Digitale Bibliotheken

Alles digital: Geschichtswissenschaft im Internet

L.I.S.A.-LogoL.I.S.A.-LogoVirtuelle Forschungsumgebungen werden in der Geschichtswissenschaft immer wichtiger. Kein Wunder: erleichtern sie doch das Studium von Quellen und Literatur erheblich.

Wer sich professionell oder als Laie mit Geschichte beschäftigt, studiert deren Ausformungen in Form von direkten Quellen oder deren Interpretationen in Form von Literatur. Beides war bis vor einigen Jahren ausschließlich in wissenschaftlichen Bibliotheken möglich. In Zeiten der Digitalisierung und des Internets haben sich einige virtuelle Forschungsumgebungen etabliert.

Wissenschaftsportal L.I.S.A.

Im Februar 2010 hat das Wissenschaftsportal L.I.S.A. der Gerda-Henkel-Stiftung seine Pforten geöffnet. Das Akronym soll die zentralen Möglichkeiten des Portals beschreiben: Lesen, Informieren, Schreiben und Austauschen. Das Portal besteht aus drei Bereichen: Ein Online-Redakteur moderiert die Beiträge, entwickelt Themendossiers und akzentuiert wichtige Aspekte der im Portal behandelten Schwerpunkte. Die Doktoranden der Gerda-Henkel-Stiftung können ihre Dissertationsvorhaben präsentieren und sich in einem nichtöffentlichen Bereich untereinander austauschen.

Im Videobereich bieten Archäologen, Historiker, Kunsthistoriker, Psychoanalytiker und Restaurierungswissenschaftler Einblick in ihre Forschungsarbeit. Die Videos spannen thematisch einen Bogen von der Wiederlesbarmachung altägyptischer Wandmalerei in Theben über Burgen im mittelalterlichen Breisgau bis zur Traumaforschung am Beispiel des Hamburger Feuersturms von 1943.

L.I.S.A. hat seinen redaktionellen Sitz in der Geschäftsstelle der Gerda-Henkel-Stiftung in Düsseldorf. Von dort aus werden Schwerpunktthemen, Beiträge und Diskussionen geplant und betreut. Die 1976 gegründete Gerda-Henkel-Stiftung fördert die Forschung auf dem Gebiet der Historischen Geisteswissenschaften unter anderem durch die Vergabe von Promotions- und Forschungsstipendien sowie die Finanzierung wissenschaftlicher Tagungen.

Forschung virtuell: TextGrid

Text-Grid-LogoSchon länger in der virtuellen Forschung etabliert ist die geschichtswissenschaftliche Online-Community TextGrid. Das von zehn Partnern getragene Verbundprojekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Ziel des Projekts ist es, Werkzeuge zur Verfügung zu stellen, um mit den ständig wachsenden Datenmengen umzugehen, die durch Digitalisierungsinitiativen der letzten Jahre entstanden sind – inzwischen einige hundert Terabyte. So hat der Forschungsverbund kürzlich die Texte der Online-Bibliothek zeno.org mit Mitteln BMBF erworben. Diese digitale Sammlung ist die umfangreichste ihrer Art im deutschen Sprachraum und enthält Texte vom Anfang des Buchdrucks bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts.

Neuerdings kooperiert TextGrid mit Wikimedia Deutschland und Creative Commons Deutschland, um diese Textsammlung für die Allgemeinheit frei nutzbar zu machen. Die dem Projekt eigenen Strukturen ermöglichen die Vernetzung von Wissenschaftlern, die derzeit noch in räumlicher Distanz an vergleichbaren Projekten arbeiten, zu virtuellen Arbeitsgemeinschaften.

Zeitgeschichte im Internet

Ein Online-Nachschlagewerk zu zentralen Begriffen, Konzepten, Forschungsrichtungen und Methoden der zeithistorischen Forschung ist Docupedia-Zeitgeschichte. Entwickelt wurde dieses virtuelle Forschungsportal vom Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam in Zusammenarbeit mit dem Institut für Geschichtswissenschaften und dem Computer- und Medienservice der Humboldt-Universität zu Berlin. Gefördert wird es durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft.

Die Arbeit von Docupedia-Zeitgeschichte wird durch einen derzeit 39 Personen umfassenden Kreis von Herausgebern begleitet. Die Mitglieder des Herausgeberkreises schlagen neue Artikel und Autoren vor, sind selber als Autoren aktiv oder wirken als Gutachter und Kommentator. Docupedia-Zeitgeschichte unterstützt die Online-Veröffentlichung von Forschungsliteratur im Open-Access. In Zusammenarbeit mit dem Dokumentenserver des Computer- und Medienservices der Humboldt-Universität Berlin können eigene, ausschließlich im Print erschienene Veröffentlichungen retrodigitalisiert oder ein bereits digital vorliegendes Dokument dauerhaft veröffentlicht werden.

Richard Lamers, M. A.,
ist freier Wissenschaftsjournalist und lebt in Köln.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
April 2010

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