Der ständige Ausbau der „eLibrary“

Wissenschaftliche Bibliotheken in Deutschland bauen ihr digitales Angebot beständig aus – und stellen neue internetbasierte Dienste bereit, um den steigenden Anforderungen von Forschung und Lehre gerecht zu werden. Die Bibliothek der Zukunft wird wohl eine Bibliothek des permanenten Wandels sein.
Jahrhunderte lang haben Bibliotheken nach einem bestimmten System gearbeitet, das sich leicht verkürzt mit „Bücher sammeln und erschließen“ bezeichnen lässt. Im digitalen Zeitalter hat sich aber auch dieser Grundsatz verändert. Da sich die Anforderungen an eine Forschungsumgebung rasant entwickeln, stellen auch die wissenschaftlichen Bibliotheken immer neue Dienstleistungen zur Verfügung. „Weil die traditionellen wissenschaftlichen Arbeitsweisen immer stärker um digitale erweitert werden, braucht die Forschung die Unterstützung durch eine neuartige eLibrary“, erklärt Dr. Wolfram Horstmann, Chief Information Officer für wissenschaftliche Information an der Universität Bielefeld. Dabei steht das „e“ für ihn nicht nur für electronic, sondern auch für enhanced: „erweitert, ausgebaut“.
Beispiele für neuere digitale Angebote
Bereits seit Jahrzehnten bieten Bibliotheken digitale Dienste an. Die meisten sind heute eine Selbstverständlichkeit – so etwa der elektronische Bibliothekskatalog, aber auch das stetig wachsende Angebot der Medien, die wie eBooks oder elektronische Zeitschriftenartikel digital ausgeliehen werden können.
Doch die technischen Voraussetzungen haben sich in den letzten Jahren deutlich geändert – und mit ihnen das wissenschaftliche Arbeiten. „Mittlerweile gilt es als normal, dass man überall einen Zugang zum Internet hat“, sagt Horstmann. „Das macht heute zum Beispiel neue und viel schnellere Formen der Zusammenarbeit möglich.“
Zahlreiche Universitätsbibliotheken suchen daher nach neuen digitalen Möglichkeiten, um Forscher bei ihrer Arbeit unterstützen. Dazu gehören Tools zur Literaturverwaltung oder zur Organisation der Begutachtung von Texten – sogenannte Peer-Review-Verfahren – über das Internet, aber auch Plattformen für E-Learning-Angebote oder zur Erstellung von Online-Zeitschriften. „Fast alle wissenschaftlichen Bibliotheken betreiben heute digitale Repositorien“, berichtet Horstmann: eine Art Server, auf denen wissenschaftliche Ressourcen – etwa PDF-Dateien, Datensätze oder Lernmaterialien – liegen. „Mit ihnen können wir die Daten und Publikationen der Wissenschaftler sehr schnell und zuverlässig im Internet bereitstellen.“
Weltweit unbeschränkter Zugang
Repositorien ermöglichen es, dass der einzelne Forscher auf digitale Publikationen zugreifen kann – und zwar ohne die Beschränkungen, die es etwa bei Verlagsveröffentlichungen gibt. „Mit Repositorien lässt sich aber auch sicherstellen, dass die Objekte global gefunden werden können“, erklärt Horstmann. „Denn nicht nur Menschen, sondern auch Maschinen können darauf zugreifen. Das geschieht etwa über die großen Suchmaschinen wie Google oder Yahoo, aber auch über spezielle wissenschaftliche Suchmaschinen.“
Folgerichtig haben sich die Bibliotheken auch der Entwicklung von wissenschaftlichen Suchmaschinen angenommen. Ein Beispiel hierfür ist die international bekannte Suchmaschine BASE-search.net, die in Bielefeld entstanden ist. Sie eröffnet den Zugang zu Dokumenten, die an den verschiedensten Stellen der Welt auf Repositorien liegen.
Neue Netze für das Wissen
Noch ist der Weg zur eLibrary steinig. „Derzeit werden viele Anwendungen noch als einzeln stehende lokale Dienste entwickelt, die sich nicht unbedingt in die globale Kommunikation einfügen“, sagt Wolfram Horstmann. „Es fehlt noch an Standards, die berücksichtigt oder auch teilweise erst entwickelt werden müssen.“ Hier liegt für Horstmann die nächste Herausforderung im Bibliothekswesen: „Die Frage ist jetzt: Wie können Bibliotheken ihre digitalen Dienste dauerhaft und koordiniert – von Bibliothek zu Bibliothek, von Land zu Land – zur Verfügung stellen? Hier müssen neue Formen der Zusammenarbeit zwischen den Bibliotheken etabliert werden.“
Und wann ist der allgegenwärtige, offene und unbeschränkte Zugang zu wissenschaftlichen Ressourcen eine Selbstverständlichkeit? „Ich glaube, dass man diese Frage in zehn Jahren nicht mehr stellen wird“, antwortet Horstmann. „Dann wird man sich daran gewöhnt haben, dass man nie komplette Angebote anbieten kann, um digitale Informationen zu managen. Schon heute gibt es von den Forschern fast täglich neue Anforderungen. Die digitale Bibliothek der Zukunft wird also eine Bibliothek des ständigen Wandels sein.“
arbeitet als freie Publizistin in Bonn.
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Februar 2009
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