftung am Forum Transregionale Studien. 2020 gab er mit Georges Khalil den Essay "Freiheit: Heimat, Gefängnis, Exil und die Welt" heraus, 2023 erschein sein Buch "Darstellung des Schrecklichen. Versuch über das zerstörte Syrien" (Übersetzung ins Deutche von Günther Orth).
Nisren Habib (sie/ihr) ist feministische Forscherin und Gender-Beraterin und leitet derzeit die Feministische Forschungseinheit bei Women Now e.V., mit einem Fokus auf soziale und politische Gerechtigkeit aus einer feministischen Perspektive in Syrien. Sie absolvierte 2005 ihren Bachelor in IT-Ingenieurwesen an der Universität Damaskus und erwarb 2016 ihr Diplom in Frauenstudien an der Arabischen Universität Beirut. Nisren setzte ihren akademischen Weg fort, indem sie von 2017 bis 2019 ein Gender-Studies-Programm an der Humboldt-Universität absolvierte. Im Jahr 2022 erhielt sie ihren Masterabschluss in Amerikanistik an der Humboldt-Universität und vertiefte damit ihr Verständnis für intersektionalen Feminismus und Aktivismus. Derzeit ist sie Doktorandin und forscht zur Schnittstelle zwischen nationalen Konzepten und Geschlechterrollen in Syrien.
Milad Khawam ist ein musikalischer Geschichtenerzähler, Komponist, Produzent und Trompeter aus Damaskus, der jetzt in Berlin lebt. Er verschmilzt die Essenz klassischer und arabischer Musik mit elektronischen Elementen und schafft so einen reichen Klangteppich. Seine Alben „TO THE WEST“ (2020) und „FUNERAL ON THE MOON“ (2023) spiegeln jeweils eine persönliche Erfahrung wider.
Yasmin Merei (*1984 in Homs, Syrien) ist eine Journalistin, Frauenrechtlerin und Expertin für Kommunikation, politische Bildung und Führungstraining. Sie setzt sich leidenschaftlich für soziale Gleichberechtigung und die Stärkung marginalisierter Gruppen ein. Von 2013 bis 2016 war sie Chefredakteurin des Frauenmagazins Saiedet Souria und mitbegründete das Forum für Wissen und Meinungsfreiheit in der Türkei, eine bedeutende syrische Dialoginitiative im Exil.
Im Jahr 2015 erhielt sie das Feuchtwanger-Stipendium der Villa Aurora in Los Angeles und arbeitete bis 2018 mit Sasha Waltz & Guests in Zusammenarbeit mit der Allianz Foundation.
Seit 2020 widmet sich Yasmin Merei dem Projekt Women for Common Spaces, das sie in Berlin gegründet hat, um das Gedächtnis von Frauen im Exil zu bewahren und junge geflüchtete Frauen in Führungskompetenzen zu schulen. Zudem arbeitet sie als Medien- und Advocacy-Beraterin, hat Abschlüsse in Arabischer Literatur und Linguistik und absolviert derzeit einen Masterstudiengang in Internationalen Beziehungen an der École supérieure de journalisme de Paris.