Das Projekt EDLnet - Letzte Vorarbeiten für die Europäische Digitale Bibliothek

Im Juli 2007 hat ein Projektteam von Vertretern der Archive, Bibliotheken und Museen in Europa seine Arbeit aufgenommen – mit dem ehrgeizigen Ziel, der Europäischen Digitalen Bibliothek den Boden zu bereiten.
Es scheint, als habe der Suchmaschinenbetreiber Google, als er im Dezember 2004 seine Initiative zur Massendigitalisierung ankündigte, gleichzeitig beschleunigend auf die Planungen für eine über das Internet zugängliche Bibliothek der kulturellen Schätze Europas gewirkt. Jedenfalls kündigte die EU-Kommissarin Viviane Reding wenig später an, im Rahmen der EU-Strategie für die Informationsgesellschaft 2010 – kurz: i2010 – die einzigartigen Sammlungen der Archive, Bibliotheken und Museen in Europa über eine European Digital Library (EDL) zugänglich zu machen.
Bis 2010 sollen mindestens sechs Millionen Bücher, Fotos, Filme, Manuskripte und andere kulturelle Zeugnisse aus den Bibliotheken, Archiven und Museen in ganz Europa per Mausklick verfügbar sein. Doch bis dahin ist noch einiges zu tun.
Detailplanung für den Endspurt
Im Sommer hat ein Experten-Team im Projekt European Digital Library network (EDLnet) die Arbeit aufgenommen. Das Ziel dieses Netzwerkes ist es, eine sogenannte Roadmap zu erstellen. Sie soll zeigen, wie die einzelnen Komponenten einer Europäischen Digitalen Bibliothek zusammenhängen und was getan und erreicht werden muss, um diese Bibliothek auf der Basis von The European Library aufzubauen. Vorrangig geht es darum, die Bereiche zu identifizieren, in denen noch Probleme bestehen – um möglichst schnell geeignete Maßnahmen in die Wege leiten und dafür konkrete Projekte beantragen zu können.EDLnet wird von der Geschäftsstelle von The European Library an der Nationalbibliothek der Niederlande geleitet. Dem Netzwerk, das im Rahmen des eContentPlus-Programms von der Europäischen Union gefördert wird, gehören 84 Vertreter aus allen Ländern der EU und aus allen vier Kulturbereichen, die an der digitalen Bibliothek beteiligt sein werden, an: Archive und audio-visuelle Archive, Bibliotheken und Museen.
Interoperabilität trotz großer Vielfalt
"EDLnet befasst sich mit Fragen der Kooperation zwischen den Kulturbereichen und der semantischen, technischen und organisatorischen Interoperabilität, die es für den Aufbau eines multilingualen Zugangs zum verteilten und vielfältigen kulturellen digitalen Erbe Europas zu lösen gilt", heißt es in der Projektbeschreibung. Und diese Aufgabe ist gewaltig. "Es gibt in den vier Bereichen überall unterschiedliche Standards, unterschiedliche Aufgaben- und Arbeitsstrukturen und sogar ganz unterschiedliche Philosophien, was Digitalisierung angeht. Das zu koordinieren, ist eine große Herausforderung", erklärt Dr. Britta Woldering von der Deutschen Nationalbibliothek, die die Arbeiten an The European Library, EDLproject und EDLnet für die Deutsche Nationalbibliothek koordiniert.
Unterschiedlichste Traditionen
"Während Bibliotheken und zunehmend auch Archive darauf ausgerichtet sind, ihre Bestände für alle zugänglich zu machen, haben Museen andere Aufgaben. Es ist vielleicht nicht ihr vorrangiges Interesse, ihre Schätze frei zugänglich ins Netz stellen, sondern sie möchten, dass ihre Ausstellungen besucht werden", erläutert Woldering. Was für Bibliotheken inzwischen vollkommen selbstverständlich ist – nämlich, dass ihre Bestände vollständig in Online-Katalogen recherchierbar sind –, ist für ein Museum mitunter sogar mit einem Sicherheitsrisiko verbunden.Auch die Arbeitsweise in den vier Kulturbereichen, die die Inhalte der digitalen Bibliothek Europas stellen, unterscheidet sich durchaus grundlegend. "Museen arbeiten meist ausstellungsorientiert – und eher individualistisch, jedenfalls verglichen mit den Bibliotheken, die seit Jahrzehnten international kooperieren und sehr stark in Arbeitsgemeinschaften organisiert sind."
Keine einheitlichen Standards
Doch nicht nur auf der strukturellen Ebene müssen noch praktikable Wege der Zusammenarbeit gefunden werden. Auch im Bereich "semantische Interoperabilität" sind noch Fragen offen. Darunter versteht man Methoden, wie Informationssysteme verschiedener Struktur, Technologien oder Anwendungsdomänen miteinander agieren können. Hierzu ist nicht allein eine technische Interoperabilität ausreichend, vielmehr müssen sich die verschiedenen Informationssysteme auch "verstehen" können. Die Daten, die ausgetauscht werden, müssen auf beiden Seiten in identischer Weise verstanden und interpretiert werden.Seit Sommer arbeiten die Arbeitsgruppen im Netzwerk auf Hochtouren. Denn schon Ende 2008 soll ein voll funktionsfähiger Prototyp der Europäischen Digitalen Bibliothek vorgestellt werden, der über eine mehrsprachige Oberfläche den Zugang zu mindestens zehn digitalen Sammlungen aus jedem der vier Kulturbereiche eröffnet. "Und dabei ist", so Britta Woldering, "das enge Zeitkorsett wohl eine der größten Herausforderungen, denen wir uns stellen."
arbeitet als freie Publizistin in Bonn.
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Januar 2008










