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18:00 Uhr

Alltagspoesie – Die frühen Filme von Helke Misselwitz

Film|Filmvorführung Winter Adé (1988, 116´, DDR).

Schwarz-weiß-Foto von zwei Frauen, die auf einem verlassenen Bahngleis von hinten zu sehen sind. Sie gehen dicht nebeneinander, halten sich an den Händen und bewegen sich in eine nebelige, von kahlen Bäumen gesäumte Landschaft hinein. © DEFA_Stiftung_Thomas_Plenert

Schwarz-weiß-Foto von zwei Frauen, die auf einem verlassenen Bahngleis von hinten zu sehen sind. Sie gehen dicht nebeneinander, halten sich an den Händen und bewegen sich in eine nebelige, von kahlen Bäumen gesäumte Landschaft hinein. © DEFA_Stiftung_Thomas_Plenert

Das Goethe-Institut, das Bibliotheksnetzwerk der Stadt Buenos Aires und die DEFA-Film Library präsentieren Alltagspoesie: Die frühen Filme von Helke Misselwitz im Rahmen der Filmreihe „Cine para Lectores" (Kino für Leser*innen). Die Reihe umfasst drei Lang-, fünf Kurz- und ein mittellanger Film der großen deutschen Filmemacherin, die in der DDR geboren wurde. Dieselbe Reihe, mit in Argentinien größtenteils unbekannten Filmen, wurde im November 2021 auf dem 36. Internationalen Filmfestival von Mar del Plata gezeigt.  

Jede Vorführung in der Casa de la Lectura y la Escritura bietet eine Einleitung zum Film und eine anschließende Q&A-Runde. Die Idee des Programms ist das Kino aus einer literarischen Perspektive zu betrachten.  

PROGRAMM

Winter Adé (1988, 116´, DDR).

Kurz vor dem Zusammenbruch der DDR. Helke Misselwitz reist von Zwickau aus mit dem Zug durch die DDR und begegnet Frauen verschiedenen Alters und unterschiedlicher sozialer Herkunft. In diesem dokumentarischen Meisterwerk äußern die Frauen in den Gesprächen ihre persönlichen und beruflichen Frustrationen, ihre Wünsche und Hoffnungen. Sie bilden so das Porträt einer sich wandelnden Gesellschaft ab. Die Kamera wird in dem Schwarzweißfilm (35mm), der sich vor dem Hintergrund der ostdeutschen Landschaft und Architektur abspielt, von Thomas Plenert, einem der besten deutschen Kameramänner, geführt. Winter Adé ist ein richtungsweisender Dokumentarfilm, der bei seiner Uraufführung 1988 auf dem Internationalen Dokumentarfilmfestival in Leipzig entsprechendes Aufsehen erregte. Der Film untergrub das offizielle Bild der Frauen in der DDR und stellte die Behauptung in Frage, die DDR habe die Gleichstellung der Geschlechter erreicht. Gleichzeitig aber sprechen die Frauen im Gefühl einer neuen Unabhängigkeit auch viel offener über ihr Leben.

Biografie

Helke Misselwitz

Sie gehört zu den wichtigsten Filmemachern der letzten DEFA-Generation. Sie wird am 18. Juli 1947 in Planitz, bei Zwickau geboren. Sie arbeitete neun Jahre lang als Regieassistentin und Regisseurin beim Fernsehen der DDR und studierte von 1978 bis 1982 in der Hochschule für Film und Fernsehen nach Potsdam-Babelsberg im Fachbereich Regie.

Zum Fernsehen kehrt Helke Misselwitz nach Ende ihres Studiums nicht zurück. Sie arbeitet als freie Autorin und Regisseurin. Im DEFA-Studio für Dokumentarfilme dreht die junge Regisseurin Kurzfilme.  Als Regisseur Heiner Carow sie als Meisterschülerin an der Akademie der Künste der DDR aufnahm, schuf sie den herausragenden Dokumentarfilm „Winter Adé” (1988), der großen internationalen Resonanz weckte.

Der Erfolg der Regisseurin führt 1988 zu einer festen Anstellung im DEFA-Studio für Dokumentarfilme, wo sie wichtige Dokumentarfilme drehte. 1992 drehte Misselwitz ihren ersten Spielfilm „Herzsprung”, 1996 folgte „Engelchen”.

Von 1997 bis 2014 war Helke Misselwitz Professorin für Regie an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam-Babelsberg (heute: Filmuniversität Babelsberg). Nach ihrem Ausscheiden widmete sie sich wieder der Regiearbeit und schuf ein Portrait der (ost)deutschen Fotografin Helga Paris (2019). Ihr letzter Dokumentarfilm ist „Die Frau des Dichters” (2021). Misselwitz ist seit 1991 Mitglied der Akademie der Künste und seit 2018 stellvertretende Direktorin der Sektion für Film- und Medienkunst.