Wie Rassismus und Imperialismus eine Beziehung prägen  Verliebt – Über Grenzen hinweg

Verliebt – Über Grenzen hinweg Illustration: © Ljubov Terukova

Es ist Sommer 2024. Der 17-jährige Jhan aus Peru und die 18-jährige Roosi aus Estland haben sich an der UWC International School ineinander verliebt. Zwei junge Menschen erkunden in der Folge, wie Geschichte, Rassismus und Imperialismus ihre Beziehung prägen. Sie verweben dabei persönliche Momente mit Reflexionen über Macht, Identität und das Erbe des Kolonialismus in der heutigen Welt.

Endlich sind wir wieder zusammen, nach Monaten der Trennung, unterschiedlichen Zeitzonen und Videogesprächen. Ein Ausschnitt aus einem der ersten Gespräche in unserer Beziehung über ethnische und nationale Herkunft, gefolgt von vielen weiteren, in denen wir darüber nachdenken, wie Macht, Herrschaft und Unterdrückung in die geopolitischen und historischen Kontexte der Orte verwoben sind, die wir unser Zuhause nennen, in die Hintergründe und Identitäten, durch die wir uns selbst kennen und durch die die Welt uns definiert.
Entschuldige, Roosi! Ich möchte nicht, dass sich alles nur darum dreht, dass wir in einer interkulturellen Beziehung sind.“
Jhan
 

Geopolitische Beziehungen

J:
Bevor ich letzten Sommer nach Estland reiste, um Roosi zu besuchen, machte ich einen Zwischenstopp am Flughafen von Panama. Als Reisebericht schickte ich ein Foto von einem kleinen Graffiti in einer Toilette: „Fuck US imperialism“.

Eine Botschaft, die man sich an den Wänden in Estland kaum vorstellen könnte. Denn in Estland gelten die USA als lebenswichtige Rettungsleine, die durch die NATO die Souveränität sichert. In Abya Yala (indigener Begriff für Amerika) sieht es anders aus: Imperialismus, Missbrauch und Ausbeutung, Sturz von Regierungen, Unterstützung von Diktaturen und die Begünstigung der Ausbeutung durch Konzerne.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, noch bevor Nazi-Deutschland Zyklon B in Gaskammern einsetzte, wurde dieselbe giftige Chemikalie an der Grenze zwischen den USA und Mexiko verwendet. Mexikanische Migrant*innen wurden im Rahmen von „Hygiene“-Programmen in Chemikalienbäder gezwungen. Auf demselben Land, das die USA 1848 von Mexiko eroberten. Auf dem geraubten Land, das Mexiko laut eines Vertrags abtreten musste – etwa 55 Prozent seines Territoriums, ein Gebiet, das heute Teil von acht US-Bundesstaaten ist. Auf demselben gestohlenen Land, wo die heutige Grenzmauer das angestammte Territorium durchschneidet. Wo Anti-Einwanderungsgesetze das Erbe der Eroberung fortsetzen und die Nachkommen genau jener Völker deportieren, die einst vertrieben wurden.

Das Regime von Dina

Während wir diesen Artikel schrieben, schlossen sich Roosi und ich vielen trauernden Familien in Lima an, die Gerechtigkeit und Würde für die über 50 Peruaner*innen (darunter auch Minderjährige) forderten, die bei den Protesten von 2022 und 2023 von staatlichen Kräften getötet wurden. Trotz öffentlicher Empörung und umfassender Dokumentation der Missbräuche bleiben die Täter bis heute unter dem Deckmantel der totalen staatlichen Straffreiheit auf freiem Fuß.

Die Demonstrierenden forderten vor allem den Rücktritt von Dina Boluarte. Diese bleibt nach dem parlamentarischen Putsch gegen Pedro Castillo weiterhin Präsidentin – trotz der Massaker und einer Ablehnungsrate von 98 Prozent in der Bevölkerung. [Boluarte wurde im Oktober 2025 vom peruanischen Parlament des Amtes enthoben. Die Begründung lautete: „dauerhafte moralische Unfähigkeit“. Anm. d. Red.]

Hier werden für mich die Interventionsinteressen der USA deutlich: Durch die unverhohlen imperialistischen Äußerungen der SOUTHCOM-Kommandantin Laura Richardson im Jahr 2022, die Lateinamerika als „unsere Nachbarschaft, reich an seltenen Erden“, aber „von chinesischem Handel überschwemmt“ bezeichnete. Durch die US-Botschafterin in Peru, die einen Tag vor dem Putsch ein Treffen mit dem peruanischen Verteidigungsminister hatte, und die einen Tag nach dem Putsch ihre Unterstützung für das Boluarte-Regime erklärte.

Während des Blutvergießens genehmigte der Kongress des Regimes eine militärische Ausbildung der peruanischen Polizei und Armee durch die USA in „Konfliktregionen“, darunter auch der ländliche Süden, in dem die meisten Massaker verübt wurden.

Eine dieser Regionen ist Apurímac, eine Region, die mir besonders am Herzen liegt, da dort meine Großeltern und Vorfahren leben. Ein Ort, an dem der Rhythmus des täglichen Lebens mit der Maschinerie des Rohstoffabbaus kollidiert.

Dort befindet sich auch die Lagerstätte Las Bambas, eine der größten Kupferminen weltweit. Betrieben wird sie von MMG Limited, einem chinesisch-australischen Unternehmen. Die umliegenden Gemeinden mobilisieren sich seit Jahren, blockieren Autobahnen und erheben ihre Stimmen gegen die Verschmutzung ihrer Flüsse und ihres Landes.

Aber wer hört schon zu? Ist das neu? Warum geht das weiter?

China musste kein System zur Ausbeutung von Reichtümern erfinden; es übernahm ein System, das bereits von den USA ausgefeilt und durch Freihandelsabkommen, Investor-Staat-Streitbeilegungsverfahren und Schiedsgerichte wie das ICSID (International Centre for Settlement of Investment Disputes) gefestigt worden war.

Es ist eine gut dokumentierte Tatsache, dass es beim Imperialismus in Abya Yala nie nur um direkte militärische Besetzung oder offene politische Kontrolle ging. Stattdessen ist sein beständigstes Vermächtnis der Aufbau einer rechtlichen, finanziellen und politischen Architektur, die ausländisches Kapital systematisch gegenüber den Rechten lokaler Gemeinschaften privilegiert.

In Peru ist es kein Zufall, dass unsere derzeitige Verfassung während der Diktatur von Fujimori durchgesetzt wurde; ihr Wirtschaftsmodell von 1993, das wie im übrigen Lateinamerika stark vom Washington-Konsens geprägt war, legte den Grundstein für einen gesetzlich abgesicherten Rohstoffabbau.

In der Praxis zwingt diese Struktur den peruanischen Staat dazu, künftige Verträge zu Bedingungen abzuschließen, die nicht geändert werden können, ohne Klagen in Millionenhöhe zu riskieren. Nehmen wir Doe Run, ein US-Bergbauunternehmen, das eine peruanische Stadt so stark verschmutzte, dass sie zu einer der giftigsten Städte der Welt wurde. Als Peru versuchte, das Unternehmen zur Rechenschaft zu ziehen, verklagte Doe Run den Staat auf 800 Millionen Dollar.

Ob der Ausbeuter nun die Wall Street oder Shanghai vertritt – solange der vom Neoliberalismus nach US-amerikanischem Vorbild auferlegte Rechtsrahmen intakt bleibt, wird die lokale Bevölkerung weiterhin die Kosten des globalen Konsums tragen. Deshalb war ein neuer partizipativer Verfassungsgebungsprozess – im Wesentlichen eine vom Volk entworfene Verfassung – eine zentrale Forderung der jüngsten Proteste, nicht als Selbstzweck, sondern als Instrument, um mit dem rechtlichen Rückgrat des Rohstoff-Extraktivismus zu brechen.

Das Erbe des Kolonialismus in Bezug auf das „Weißsein“

Am Tag vor Roosis Ankunft in Lima fragte meine Tante am Esstisch: „Wann kommt Roosi?“ Ich antworte: „Morgen.“ Ihr Mann lächelt: „Guter Junge, du wirst die Rasse verbessern.“ Der Satz lässt die Luft erstarren. Alle lachen verlegen. Der Geist war eingetreten.

Ein Satz, der Peru seit Jahrhunderten verfolgt. Unter dem spanischen Kolonialismus bestimmte die Kaste den Wert. Weißsein bedeutete Zugang zu Rechten, Land und Würde.

Diese Logik verschwand nicht mit der Unabhängigkeit; sie wurde nur umbenannt. Durch die nationale Ideologie des Mestizaje, der „Vermischung der Rassen“, wurde eine Rassenhierarchie gefestigt. Dabei wurde das „Weißwerden“ – biologisch, kulturell und sozial – als erstrebenswert positioniert. Mestizaje wurde sowohl zum Mythos der Inklusion als auch zur Strategie der Auslöschung: Indigene und Schwarze Identitäten wurden in eine imaginäre, homogene Mestizo-Nation subsumiert. Während Weißsein das Ideal blieb. Daran erinnert mich Aníbal Quijanos Arbeit zur Kolonialität der Macht: „Rasse fungiert weiterhin als Ordnungsprinzip moderner Gesellschaften in Lateinamerika, trotz des Endes der formellen Kolonialherrschaft“.

Das ist nicht nur Theorie. In den 1990er Jahren wurden über 200.000 indigene Frauen im Rahmen von USAID-finanzierten Programmen zur Armutsbekämpfung zwangssterilisiert. Nur 6,7 Prozent der indigenen Jugendlichen erreichen eine höhere Bildung. COVID forderte unter indigenen Peruaner*innen aufgrund mangelnder Gesundheitsversorgung dreimal so viele Todesopfer wie im nationalen Durchschnitt. Die meisten Todesfälle infolge von Protesten betreffen ebenfalls indigene Menschen, und indigene Sprachen (47 sind in Peru offiziell anerkannt) werden in der staatlichen Praxis nicht berücksichtigt, da nur 1 Prozent der Gerichtsverfahren in ihnen geführt werden.

Roosis Anwesenheit ruft Faszination und Bewunderung hervor, ja sogar ein Gefühl der Bestätigung. Sie wird willkommen geheißen, aber auch objektiviert; gefeiert, aber auch auf ein Symbol eines fortbestehenden Rassenmythos reduziert.

Doch ich glaube, dass das Unbehagen im Raum von Bedeutung ist. Die verlegenen Lächeln deuten darauf hin, dass sich etwas verschiebt, dass der Satz nicht mehr so leichtfällt wie einst. Es herrscht Unbehagen. Ein Riss. Und durch diesen Riss beginnt der Mythos zu wanken.

Rassismus in Estland

R:
Was jedoch Jhans Erfahrungen in der estnischen Gesellschaft angeht, wirken sich die verlegenen Lächeln und Kommentare ganz anders aus.

Während Jhans erstem Besuch in Estland im letzten Sommer genießen wir einen gemütlichen Sommerabend mit Freunden und kaufen Snacks in einem Supermarkt in Tartu. Da er nichts kauft, steht er außerhalb der Warteschlange, lacht und unterhält sich mit uns, während wir an der Kasse bezahlen. Plötzlich kommt ein Sicherheitsbeamter auf ihn zu und bittet ihn, seine Tragetasche kontrollieren zu dürfen. Für Jhan ist das eine Kleinigkeit, da regelmäßige Taschenkontrollen in peruanischen Supermärkten üblich sind. Wir anderen stehen jedoch überrascht und verwirrt da. Wir haben unser ganzes Leben in Estland verbracht, und keiner von uns hat jemals etwas Ähnliches erlebt oder auch nur gesehen, dass es jemand anderem passiert ist. Die Frage bleibt: Beruhte diese Situation auf rassistischem Misstrauen oder handelte es sich wirklich nur um eine ungewöhnliche Stichprobenkontrolle?

Ein anderer Moment: Eine Frau mittleren Alters fragt mit scheinbar unschuldiger Neugier
  • „Ist Peru so gewalttätig wie Kolumbien?“
  • „Peru ist wie Kolumbien, oder? Probleme mit den Drogen?“
  • „Menschen, die sich auf der Straße gegenseitig umbringen?“
  • „Ist es sicher, dort herumzulaufen?“
  • „Du kommst aus Lima? Nicht vom Land?“
  • „Deine Eltern sind vom Land in die Stadt ausgewandert? Also sind sie Bauern, oder?“

Unschuldige Fragen des interkulturellen Austauschs? Aber unschuldig für wen?

Ich glaube, die Fragen offenbaren Vorurteile: Lateinamerika bedeutet Gewalt und Drogenkrieg. Eine dunkle Hautfarbe bedeutet automatisch Armut.

Fragen, die auf Stereotypen basieren, werden mit solcher Leichtigkeit und Normalität gestellt, dass sie die breiteren Strukturen der Manifestation von Rassismus in den heutigen „nicht-rassistischen“ westlichen Gesellschaften offenbaren. Wo trotz der heuchlerisch gepredigten Werte der Nichtdiskriminierung „neorassistische“ Narrative – das Ausdrücken negativer Ansichten über rassifizierte Gruppen, ohne tatsächlich den Begriff der Rasse zu verwenden – nach wie vor stark bestehen.

Während sich der neue Rassismus hinter „geschönten“ Stereotypen verbirgt, werden direkte und gewalttätige rassistische Praktiken in der europäischen Öffentlichkeit zunehmend normalisiert, mit der wachsenden Popularität der extremen Rechten.

Von Mikroaggressionen und struktureller Diskriminierung bis hin zu körperlichen Übergriffen. Ein alarmierender Trend, der beispielsweise beim Spaziergang durch die Straßen von Tallinn zu beobachten ist, wird zunehmend normalisiert. AC, Graffiti. Hinter den Initialen verbirgt sich der „Active Club“ – eine Bewegung, die eine angebliche weiße Überlegenheit predigt und die sich an Jugendliche, insbesondere junge Männer, richtet und sich durch Kampfsportarten und Fight Clubs profiliert. Ursprünglich in den USA entstanden, hat sie mittlerweile ein schnell wachsendes Netzwerk im Ausland aufgebaut, das in verschiedenen europäischen Ländern, und eben auch in Estland, präsent ist.

Die Praxis des Rassismus ist verwurzelt in und wird gerechtfertigt durch die eigene Wahrnehmung des eigenen Weißseins innerhalb des Rahmens der „weißen Vorherrschaft“. In Estland ist dies jedoch besonders widersprüchlich, wenn man den Kontext von 700 Jahren Sklaverei betrachtet, in denen die estnischen Bauern und Bäuerinnen selbst Gewalt ausgesetzt waren, die im System der weißen und „höheren zivilisatorischen Überlegenheit“ der Deutschen und Russen verwurzelt war.

Wann wird man also „weiß“?

Der Prozess, in dem Osteuropa im Rahmen des postsowjetischen Wiederaufbaus seine eigene Identität zurückerobert, wurde von Ian Law und Nikolay Zakharov in ihren Überlegungen zur Suche der Osteuropäer*innen nach ihrer ethnischen Identität untersucht. Dabei versuchten sie, sich zu verwestlichen und vom „peripheren Weißsein“ zu distanzieren, indem sie ihr Aussehen, ihr Verhalten und ihre Kultur anpassten, um den aktuellen Normen des „europäischen Weißseins“ zu entsprechen.

Persönliche Reflexionen über die Position als Estin

Wir Est*innen legen großen Wert darauf, uns zu Recht an unsere blutige Vergangenheit zu erinnern. Aber hat uns die Erzählung von der Unterdrückung auch blind gemacht für die Komplizenschaft an den blutigen Profiten, die wir heute erhalten?

Als Kind der ersten postsowjetischen Generation wurde ich dazu erzogen, mich an die Geschichte der Besatzung und Unterdrückung Estlands und meiner Familie zu erinnern, und ich trage die Fragmente eines kollektiven Gedächtnisses in mir, das ich selbst nicht erlebt habe. Die Dringlichkeit des Beitritts zur EU und zur NATO zum Zwecke des Überlebens hallt bei mir nicht mehr so tief nach wie 2004, als laut Toivo Raun die EU-Integration als die bedeutendste Errungenschaft der letzten zwei Jahrzehnte angesehen wurde. Neben dem Stolz, Estin zu sein, wurde ich auch in eine umfassendere europäische Identität und den Glauben an die moralische Größe der EU und der „EU-Werte“ sozialisiert. Ein Diskurs, den ich als Unterstützung durch die EU verstehe, spielte eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau der postsowjetischen estnischen Prekarität.

Doch einer, dem ich nicht zustimme.

Angefangen bei den unvorstellbaren Gräueltaten, die der israelische Staat über fast zwei Jahre hinweg in Gaza begangen hat. Ein Völkermord, der rund um die Uhr live übertragen wurde, den die EU-Staats- und Regierungschefs jedoch ignorieren wollten.

Moment mal? Wie bitte?! Was war das?! Ignorieren? Ein Völkermord, der jedoch von den meisten EU-Ländern finanziert und unterstützt wird.

Wir haben keine Sanktionen gesehen, sondern laute Komplizenschaft seitens der EU-Länder. Dieselben, die unter dem Deckmantel des Schutzes der Menschenrechte und der Verpflichtung zum Völkerrecht gerne ihre moralische Größe betonen.

Von politischer zu wirtschaftlicher Komplizenschaft ist der Weg nicht kurz.

Jason Hickels Buch The Divide befasst sich mit dem Konzept des ungleichen Austauschs von Arbeitskraft. Zwischen 1990 und 2015 transferierte der Globale Süden ungleich verteilte Arbeitskraft und Ressourcen im Wert von über 242 Billionen Dollar an den Globalen Norden – und subventionierte damit dessen BIP in diesem Zeitraum um ein Viertel. Der ungleiche Austausch zeigt, wie sich der Globale Norden riesige Mengen an Arbeit und Ressourcen aneignet, indem er die Bezahlung für Arbeitskräfte und Rohstoffe unterbewertet und so den Großteil des Wertes exportiert.

Strukturelle wirtschaftliche Ungleichgewichte in Handel, Löhnen, internationaler Verschuldung und globalen Governance-Mechanismen, zum Beispiel in Form neoliberaler Auflagen des IWF und der Weltbank für die Gewährung von Krediten, schüren weiterhin Ungleichheit, von der nur wenige profitieren.

Strukturelle Anpassungsprogramme, die in den 1980er- und 1990er-Jahren umgesetzt wurden, zwangen viele Länder des Globalen Südens dazu, ihre Sozialprogramme und staatlichen Subventionen im Namen der Marktliberalisierung und als Bedingung für die Gewährung von Krediten zu kürzen. Sie schufen so günstige Bedingungen für ausländische Investitionen und die Ausbeutung durch multinationale Konzerne. Marktbedingungen, unter denen inländische, nicht subventionierte Produkte nicht mit ausländischen konkurrieren konnten – ein Erbe eines Systems, das viele Länder von den Fortschritten zurückwarf, die sie in den 1960er- und 1970er-Jahren bei der Bekämpfung der Armut erzielt hatten.

Vom Reichtum Mitteleuropas, der auf Sklaverei und Kolonialisierung aufgebaut war, bis hin zu den transnationalen Konzernen von heute. Die Kreisläufe von Ungleichheit und Ausbeutung können nicht durchbrochen werden, ohne die Systeme umzustrukturieren, die die Gier der Konzerne ermöglichen und den immensen Reichtum einiger weniger über die Würde aller stellen. Eine neoliberale Logik, die auf der unbegrenzten Ausbeutung von Ressourcen basiert.

Ich glaube, dass wir als Est*innen öfter einen genaueren Blick darauf werfen und in unserer heutigen Position Verantwortung dafür übernehmen sollten, dass wir vom Reichtum Europas profitieren, der durch ausbeuterische und blutige Praktiken erlangt wurde.

Liebe, die Grenzen überschreitet, ist nicht neutral. Sie bedeutet, sich mit Macht, Geschichte und den Wünschen auseinanderzusetzen, die wir unbewusst geerbt haben. Aber Liebe kann auch Widerstand leisten. Radikal zu lieben bedeutet, die Logik von Rassismus, Patriarchat und Kapitalismus zu verlernen. Es bedeutet, die Hierarchien abzuschaffen, die Intimität prägen. In unserem Fall war Liebe ein Ort großer Reflexion.

Perspectives_Logo Dieser Artikel erschien zuerst in der estnischen Zeitschrift Narvamus, einer unserer Medienpartner für PERSPECTIVES – dem neuen Label für unabhängigen, konstruktiven, multiperspektivischen Journalismus. JÁDU setzt dieses von der EU co-finanzierte Projekt mit sechs weiteren Redaktionen aus Mittelosteuropa unter Federführung des Goethe-Instituts um. >>> Mehr über PERSPECTIVES

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