Vortrag

Misstrauen

Von Nutzen und Last eines negativen Gefühls

Misstrauen © Chuttersnap / Unsplash
12. Mai
11:30–13:00 Uhr
Das Misstrauen hat einen schlechten Ruf: Wer besonders misstrauisch auftritt, gilt schnell als verschlagen, pessimistisch, überkritisch. Und doch kommt dem Misstrauen eine größere Bedeutung zu, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Würden wir Fremdem und Neuem stets vertrauen, machte uns das anfällig für Manipulation, Betrug und Missbrauch. Eine gesunde Skepsis kann dazu beitragen, dass Lügen entlarvt, Betrugsversuche aufgedeckt, Verbrechen verhindert werden. In einer Reihe von kurzen Vorträgen widmen wir uns Nutzen und Last dieser negativen Emotion.

Alles ist möglich? Skeptizismus und Misstrauen in der Wissenschaft (Silvia Caprioglio Panizza)
In ihrem Vortrag beleuchtet die Philosophin Silvia Caprioglio Panizza, wie durch soziale Ungerechtigkeit, Rassismus oder erfahrenes Leid Misstrauen entstehen kann – und warum dennoch gerade auch privilegierte Gruppen oft misstrauisch sind. Aus philosophischer Sicht gehen viele Verschwörungstheorien auf eine Form des Skeptizismus zurück, und auf die Vorstellung, dass es keinen Beweis für eine eindeutige Wahrheit gibt: Inwiefern hängt Skepsis mit dem Verlust von Privilegien und Macht zusammen?

Misstrauen Überwinden. Die Macht der Empathie (Claire Yorke)
Darüber, wie Empathie dazu beitragen kann, Misstrauen ab- und Vertrauen aufzubauen, spricht die Autorin und Wissenschaftlerin Claire Yorke. Als Expertin für die Bedeutung von Empathie und Emotionen in Politik und internationalen Beziehungen, untersucht sie in ihrem Vortrag, welche Chancen und Grenzen Empathie als Werkzeug in der internationalen Sicherheitspolitik birgt und welche Rolle sie bei der Schaffung einer sichereren und stabileren Welt spielen kann.  

Vertrauen und Skepsis im Journalismus. Eine Gratwanderung (Samarth Bansal)
Auch in Journalismus und Medien spielt das Ringen um die Balance aus Vertrauen und Misstrauen eine große Rolle. Der freie Journalist, Autor und Programmierer Samarth Bansal kam über den Datenjournalismus in die Medienarbeit. In seinem Vortrag teilt Samarth Bansal seine persönlichen Erfahrungen und diskutiert, warum Unsicherheiten im Journalismus transparent kommuniziert werden sollten.

Shortselling als ethisches Handeln? Misstrauen in der Finanzbranche (Fahmi Quadir)
Misstrauen spielt auch beim Shortselling eine wichtige Rolle, bei dem Investoren Wertpapiere verkaufen, die sie gar nicht besitzen, um anschließend von einem möglichen Preisverfall zu profitieren. Die Hedgefonds-Managerin Fahmi Quadir hat ihre Strategie auf die Aufdeckung von Unregelmäßigkeiten innerhalb von Unternehmen ausgerichtet. Einem internationalen Publikum wurde die New Yorkerin bekannt, weil sie früher als andere erkannte, dass die nur scheinbar erfolgreiche Wirecard AG ihre Geldgeber in großem Stil belog. Mit Moderatorin Marie-Christine Knop spricht sie über die ethischen Ansprüche hinter ihrer Aktivität als Shortsellerin.

Durch die Veranstaltung führt Marie-Christine Knop.

Mit

Porträt: Samarth Bansal © privat
M. C. Knop © Hoffotografen
Quadir Fahmi © privat
Claire Yorke © King's College London