Digitale Bibliotheken

Onleihe – Digitale Medien per Mausklick

Sprachflagge
Onleihe-Benutzer; Cop.: DiViBib GmbH
Onleihe-Benutzer
Vier Stadtbibliotheken in Deutschland bieten ihren Nutzern die Möglichkeit, digitale Medien per Download auszuleihen. Mit der so genannten "Onleihe" haben sie den ersten großen Schritt zur digitalen Bibliothek vollzogen.


Ein verregneter Sonntagabend auf dem Lande. Ein Laptop mit Internetzugang. Eine spontane Idee: den nächsten Urlaub planen. Jetzt fehlt nur noch ein Reiseführer. Dass der in einem Magazinregal der Bibliothek in der Stadt steht, ist kein Problem. Auch nicht, dass kein Bus mehr dorthin fährt und dass die Bibliothek sonntags nicht geöffnet hat. Leicht lässt sich der Reiseführer über die Bibliothekshomepage finden und nach ein paar Mausklicks erscheint er in seiner elektronischen Version auf dem Laptop. Die Urlaubsplanung kann beginnen.

Was vor weinigen Jahren noch nach Traumvision klang, ist heute in vier deutschen Städten Realität. Die Nutzer der Bücherhallen Hamburg, der StadtBibliothek Köln, der Stadtbücherei Würzburg und der Münchner Stadtbibliothek können digitale Medien – wie zum Beispiel E-Books oder Musikdateien – online ausleihen.

Bequem und schnell

Die Onleihe funktioniert denkbar einfach über den Internet-Auftritt der jeweiligen Bibliothek. Im Online-Katalog sind die Medien über eine Suchfunktion leicht zu finden. Zu jedem Titel gibt es eine Vorschau, so dass der Nutzer Auszüge zur Probe lesen, hören oder anschauen kann. Nachdem er sich mit einem Benutzernamen und Passwort als registrierter Benutzer der jeweiligen Stadtbibliothek ausgewiesen hat, kann er das gewünschte Medium dann auf seinen Computer herunterladen.

Wie bei der herkömmlichen Ausleihe können die Titel nur für eine bestimmte Zeit genutzt werden. Doch bei der Onleihe gibt es kein Überschreiten der Leihfrist und damit keine Mahnungen und keine Strafgebühren. Ein Digital-Rights-Management (DRM) sorgt dafür, dass das Medium lediglich innerhalb der vorgesehenen Ausleihdauer genutzt werden kann. Ist die Frist abgelaufen, deaktiviert es sich automatisch auf dem Rechner des Bibliotheksnutzers und steht dann sofort dem nächsten Interessenten zur Verfügung.

Wachsendes Medienangebot

Onleihe-Benutzer; Cop.: DiViBib GmbH
Onleihe-Benutzer
Das DRM sorgt zudem dafür, dass die Bibliothek – ganz wie bei den nicht-digitalen Beständen – immer nur so wie viele Exemplare gleichzeitig verleihen kann, wie sie tatsächlich erworben hat. Das ist für Verlage und andere Medienanbieter, mit denen Lizenzmodelle ausgehandelt wurden, von zentraler Bedeutung.

Die vier Öffentlichen Bibliotheken, die zurzeit die Onleihe anbieten, bauen ihr digitales Medienangebot, zu dem E-Papers, Hörbücher, Musik, Videos und E-Books gehören, beständig entsprechend nach den Bedürfnissen und Wünschen der Nutzer aus. Die "Virtuelle Münchner Stadtbibliothek" ist beispielsweise mit 8.000 digitalen Medien gestartet – darunter sind Lexika, Sprachführer, Lernhilfen, Hörspiele für Kinder, Ratgeber, das Nachrichtenmagazin Der Spiegel, Reisevideos, klassische Musik, Jazz und Blues und vieles mehr.

Innovatives Gemeinschaftsprojekt

Das Angebot Onleihe wurde von DiViBib GmbH zusammen mit den vier Pilot-Bibliotheken entwickelt. Das Unternehmen, eine Tochterfirma der ekz.bibliotheksservice GmbH, hat sich zum Ziel gesetzt, das Geschäftsmodell Öffentlicher Bibliotheken in die digitale Welt des Internets zu übertragen.

Die DiViBib GmbH unterstützt die Bibliotheken dabei, die Onleihe in ihr Angebot zu integrieren – sie hilft zum Beispiel bei der Anpassung des Designs und bei der Herstellung der technischen Schnittstellen. Darüber hinaus übernimmt sie den Betrieb der Onleihe. Die Bibliotheken sind jedoch weiterhin für das Bestandsmanagement verantwortlich und legen die Bedingungen für die Nutzung des Angebots fest.

Unabweisbare Vorteile

Die Vorteile, die die Onleihe sowohl für die Nutzer als auch für die Bibliotheken hat, liegen auf der Hand. Das Angebot steht rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche zur Verfügung und kann im Prinzip von jedem Ort der Welt genutzt werden. Binnen weniger Minuten ist das Medium dort, wo es gebraucht wird. Der Weg in die Bibliothek, der bei eingeschränkter Mobilität oder je nach Wohnort, lang und beschwerlich sein kann, entfällt. Und weil die Onleihe zeitliche und räumliche Barrieren abbaut, lässt sie sich auch als ein Beitrag zur Demokratisierung von Wissen und Information verstehen.

Mit dem bequemen Weg zum digitalen Medium versuchen die Bibliotheken zudem auch neue Nutzergruppen zu gewinnen. Dazu gehören zum einen die Berufstätigen, die es zeitlich nicht schaffen, die Bibliothek aufzusuchen. Zum anderen gehen die Öffentlichen Bibliotheken, die eine digitale Bibliothek anbieten, gezielt auf die Bedürfnisse der jungen, vom Web 2.0 begeisterten Generation und deren Mediennutzungsverhalten ein.

Weitere Schritte

Die erste Bilanz der Onleihe ist durchaus positiv. Bereits in den ersten drei Monaten wurden rund eine halbe Million Pageviews verzeichnet und bis Ende 2007 sollen weitere Öffentliche Bibliotheken – unter anderem in Berlin, Frankfurt an der Oder, Oldenburg, Hamm und Düsseldorf – einen Online-Ableger erhalten.

Damit steht die Entwicklung aber erst am Anfang. Die DiViBib GmbH arbeitet weiterhin an Lösungen, um noch bestehende Barrieren abzubauen. So funktioniert die Onleihe bislang nur mit den neueren Windows-Betriebssystemen. Nutzer, die mit Apple und Linux arbeiten, können noch keine audiovisuellen Medien via Download ausleihen, Linux-Nutzer sind darüber hinaus zurzeit auch von der Nutzung von E-Books und E-Papers ausgeschlossen.

Neben diesen technischen Fragen ist für den weiteren Erfolg des Projekts aber vor allem der Bestand an online ausleihbaren Medien in den Bibliotheken ausschlaggebend. Das Angebot umfasst zwar zurzeit 25.000 Titel, aber einige Verlage müssen erst noch davon überzeugt werden, ihre digitalen Medien wie E-Books oder Hörbücher zur Verfügung zu stellen – damit man sich demnächst am fernen Ferienziel aus einer großen Auswahl die geeignete Urlaubslektüre auf den Rechner laden kann.

Dagmar Giersberg
arbeitet als freie Publizistin in Bonn

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August 2007

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