Über Datenträume

    Über das Projekt
    Datenträume

    Täglich verstehen uns die großen Datensammler etwas besser. Die einstmals große Freiheit in den elektronischen Netzen ist in den vergangenen Jahren auf eine Umsonstkultur geschrumpft und wir merken nicht, dass wir die vielen Dienste, die wir unentgeltlich in Anspruch nehmen mit Datenspuren bezahlen, die wir im Netz hinterlassen. Neue Möglichkeiten sind so entstanden den weltweiten Datenfluss und die realen Bewegungen und Aktivitäten von Menschen zu erfassen, zu verknüpfen und zu bewerten – sei es von staatlicher Seite aus oder durch privatwirtschaftliche Unternehmen.

    Im Gegenzug erleichtern die Netze den Zugang zu Informationen, Kommunikation und Dingen in einer bisher ungekannten Leichtigkeit und Art und Weise, dass wir uns „connected“ fühlen. Dies birgt Chancen und Risiken zugleich. Die digitalen Räume und Netzwerke stellen die tradierten, wenn gleich auch in der Vergangenheit schon immer wieder neu verhandelten Vorstellungen des Gegensatzes von privatem und öffentlichem Raum in Frage und schaffen gleichzeitig neue Möglichkeiten des privaten und öffentlichen Austausches. Ein beständig wachsender Teil unserer Identität verlagert sich in den virtuellen Raum und digitale Elemente werden Bestandteil unseres realen Lebens. Diese digitale Identität wird sowohl von uns selbst bewusst geschaffen und gestaltet, als auch mit automatisiert erfassten Daten auf Grundlage von vielfach nicht frei zugänglichen Algorithmen angereichert.

    In Deutschland und Europa werden diese Entwicklungen teilweise sehr kritisch begleitet und diskutiert, vielfach aber auch mit einer gewissen Ratlosigkeit hingenommen. In den Ländern Ostasiens – so eine Hypothese – gibt es dabei eine große Offenheit, neue Technologien auszuprobieren und diese in das Alltagsleben zu integrieren.

    Neben den im Westen bekannten Internetriesen wie Google, Amazon und Facebook sind in den Ländern Ostasiens mindestens genauso große Unternehmen entstanden, die inzwischen zu den weltweit wichtigsten Playern gehören, wenn es um die Nutzerzahl von digitalen Diensten, technischen Innovationen und digitaler Mobilität geht. Weibo, Alibaba und Weixin bieten Dienste an, die teilweise weit über die Angebote ihrer westlichen Konkurrenten hinausgehen.

    Die unterschiedlichen Gesellschaften haben dabei sehr eigene Interessen, Zielen und Umsetzungslösungen im digitalen Sektor ausgeprägt und sind, obwohl durch dieselbe Technologie vernetzt, sehr unterschiedlich in ihrer Bewertung der Chancen und Risiken. Mit welchen sozialen und rechtlichen Regelungen reagieren die jeweiligen Gesellschaften auf die technischen Möglichkeiten, welche können überhaupt umgesetzt werden, welche gesellschaftlichen und künstlerischen Strategien, welche Kulturtechniken zum Umgang mit der digitalen Identität werden entwickelt?

    Das waren die Ausgangsfragen, mit dem sich die Region Ostasien des Goethe Instituts mit dem Projekt DATENTRÄUME nähert. Die Antworten auf die hier gestellten Fragen aus dem aufgezeigten Spannungsfeld von digitaler Identität und Datenvermessung beeinflussen in entscheidender Weise die Gestaltung unserer Zukunft. Ziel ist es, das Spektrum möglicher Strategien und Antworten auf diese Herausforderungen zu skizzieren. Die Teilnehmer aus Amerika, Europa und Asien reflektieren ihre jeweiligen wissenschaftlichen und künstlerischen Positionen, um so einen intensiven informellen und öffentlichen Austausch in Gang zu setzen.

    Um eine plakative Gegenüberstellung von "individuellem Westen" und "kollektiven Osten" zu vermeiden liegt der Fokus zum einen auf einer Recherche, in der wir die Herangehensweisen an die Fragen des Datenschutzes und der rechtlichen Regelungen zur Datenerfassung im Internet in den einzelnen Ländern (namentlich China, Japan, Korea, Mongolei und Taiwan) untersuchen (in Korea z.B. sind die Datenschutzregelungen – der auch dort allgegenwärtigen Überwachung des öffentlichen Raumes zum Trotz – außerordentlich streng).

    Zum einen beschäftigt sich Datenträume deswegen mit der Tatsache, dass sich gerade in der Region Ostasien eine ganze Reihe von Plattformen und Anbietern digitaler Dienste mit jeweils ganz spezifischen Ausprägungen der Internetnutzung entwickelt hat. Sprachkompetenz und Sensibilität für kulturelle Eigenheiten sind ein Teil der Erfolgsgeschichte.

    Zum anderen konzentriert sich das Projekt dann auf das Thema digitaler Identitäten und geht der Frage nach, wie sich Leben ins Netz verlagert, welches Eigenleben es dort entwickelt, welche Rückkopplungen es aufgrund des tatsächlichen oder eingebildeten Zwangs zur permanenten digitalen Präsenz auf das reale Leben gibt. Parallel dazu wird das tägliche Leben immer stärker durch digitale Elemente geprägt, ohne dass uns das bewusst wird. Was passiert, wenn sich das Leben, soziale Kontakte und Begegnungen immer mehr im virtuellen Raum abspielen, diese das reale Leben überlagern oder sogar ersetzen? Oder wenn das reale Leben aufgrund seiner digitalen Erfassung permanent im virtuellen Raum gespiegelt wird?

    Datenträume ist ein Gemeinschaftsprojekt der Goethe Institute in Hongkong, Peking, Seoul, Shanghai, Taipei, Tokyo und Ulan-Bator.

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