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19:00 Uhr
Desiderius. Reflexionen über ein Selbstporträt
Film|
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Casa Nacional del Bicentenario, Buenos Aires
Zum 40. Jahrestag der Demokratie in Argentinien stellen Kinopalais zusammen mit dem Goethe-Institut den Dokumentarfilm „Desiderius. Reflexionen über ein Selbstporträt“ von Juliana Fischbein in Anwesenheit der Regisseurin vor, die nach der Aufführung dem Publikum für ein Filmgespräch zur Verfügung stehen wird.
Desiderius stellt sich selbst dar. Er erzählt von seiner Kindheit in Ungarn, der Jugendzeit in Polen, seiner Teilnahme am Zweiten Weltkrieg, der Auswanderung nach Argentinien, seinen Arbeitsstellen bei den argentinischen Militärs, der Kooperation bei Projekten der deutschen Botschaft und von der Familie. Immer wieder aber hält er inne und reflektiert vor der Kamera über die Wahrheit, die Lüge, den Zufall.
Desiderius heiratete eine Argentinierin, hatte eine Tochter und später einen Sohn. Sein Sohn, Rolf Stawowiok, wurde 1978 während der Militärdiktatur in Argentinien verschwunden. Erst 30 Jahre später wurden seine Überreste in einem Gemeinschaftsgrab gefunden.
Thema des Filmes ist die Selbstdarstellung Desiderius‘, die starke Spannungen aufweist, und die Reflexionen, die diese beim Zuhören hervorrufen.
So haben wir in den darauffolgenden Wochen Tag für Tag bei Mate-Tee und Kuchen stundenlange Interviews geführt. Desiderius erzählte gerne und ausführlich von seinem facettenreichen Leben, und wir besuchten zusammen Orte, die für seine Geschichte emblematisch waren.
Das erste, das er von sich sagte, war: “Ich bin der einfältigste Mensch, den es überhaupt geben kann. Ich glaube Gott sei Dank immer allen alles, und lebe in den Tag hinein … Ich glaube halt dem Menschen. Und bin dahinter gekommen, dass das überhaupt die beste Methode ist zu leben!“
Ich brauchte aber noch einige Stunden Interviews und die Lektüre seines selbstredigierten Lebenslaufs, bis ich nachvollziehen konnte, dass dieses Selbstbildnis nicht unbedingt stichhaltig war. Es waren vor allem seine vielsagenden Gesichtsausdrücke, sein gelegentlich ausweichender Blick, sein immer wieder kehrendes „rein zufällig habe ich es erlebt“, was einige blinde Flecken ahnen ließen.
Jahre später fasziniert mich heute noch die Spannung zwischen dem, was er aussagt, und dem, worüber er schweigt.
In einer Welt, die immer mehr dazu neigt, alles nach den Kategorien Schwarz-Weiß zu beurteilen, möchte ich den Fokus auf die Schattierungen richten und uns selbst die Fragen stellen: Wie erzählen wir alle unsere eigene Geschichte? Was bringen wir zur Sprache, und was bleibt im Dunkeln? Wie nehmen wir die Selbstdarstellungen anderer wahr? Wie differenzieren wir dabei das Objektive vom Subjektiven?
Desiderius. Reflexionen über ein Selbstporträt
Juliana Fischbein, 2023, 64 Min.Synopsis
“Ich will die Geschichte meines Lebens erzählen“ sagte uns Desiderius, ein 91 jähriger Deutscher im Januar 2013 …Desiderius stellt sich selbst dar. Er erzählt von seiner Kindheit in Ungarn, der Jugendzeit in Polen, seiner Teilnahme am Zweiten Weltkrieg, der Auswanderung nach Argentinien, seinen Arbeitsstellen bei den argentinischen Militärs, der Kooperation bei Projekten der deutschen Botschaft und von der Familie. Immer wieder aber hält er inne und reflektiert vor der Kamera über die Wahrheit, die Lüge, den Zufall.
Desiderius heiratete eine Argentinierin, hatte eine Tochter und später einen Sohn. Sein Sohn, Rolf Stawowiok, wurde 1978 während der Militärdiktatur in Argentinien verschwunden. Erst 30 Jahre später wurden seine Überreste in einem Gemeinschaftsgrab gefunden.
Thema des Filmes ist die Selbstdarstellung Desiderius‘, die starke Spannungen aufweist, und die Reflexionen, die diese beim Zuhören hervorrufen.
Motivation
Im Sommer 2013 erzählte mir meine gute Freundin G., dass ein Bekannter von ihr, ein älterer Deutscher, seinen Wunsch geäußert hätte, jemanden zu finden, der seine Lebensgeschichte in einem Buch aufzeichnet. Aber, als sie ihm sagte, sie hätte eine Freundin, die Dokumentarfilme zum Thema Migration machte, war er begeistert von der Idee, eine audiovisuelle Version zu realisieren.So haben wir in den darauffolgenden Wochen Tag für Tag bei Mate-Tee und Kuchen stundenlange Interviews geführt. Desiderius erzählte gerne und ausführlich von seinem facettenreichen Leben, und wir besuchten zusammen Orte, die für seine Geschichte emblematisch waren.
Das erste, das er von sich sagte, war: “Ich bin der einfältigste Mensch, den es überhaupt geben kann. Ich glaube Gott sei Dank immer allen alles, und lebe in den Tag hinein … Ich glaube halt dem Menschen. Und bin dahinter gekommen, dass das überhaupt die beste Methode ist zu leben!“
Ich brauchte aber noch einige Stunden Interviews und die Lektüre seines selbstredigierten Lebenslaufs, bis ich nachvollziehen konnte, dass dieses Selbstbildnis nicht unbedingt stichhaltig war. Es waren vor allem seine vielsagenden Gesichtsausdrücke, sein gelegentlich ausweichender Blick, sein immer wieder kehrendes „rein zufällig habe ich es erlebt“, was einige blinde Flecken ahnen ließen.
Jahre später fasziniert mich heute noch die Spannung zwischen dem, was er aussagt, und dem, worüber er schweigt.
In einer Welt, die immer mehr dazu neigt, alles nach den Kategorien Schwarz-Weiß zu beurteilen, möchte ich den Fokus auf die Schattierungen richten und uns selbst die Fragen stellen: Wie erzählen wir alle unsere eigene Geschichte? Was bringen wir zur Sprache, und was bleibt im Dunkeln? Wie nehmen wir die Selbstdarstellungen anderer wahr? Wie differenzieren wir dabei das Objektive vom Subjektiven?
Biografie
Juliana Fischbein wurde in Rosario, Argentinien geboren. Sie studierte in Buenos Aires und in Bonn, Deutschland. Sie hat einen Universitätsabschluss in Kunst (UBA) und einen Lehramtsabschluss für Deutsch (Lenguas Vivas). Neben ihrer Forschungs- und Lehrtätigkeit im Bereich der Germanistik an der geisteswissenschaftlichen Fakultät (FFL-UBA) und am Goethe Institut leistet sie Forschungsarbeit zu Migration und Exil und hat verschiedene Dokumentarfilme mit Zeugnissen von Migrant*innen und Exilant*innen gedreht, die an Universitäten und in Kulturstätten in Mexiko, Argentinien, Uruguay, Spanien und Deutschland gezeigt wurden.Links zum Thema
Ort
Casa Nacional del Bicentenario
Riobamba 985
Buenos Aires
Argentinien
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Buenos Aires
Argentinien
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Casa Nacional del Bicentenario
Riobamba 985
Buenos Aires
Argentinien
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