eBooks on Demand: Die digitale Bibliothek wird real

Dass Bücher aus den Beständen der großen traditionsreichen Bibliotheken Europas von jedem Computer der Welt aus eingesehen werden können, ist eine lang gehegte Vision. Mit dem Internet-Service eBooks on Demand wird diese Vision nun real.
Bereits seit einigen Jahren steht das Stichwort "Digitale Bibliothek" für das Versprechen des weitgehend barrierefreien Zugriffs auf Wissen und Information. Jetzt wird dieses Versprechen von den Bibliotheken in Europa Schritt für Schritt eingelöst. Ein Meilenstein auf diesem Weg ist der Service eBooks on Demand (EOD), der im Rahmen des Programms eTEN von der Europäischen Union gefördert wird.
Europäisches Netzwerk für einen Dokumentlieferdienst
EOD ist ein Dokumentlieferdienst, mit dem man per Internet vollständige elektronische Kopien von urheberrechtsfreien Büchern bestellen kann. Im Angebot sind Bücher, die zwischen 1500 und 1900 veröffentlicht wurden.13 Bibliotheken aus acht europäischen Ländern – Dänemark, Deutschland (4), Estland, Österreich (3), Portugal, Slowakei, Slowenien und Ungarn – haben diesen Service gemeinsam aufgebaut und nehmen ihn nun sukzessive in Betrieb. Eine davon ist die Bayerische Staatsbibliothek (BSB) mit dem Referat Digitale Bibliothek/Münchener Digitalisierungszentrum.

Digitalisierung auf Bestellung
Seit Juni 2007 können die Nutzer der Staatsbibliothek in München Digitalisierungsaufträge erteilen – für jeden Band, der im Katalog des Bibliotheksverbundes Bayern mit einem EOD-Symbol gekennzeichnet ist. Das ist überaus simpel: Ein Klick auf dieses Symbol leitet den Nutzer direkt zum Bestellformular weiter, das dann online ausgefüllt wird.Der Service ist kostenpflichtig. Pro Buch werden zurzeit eine Grundgebühr von 5,00 Euro sowie weitere 50 Cent für jede gescannte Seite berechnet. Dabei ist zu beachten, dass das Buch grundsätzlich nur vollständig – also inklusive Umschlag, Vorsatzblätter, Titelseite, Inhaltsverzeichnis etc. – gescannt wird. Die Digitalisierung von Auszügen ist über diesen Service nicht möglich, dafür gibt es an der BSB andere Dokumentlieferdienste wie zum Beispiel subito. Bezahlen kann man per Kreditkarte sowie per Online-Bezahlservice (ClickandBuy).
Mehrwert für den Nutzer
Die bestellten Bände werden auf speziellen Buchscannern digitalisiert. Die Bilder der einzelnen Seiten werden dann in einer PDF-Datei zusammengeführt, die mit kostenloser Standardsoftware (wie dem Acrobat Reader) geöffnet und gelesen werden kann.Doch die Digitalisierung schafft darüber hinaus noch einen Mehrwert für den Nutzer – zumindest, sofern der Zustand und die Beschaffenheit der Buchvorlage es erlauben. Dann nämlich wird nach dem Scannen noch ein spezielles Verfahren zur automatischen Texterkennung angewendet. In diesen Fällen stehen dem Nutzer weitere Funktionen zur Verfügung: Er kann die PDF-Datei nach einzelnen Begriffen durchsuchen sowie Bilder, Textausschnitte oder den gesamten Text in andere Anwendungen kopieren und dort weiterbearbeiten.
Dass dieser zusätzliche Service normalerweise nur für Bücher, die nach ca. 1850 erschienen sind, angeboten werden kann, erklärt Fedor Bochow aus dem Referat Digitale Bibliothek der BSB so: "Zum Teil weisen die Bücher störende Altersflecken und Gebrauchsspuren auf oder aber die Schrift hebt sich kaum vom Hintergrund ab, sodass die Texterkennungssoftware keine vernünftigen Ergebnisse liefern kann. Das gleiche Problem haben wir auch bei Frakturschriften, die nur bedingt von der heute im Handel verfügbaren Software verarbeitet werden können."
Schnelle Lieferung per Internet oder Post
In der Regel dauert die Digitalisierung und Bereitstellung nicht länger als 14 Tage. Falls mit längeren Lieferzeiten zu rechnen ist, wird der Besteller darüber informiert.Für die Lieferung der Digitalisate gibt es zwei Möglichkeiten: den Download per Internet und den Versand per Post. Für den Download wird dem Nutzer ein Link übermittelt, der zwei Monate lang aktiv bleibt. Für den Postversand auf DVD wird ein Aufpreis von 10 Euro innerhalb Deutschlands bzw. 12 Euro weltweit berechnet.
Erfolgreicher Start
Fedor Bochow ist mit der Akzeptanz des neuen Services zufrieden: "Vom ersten Tag an sind bei uns Bestellungen eingegangen. Seitdem wird der Service regelmäßig genutzt – und zwar von überall in der Welt. Digitalisierungsaufträge erreichten uns unter anderem aus Australien, Dänemark, Frankreich, Italien, dem Libanon und den Niederlanden."Die Chancen dafür, dass sich das Angebot eBooks on Demand erfolgreich etablieren wird, stehen gut. Schließlich profitieren beide Seiten – Bibliothek und Bibliotheksnutzer – gleichermaßen. "Das Angebot hilft uns Bibliotheken dabei, unseren Bestand an Digitalisaten zu erweitern. Gleichzeitig liefert es einen wichtigen Beitrag zur Bestandserhaltung: Wenn Digitalisate vorhanden sind, haben wir die Möglichkeit, die Originale zu schonen."
Den größten Vorteil sieht Fedor Bochow jedoch für den Nutzer – vor allem, wenn ein Volltext geliefert werden kann. "Der Nutzer bekommt das Digitalisat per Mausklick auf seinen Computer geliefert und kann es dort auf vielfältigere Weise nutzen als das Originalbuch." Denn mit dem EOD-Service werden nicht nur zeitliche und örtliche, sondern auch mediale Barrieren überwunden.
arbeitet als freie Publizistin in Bonn
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November 2007











